ml-universe

7. November 2026

Meine Kindheit an der Isar in München von Karla Weigand

Meine Kindheit an der Isar in München – Karla Weigand
Außer der Reihe 102
p.machinery, Winnert, Oktober 2026
ISBN: 978 3 95765 531 8
Seiten: 265
Preis: 17,90 €

Ich lese hin und wieder sehr gerne Biografien und so wundert es nicht, dass es Karla Weigand gelungen ist, mich in die Nachkriegszeit zu entführen, die sie mit ihren Eltern in München zugebracht hat. Dass die Autorin schreiben kann, hat sie in vielen Romanen und Kurzgeschichten bereits unter Beweis gestellt, aber ureigene Erlebnisse zu Papier zu bringen, ist noch einmal eine andere Herausforderung, denn hier muss die Phantasie außen vor bleiben und man muss absolut ehrlich sein.
Und das ist Karla Weigand im ganzen Buch. Sie gesteht ihre Fehler ein und versucht an keiner Stelle sich als liebenswürdiges, gescheites und schüchternes Kind darzustellen. Ganz im Gegenteil erzählt sie uns, dass sie schon immer ein kleiner Wirbelwind war, der seinen ureigenen Kopf hatte. Einen Kopf, der sich viele Gedanken machte und sich viel zusammenreimte, was nicht immer unbedingt der Wahrheit entsprach, aber macht das nicht gerade das Kindsein aus?
Ich weiß, dass Kinder heute nicht mehr viel lesen und in einer ganz anderen Welt groß werden, aber ich fände es gut, wenn auch junge Menschen dieses Biografie lesen würden, um sich ein Bild davon zu machen, wie es sich im Vor-Handy-Vor-Internet-Zeitalter gelebt hat. Wie man ohne Bad und Heizung auskommen kann und trotzdem nicht klagt. Wie man um jedes Essen und jedes Kleidungsstück (auch die verhassten bunten Ami-Klamotten) dankbar sein kann und wie man auch mit wenig Platz auskommt. Wenn sie erfahren würden, dass in dieser Zeit Schulklassen weit größer waren und man alleine sehen musste, dass man mitkam. Wenn sie erfahren würden, dass es tatsächlich Zeiten gab, als es weder Waschmaschinen, noch Spülmaschinen oder gar Staubsauger gab. Ich schätze, es wird ihnen ebenso schwer fallen, wie sich vorzustellen, wie man einen Ort völlig ohne Handy oder Navi finden kann.
Obwohl ich 15 Jahre jünger bin, kenne ich vieles, das Karla Weigand beschreibt noch aus meiner eigenen Kindheit, aber bei fremden Menschen einquartiert zu werden, gehört erfreulicher Weise nicht dazu. Sich, zumindest im Anfang, als unerwünschte Gäste zu fühlen, das stelle ich mir nicht besonders schön vor.
Es hat mir gut gefallen, die kleine aufmüpfige Person kennenzulernen, die schon recht früh ihren eigenen Kopf hatte und wusste, was gut für sie ist. Über einiges musste ich schmunzeln und bei anderen Dingen fiel mir wieder ein: Ja, so war das damals. Da hatte man die Kohlen im Keller und musste sie täglich hochschleppen, um zumindest ein Zimmer warm zu bekommen. Und ungewollt begibt man sich mit dieser Lektüre selbst auf eine Zeitreise und gräbt längst Vergessenes wieder aus. Egal ob es gute oder weniger gute Erinnerungen sind.
Mich hat auch gefreut, dass Karla Weigand immer einen Weg gefunden hat, sich zurückzuziehen und mit sich alleine zu sein. Mit Büchern, selbstverständlich. Die Liebe zur Literatur hat bei ihr schon früh begonnen und ist nie geendet.

Egal, ob für Leser, die die Autorin auf ihrer Zeitreise begleiten oder welche, die in völlig fremde Welten eintauchen, ich finde dieses Buch absolut lesenswert. Mich hat es ganz vorzüglich unterhalten und ich habe Seiten von Karla Weigand kennengelernt, die ich bisher nicht kannte. Und die haben sie mir noch sympathischer gemacht.

6. November 2026

Schreibtipps to go von Amandara Schulzke und Charlotte Charonne

Schreibtipps to go von Amandare Schulzke und Charlotte Charonne
CharlesVelrag, 28 Februar 2026
ISBN: 978-3910408272
Seiten: 200
Preis: 16,90 €

Wenn sich Lektorinnen treffen, dauert es nie lange, bis sie sich über die neusten Marotten ihrer Autoren austauschen und sich fragen, ob viele Fehler vielleicht aus Unwissenheit gemacht werden. Ich gebe zu, dass auch ich schon oft überlegt habe, ein paar Ratschläge auf meiner Internetpräsenz zu hinterlassen. Nachdem es unendlich viele Schreibratgeber gibt und angehende Autoren auch in diversen Schreibforen Rat und Unterstützung finden können und dies ganz offensichtlich oft nicht tun, kam ich zu dem Schluss, dass es vergebene Liebesmüh wäre. Ganz anderes sahen Amandara Schulzke und Charlotte Charonne das Thema und fassten ihre Ratschläge in einem handlich kleinen Buch zusammen, welches ich mit Freude gelesen habe.
Die beiden stehen nämlich nicht mit erhobenen Zeigefinger vorm Schreibanfänger und erklären die Welt mit unverständlichen Worten, sondern würzen ihre Ratschläge immer wieder mit Beispielen aus der Praxis, die sehr gut veranschaulichen, worum es ihnen geht.
Wenn es nach mir ginge, sollte dieser Ratgeber von allen Autoren gelesen werden und diese sollten die Ratschläge berücksichtigen, denn das würde auch mein Lektorinnenleben wirklich angenehmer gestalten.

Noch besser ist es allerdings, wenn man die Möglichkeit hat, die beiden in einer Lesung zu erleben, denn dort kommt ihr Humor noch viel mehr zur Geltung als im Buch. Da bringen sie noch mehr Beispiele und beziehen das Publikum immer mal wieder mit ein. Da merkt man auf angenehme Art, wie spontan sie sind und jeden Einwurf dankbar aufnehmen.

Einzig das ewig lange Inhaltsverzeichnis hat mich ein wenig gestört.

Ich drücke den Autorinnen – und mir auch – die Daumen, dass dieses Buch reißenden Absatz finden möge. Ich kann es auf jeden Fall sehr empfehlen.

9. Oktober 2026

Alle Drohnen kommen in den Himmel – Achim Stößer

Alle Drohnen kommen in den Himmel – Blasphemische Science-Fiction-Geschichten von Achim Stößer

Andro SF 243

p.machinery, Winnert, August 2026

ISBN: 978-3957655219

Seiten: 276

Preis: 19,90 €

Achim Stößer hat hier eine Kurzgeschichtensammlung erstellt, die sehr unterhaltsam ist, auch wenn ich mir denken könnte, dass der eine oder andere sich von dem Wort »Blasphemisch« abgestoßen fühlen könnte, aber ich persönlich finde, wenn alle Religionen ihr Fett weg bekommen, müsste das in Ordnung sein. ;-)

Es hat mich beeindruckt, dass der Autor sich offensichtlich mit sehr, sehr vielen Religionen auseinandergesetzt hat, um an allen etwas zu finden, was einem normal denkenden Menschen zum Grübeln zwingen muss. Ich weiß nicht, ob er die Stellen, die den Menschen Hoffnung machen sollen überliest oder ob die tatsächlich einfach rarer gesät sind. Er zeigt auf, wo Religionen barbarisch sind, wo sie ein dummes Hinterherlaufen einfordern, wo sie sinnlose Opfer abverlangen, aber er betrachtet auch die Menschen, die sich »leiten« lassen und Gesetzen folgen, die längst überholt sind. Wie können Gesetze aus religiösen Schriften jemals überholt sein? Wird sich bestimmt jemand fragen, aber in dieser Sache muss ich dem Autor beipflichten, denn heutzutage steht das Gesetz über den kirchlichen »Gesetzen«. Und das völlig zu Recht. Gut, man könnte sagen, dass wir uns inzwischen nur noch ans Neue Testament gebunden fühlen, weil im Alten Testament zu viele grausame Dinge gefordert und beschrieben werden, aber ist das nicht ein wenig so, als würde man sich aus dem Gesetzbuch nur die Passagen heraussuchen und für sich gelten lassen, die einem genehm sind?

Ich musste an einigen Stellen laut lachen, weil mir die trockene Art von Humor sehr liegt, aber es gibt weit mehr Stellen, die einen zum Nachdenken und Philosophieren anregen. Und das gelingt heute kaum noch einer Kurzgeschichtensammlung.

Wer sich also nicht gleich angegriffen fühlt, wenn der Autor mit seiner Religion ins Gericht zieht, der sollte sich diesen Lesegenuss gönnen.

Ich bin immer noch beeindruckt davon, dass der »Ungläubige« so belesen in so vielen Religionen ist. Es scheint fast so, als hätte der Autor verzweifelt nach einer Religion gesucht, die es wirklich nur zum Wohle der Gläubigen gibt und als sei er nicht fündig geworden. Mir kam es hin und wieder auch so vor, als wäre er darüber nicht besonders erfreut. Er bezeichnet Glaubensbücher als Märchenbücher, den Glauben an Religion als Wahnsinn und das macht auf mich den Eindruck, als spräche hier jemand, der jeden Respekt vor allen Religionen verloren hat. Und wenn man seine Beispiele liest, kann man schwer umhin, ihm Recht zu geben, denn er legt den Finger immer auf die Wunde und nimmt oft einen ganz anderen Blickwinkel ein als den, den man seit kleinauf gewohnt ist.

Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen.

Tod eines Wechselbalgs – Illustration von Gabriele Behrend

Diane kommt mit Grimm in Denzlingen an und dieser Ort, damals noch Langendenzlingen, ruft sehr traumatische Erinnerungen in Grimm wach. Gabriele Behrend hat das sehr gut eingefangen, finde ich.

8. Oktober 2026

Warum hat Diane auf einmal schwarze Haare?

Hier das Bild von Frank G. Gerigk zu Dianes Story Meister Shini. Der eine oder andere fragt sich bestimmt, ob das auf dem Bild wirklich Diane sein soll, weil wir sie bislang als blond kennengelernt haben. Diane kann nicht nur durch Raum und Zeit wandern, sie kann auch ihre Gestalt verändern. (Wobei man zugeben muss, dass dies kein bewusster Akt ist.) In dieser Story landet sie auf Terra 3 und dort im Haus eines Mannes, der sich als Inkubus entpuppt. Und genau das ist es, was den Zwerg so sauer macht, denn Diane hat Gefallen an dem Mann gefunden, der im Bett so genau weiß, was sie möchte. ;-)

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