Euch geht es zu gut Roman von Ralph Alexander Neumüller
Andro SF 242
p.machinery Winnert, August 2026
Seiten: 212
Preis: 17,90 €
ISBN: 978-3957655202
Ash ist derzeit auf der Erde dafür verantwortlich, dass die Menschen leiden, denn die Erde ist die Hölle.
Die Idee mit einem Vollstrecker aus der Hölle auf der Erde ist nicht neu, die hatte Stephen King schon in »Das letzte Gefecht«, aber Ash ist vielschichtiger angelegt, als Randall Flagg, auch wenn er sich das nicht eingestehen mag. Im Prinzip verabscheut Ash die Menschen, aber ohne sein Zutun schleichen sich Mitgefühl und Anteilnahme ein und eine Art Überdruss mit seinem Dasein. Obwohl Ash das Böse verkörpert, wird er nicht eindimensional schlecht und böse beschrieben. Ich liebe es immer, wenn es Autoren gelingt, »echte« Charaktere zu schaffen, anstatt eindimensionaler Schablonen.
Xiaochun ist die andere Hauptperson, die ebenso lebensecht beschrieben wird. Sie ist eine Alleinerziehende, die ihre beiden Jobs verliert und nicht weiß wie sie nun klarkommen soll. Außerdem scheint ihr Ex ihr das Sorgerecht streitig machen zu wollen. Er hat beobachtet, dass sie den gemeinsamen Sohn oft vorm Fernseher oder am Handy alleine lässt, was aber aufgrund des akuten Zeitmangels gar nicht anders machbar wäre.
Aus einer Ecke, aus der sie es am wenigsten erwartet hätte, wird ihr Hilfe zuteil. Sie darf in der Gartenhütte eines reichen Influencerpärchens wohnen und einen Teil der Gartenernte behalten.
Ich habe dieses Buch wieder genossen. Ralph Alexander Neumüller schafft es, seine Leser ab der ersten Seite in Bann zu ziehen und das ohne lästige Cliffhanger. Er schreibt einfach interessante Geschichten, deren Ende man unbedingt erfahren möchte. Handwerklich sticht der Roman deutlich aus der Masse hervor und auch das kommt bei mir sehr gut an. (Ich bin es so leid, Texte zu lesen, die von Adjektiven nur so triefen.)
Die Idee, dass wir hier alle bereits in der Hölle schmoren, fand ich interessant, weil man ja aufgrund der vielen Krisen echt hin und wieder auf diese Idee kommen könnte. Interessant war in meinen Augen auch, dass Neumüller der Meinung zu sein scheint, dass wir viele Probleme in den Griff bekommen werden. So ist die Klimakrise in seiner Welt gebändigt und die Ungleichheiten minimiert worden. Wobei letzteres im Klappentext behauptet wird, aber Xiaochun so arm ist, dass sie selbst mit zwei Jobs kaum über die Runden kommt, während das Influencerpärchen in Saus und Braus lebt. So ganz scheint das also nicht geklappt zu haben. Aber das tut dem Lesegenuss keinen Abbruch.



