ml-universe

29. Juli 2017

Inspiration

Die Bilder von Andreas Schwietzke, die ihr hier ansehen könnt:

http://www.deviantart.com/newest/?q=arteandreas

erzählen Geschichten. Das brachte mich auf die Idee, einige Autoren zu fragen, ob sie Lust hätten, sich von diesen Bildern zu eigenen Geschichten inspirieren zu lassen.

Ich startete eine Rundfrage und bekam durchweg positive Resonanz. ‚Mein‘ Verleger Michael Haitel mit seinem p.machinery Verlag hat ja immer ein offenes Ohr für meine Ideen und sagte sofort zu, das Ergebnis dieser Aktion als Bildband zu veröffentlichen. Die Autoren suchten sich Bilder aus dem reichhaltigen Repertoire aus und verfassten Geschichten dazu. Das Ergebnis ist teils überraschend, teils lustig und alle Storys sind interessant. Ich habe völlig unbekannte Talente mit alt bekannten Größen zusammengetan und es nicht bereut.

Die Daten für das Buch sind inzwischen beim Verlag und warten auf Layout und Veröffentlichung.

Aber das war noch nicht alles. Denn mich interessierte außerdem noch die Entstehungsgeschichte zum jeweiligen Bild und was der Maler von den Geschichten hielt. Also fragte ich Michael Haitel, was er von einem ‚Buch zum Buch‘ hielte und er gab mir erneut grünes Licht. Danke Michael!

Das Ergebnis wird den Titel ‚Dialog‘ tragen. Darin sind die Autoren in alphabetischer Reihenfolge jeweils mit dem ausgesuchten Bild aufgelistet. Ich befrage Andreas zuerst, wie das Bild entstanden ist und dann sprechen wir darüber, wie er seine Inspiration in den Geschichten umgesetzt sieht.

Ich fand es sehr interessant mit ihm zu plaudern und mehr darüber zu erfahren, wie er arbeitet, zu seinen Ideen kommt und sie dann umsetzt.

‚Inspiration‘ wird auch ohne ‚Dialog‘ verstanden, aber das Interview stellt eine gute Ergänzung zur Anthologie dar.

Sobald die Bücher erschienen sind, werde ich Bescheid geben und freue mich dann über jede Resonanz.

 

 

 

25. November 2016

Zwielicht im Doppelpack

Die aktuelle Ausgabe des Zwielicht Magazines ist erschienen.
Zwielicht 9
Es ist keine Story von mir enthalten, ich durfte nur das Lektorat übernehmen und weiß daher, dass sich die Lektüre lohnt.

Zwielicht – das deutsche Horrormagazin in seiner neunten Ausgabe. Inhalt: Das Cover stammt von Björn Ian Craig. Geschichten: Kristi DeMeester – Im Staub der Erde schlafen Christian Weis – Camera Obscura Thomas Karg – Müllsäcke Torsten Scheib – Im Apogäum Erik Hauser – Unter der Gemeindebücherei Felix Woitkowski – Wohnungssuche Nicole Kudelka – Blutgeld Stefan E. Pfister – Kuppe und Nagel Julia Annina Jorges – Sehen wir uns nicht in dieser Welt Ellen Norten – Horrorthek Algernon Blackwood – Durch Wasser Karin Reddemann – Liesbetts Gäste Dominik Grittner – Little Drummer Roy Artikel: Vincent Preis 2015 Horror 2015 Algernoon Blackwood Veröffentlichungsliste August Derleth Award Bram Stoker Award Nebula Award 2015

Außerdem ist Zielicht Classic 11 erschienen und hier durfte ich die erste Geschichte beisteuern.
Habt ihr euch nicht auch schon einmal gefragt, warum immer wieder so viele begnadete Musiker vor der Zeit sterben? Die meisten glauben ja, es läge am unsteten Lebenswandel, aber Hank aus meiner Geschichte weiß, dass etwas viel Fieseres dahinter steckt, mämlich: Profit durch Mord!
Hier der weitere Inhalt:
Die elfte Ausgabe des Magazins Zwielicht Classic bietet wie gewohnt eine Mischung aus Geschichten und Artikel des Genre Horror und Unheimliche Phantastik mit Ausflügen zur düsteren SF. Enthalten sind wie immer herausragende Stories und vergessene Perlen. Das Titelbild entstammt der Feder von Oliver Pflug. Inhalt: Geschichten: Marianne Labisch – Profit durch Mord (2014) Uwe Voehl – Sternschnuppennächte (2008) Susanne Schnitzler – Lennie Bell beschwimmt den Teufel (2016) Susann Obando Amendt – Blendlicht (2015) Karin Reddemann – Kleiner (2015) Christian Weis – Gedankenspiele (2006) Michael Tillmann – Rationalisierungsmaßnahmen (2004) Andreas Fieberg:
Heute, Kinder, wird’s was geben (2013) Hubert Katzmarz – Der Mann, der die Wespen haßte (2000) Ellen Norten – Anmerkungen zu Der Mann, der die Wespen haßte (2016) Markus K. Korb – Fischaugen im Dämmerlicht (2004) Vanessa Kaiser&Thomas Lohwasser – Im Schatten (2015) Vincent Voss – Eine kurze Geschichte über den Tod und den Untod (2013) Artikel: Karin Reddemann – Die dunkle Muse (2016)

Hier noch das Cover zum Buch:

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22. Juni 2016

Hauptsache Gesund

Ralf Boldt, dieser Herr hier:

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hat eine Anthologie herausgegeben, die zum MediConOne erscheint.

Da die Geschichten sehr unterschiedlich sind, habe ich nicht alle besprochen.

Hauptsache Gesund

Taschenbuch: 392 Seiten

Verlag: p.machinery Michael Haitel; Auflage: 1 (29. Februar 2016)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3957650577

ISBN-13: 978-3957650573

Preis: 10,90 €

 

 
Lucie Fickel: Health

Sandra Maßen telefoniert mit ihrer Mutter und erzählt ihr, dass sie sich seit einigen Tagen nicht gut fühlt. Ein Onlineunternehmen namens health.org hat Blut- und Urinproben angefordert und nach der Diagnose Medikamente geschickt. Es wird allerdings nicht besser. Die Diagnose wird variiert. Statt einer Blasenentzündung sei Migräne auch möglich.

Lucie Fickel schafft es, mit wenig Text eine neue Welt zu kreieren. Diese könnte eine mögliche Weiterentwicklung der jetzigen sein. Die Unmenschlichkeit nimmt eben so weiter zu, wie die Menschen sich nicht mehr für einander interessieren. Ärzte aus Fleisch und Blut kann ein Normalverdiener sich genauso wenig leisten wie Krankenhäuser. Man verlässt sich auf Onlinedienste.

Hat mir wegen der ungewöhnlichen Monologart und von der Idee her sehr gut gefallen.

Ralf Boldt: Hautpsache gesund

Ein Mann fühlt sich nicht ganz wohl, eine Grippe scheint im Anmarsch zu sein, aber sein Health-Button zeigt bedenkenloses Grün! Also muss alles in Ordnung sein. Einen schlimmen Moment muss er in der U-Bahn über sich ergehen lassen, als er niesen muss. Er befürchtet, einer seiner Mitreisenden könne auf die Idee kommen, die Gesundheitspolizei zu rufen, um die Prämie von 500 Euro einzustreichen, die bei der Ergreifung freilaufender Kranker gezahlt wird.

Ralf Boldt fasst kurz zusammen, wie es zu den weitreichenden Veränderungen kam, und wie sie sich auswirken. Dann wird der Mann zu einem geheimen Treffen gerufen. Scheinbar hat sich im Untergrund eine Art Widerstand gebildet.

Gekonnt, mit einem Augenzwinkern vorgetragen. Und überhaupt nicht abwegig. Warten wir, wie lange es noch dauert, bis die Krankenkassen verfügen, dass übermäßiger Genuss von Süßigkeiten, Alkohol oder Nikotin geahndet werden muss.

Thomas Kowa: Wer beamen kann, ist klar im Vorteil

Ein Mensch hat im Kasino auf Warubia ein paar Jetons gewonnen und gönnt sich einen Abend in der Bar Space Intruder, wo sich schnell Inner- und Außerirdische um ihn scharen. Er wird regelrecht ausgenommen, findet aber dennoch Zeit, dem Leser das Leben in der Zukunft zu beschreiben. Eines der Wesen, die sich von ihm freihalten lassen, gönnt sich einen Leckerbissen, der für sein Konto zu teuer ist. Die planetaren Müllmänner kommen, um den Menschen zu entsorgen.

Sehr lustige Geschichte, die durch lustige Ideen genauso punkten kann, wie mit lustigen Wortkreationen. Sehr lesenswert!

Brigitte Sieger: Bille-2A

Bille, ein siebenjähriges Mädchen, klagt über Kopfschmerzen. Als die nach einigen Tagen nicht nachlassen, kommt sie ins Krankenhaus, wo ein Hirntumor diagnostiziert wird. Sie berichtet ihrem Tagebuch, dass sie glaubt, ein Tumormonster im Kopf zu haben, das die Ärzte mit Strahlenkanonen bekämpfen wollen. Jedoch hält ihre Mutter von Strahlentherapien nicht viel. Ihr Bruder glaubt, man würde sie austauschen.

Was sich in der Zusammenfassung vielleicht etwas schräg liest, ist absolut wunderbar geschrieben. Brigitte Sieger schafft es, sowohl dem kleinen Mädchen Leben einzuhauchen, als auch die emotionslosen Patientenakteneinträge glaubhaft darzustellen. Sehr gelungenes Debüt!

Andrea Thamm: Der Hygieneunfall

Ava, die Architektin, die der Stadt eine Kuppel beschert hat, träumt vom Schwimmen und wird von ihrem Bett geweckt, das eine Kontaminierung mit Schweiß meldet und sofortige Gegenmaßnahmen empfiehlt. Während sie sich von Licht reinigen und desinfizieren lässt, grübelt sie weiter über ihren Traum nach, erinnert sich an das Leben vor der Kuppel. Als Regen noch ungehindert auf den Boden traf, die Flüsse und Seen noch nicht trockengelegt waren. Sie kehrt in Gedanken in eine Zeit zurück, in der sie im Regen tanzte. Nach der Dusche ruft sie sich zur Vernunft. Immerhin weiß jedes Kind, dass Wasser Keime trägt, Keime, die der Ursprung für Krankheiten sind. Im Ministerium kommt es zu einem Zwischenfall, der einen Minister sein Amt kostet: Er schwitzt! Wahrscheinlich hat er es mit den Antitranspirationsimpfungen nicht so genau genommen.

Um sich abzulenken, fährt sie mit dem Fahrstuhl in den obersten Stock, wo sie direkt die Kuppel berühren kann und entdeckt dort ein winziges Leck, das keinen Alarm auslöst, obwohl es das müsste. Irritiert und in Gedanken immer noch beim schwitzenden Minister und ihrem Traum, vergisst sie, selbst Alarm auszulösen.

Andrea Thamm führt uns in eine Welt, die sie gut beschreibt. Sie lässt uns an Avas Gedanken, ihrer Entwicklung teilhaben. Routiniert geschrieben, gefiel mir gut.

Dirk Alt: Flucht aus der Plastikwelt

Martin, achtzehn Jahre alt, möchte seinem Leben ein Ende bereiten. Dafür gibt es in Zeiten der Überbevölkerung Institute. Dort muss er sich durch einen Haufen Formulare arbeiten, seinen Wunsch begründen, ein Rücktrittsgespräch absolvieren und dann kann er sich die Art und Weise, wie er aus dieser Welt scheiden möchte, aussuchen. Es gibt viele verschiedene Varianten, bei denen auch mal etwas schief gehen kann.

Routiniert erzählt und im Wesentlichen ein Gegenpunkt zu der immer wieder aktuellen Diskussion um Sterbehilfe.

Friedhelm Rudolph: Faluso, o Faluso

Die Menschen existieren in einer anderen Form. Statt in einem Körper haust der Geist nun in einem Konteiner. Er wird von allerlei Androiden umsorgt.

Eines dieser Wesen erbittet sich einen Finger, damit er dieses Popeln einmal ausprobieren kann. Der Medroid bemüht sich, ihm stattdessen einen Faluso anzudrehen.

Die Idee fand ich interessant und der Text ist unterhaltsam geschrieben, nur zum Schluss hin, hätte es eine Windung weniger sein dürfen.

Gard Spirlin: Juvenil Forte

Odysseus Ryder, ein Kurier im All, erhält einen Brief von seinem Vater, der in einem Seniorendomizil auf dem Mars lebt. Er möge ihn doch mal besuchen kommen. Mit seiner Freundin, die gerne eine festere Verbindung eingehen würde, nimmt er die Einladung an und ist überrascht, als er seinen Vater in einem sehr viel besseren Zustand vorfindet, als er ihn in Erinnerung hat. Juvenil Forte, ein neues Medikament, ist dafür verantwortlich.

Unterhaltsame Geschichte, gut geschrieben, gefiel mir bis jetzt am Besten.

Selbst bei der Namensvergabe merkt man diesem Autor an, dass er sich Gedanken macht.

Frank Lauenroth: Tubes Inc.

Vor Gericht soll darüber entschieden werden, ob es sich bei Michael Johnsons Verschwinden lediglich um einen Unfall oder um vorsätzlichen Mord handelt.

Der Staatsanwalt will beweisen, dass die Firma, die mittlerweile fast ein Transportmonopol besitzt, unzuverlässig arbeitet. Der Geschäftsführer von Tubes Inc., John-Louis Bredshore, wird von der Richterin gezwungen, bei einem vor Ort Termin in seinem Unternehmen, den Transportvorgang zu demonstrieren. Beiläufig erwähnt er dabei, dass seine Transporte weit über den bloßen Transport hinausgehen, auf jeder Reise, behauptet er, wird der Mensch optimiert, Krankheiten geheilt. Obwohl diese Nachricht eine Sensation ist, wird der Prozess am nächsten Tag fortgeführt.

Spannend, unterhaltsam, gekonnt. Gefiel mir sehr gut, selbst der kleine eingebaute Gag.

Julia Aninna Jorges: Schneewittchen erwacht

Eine Frau kommt in einer ungewohnten Umgebung zu sich und fragt sich, was geschehen ist. Sie erinnert sich, gestern mit ihrem Sohn ein Eis gegessen zu haben und sie erinnert sich an die Diagnose Krebs. Brustkrebs, der trotz Mammografie zu spät erkannt wurde und gestreut hat. In der Brust kann das Geschwür operativ entfernt werden, im Hirn jedoch nicht. Es bleibt lediglich die palliative Behandlung.

Sie liegt unter Glas und eine Apparatur spendet minimales Licht. Sie fragt sich, wo sie ist und was geschehen ist.

Die Geschichte liest sich gut und besitzt eine gewisse Art Spannung.

Angela Stoll: Androidenerwachen

Esra ein kleiner behinderter Junge wird von seinem Pflegeandroiden Xe liebevoll gepflegt. Die Mutter des Jungen muss extrem viel arbeiten, weil sie den Jungen bekam, obwohl abzusehen war, dass er mit einer Behinderung zur Welt kommen würde. Nach der Arbeit trinkt sie und wartet darauf, dass der Junge endlich stirbt. Den direkten Kontakt zu ihm hat sie längst abgebrochen.

Esra hat den letzten Wunsch, noch einmal ins Freie zu gelangen. Da die Menschen keine Kranken mehr unter sich dulden, stellt diese Bitte eine Herausforderung für Xe dar, die er überwindet, indem er den Wunsch nachts erfüllt. Dann ist die Wahrscheinlichkeit auf Menschen zu treffen sehr gering.

Das Thema, besonders die gezogene Quintessenz, ist nicht neu, aber unterhaltsam geschrieben.

Ellen Norten: Das Puppenhaus

Zwei Astronauten überlegen sich, wo sie ihren Kurzurlaub verbringen wollen.

Einen von ihnen interessiert ›Puppenhaus‹, eine Art Märchenpark für Kinder und Erwachsene, aber der andere weiß zu berichten, was sich dort zugetragen hat.

Ellen Norten weitet das Thema Gesundheit auf Genmanipulationen aus und das recht unterhaltsam und fantasievoll.

Enzo Asui: Zwei Leben

Ein Mann geht zum Amt, um sich neue Nieren zu besorgen. Ein neuer Arzt empfängt ihn.

Interessant anders, die Geschichte. Kurz und knackig. Gefiel mir gut.

Götz Markgraf: Vom Fax gezeichnet

Arthur steigt aus dem Fax und niest. Im Zeitalter, indem Krankheiten als besiegt gelten, sehr ungewöhnlich. Aber wenigstens erfährt er so, dass es immer noch Ärzte gibt, und sucht einen auf. Der schreibt ihn krank und beide vergessen die Angelegenheit. Arthurs Lebensgefährtin kann mit einem Kranken nichts anfangen und quartiert sich vorübergehend woanders ein.

Als Arthur kurz darauf erneut erkrankt, verlässt sie ihn. Die Sprechstundenhilfe des Arztes kümmert sich sehr nett um den Kranken.

Es kommt zu weiteren Krankheiten und zu einer überraschenden Auflösung.

Diese Geschichte gehört mit zu meinen Favoriten. Der Autor geht das Thema anders an, als die meisten seiner Kollegen. Daneben blitzt Humor durch und der Stil ist überaus gekonnt.

Paul Sanker: Vertreibung aus dem Paradies

Die Geschichte spielt in den USA von 2112. Der Leser erfährt durch Rückblicke, dass eine Seuche die Rinder- und Schweineherden auf Erden vernichtet hat.

Ein schlauer Wissenschaftler züchtete daraufhin einen gigantischen Thunfisch, der für die Ernährung der Weltbevölkerung herhalten sollte.

Parallel dazu wurde von den obersten Behörden die Züchtung menschlicher Ersatzteile verboten. Da immer mehr Menschen an Krankheiten leiden, die unter anderem vom vermeintlichen Wunderfisch übertragen wurden, sucht der Chef von Global Transplant einen anderen Weg finden, um an die heißbegehrten Organe zu gelangen.

Da ergibt es sich gut, dass er von einer Parallelwelt erfährt, die die Schweizer bei ihren Versuchen im CERN entdeckt haben.

Obwohl Paul Sanker hier eine ungewöhnliche Art der Erzählung wählt, nimmt er den Leser mit. Er rechnet mit vielen Wirtschaftszweigen, Profiteuren und Politikern ab. Er tut dies auf eine Art, die dem Leser nicht vorgibt, was er zu denken hat. Hat mir sehr gut gefallen und ich bin mir fast sicher, er hat sogar eine Begründung parat, warum in den USA mit Euro bezahlt wird.

Michael Schmidt: Der optimierte Mann

Michael Schmidt erklärt dem Leser, dass die Geschlechterrollen sich verschieben, und beschreibt die Realität so:

Der Unterschied zwischen Mann und Frau verschwimmt. Der Mann wird femininer, die Frau maskuliner und die Kinder entscheiden, was läuft.

Hier musste ich zum ersten Mal lachen. Die Geschichte ist relativ kurz, deshalb gehe ich hier nicht weiter auf die Handlung ein. Mir hat sie sehr gefallen. Ich wusste nicht, dass der Autor so lustig sein kann, und würde es begrüßen, weitere lustige Storys von ihm zu lesen.

Claudia Plachetka: Zu zweit, eins

Nach dem dritten Weltkrieg leben nur noch in Europa einige Menschen, der Rest der Erde ist verseucht.

Die Nachkommen der Überlebenden haben den Menschen optimiert, indem sie alle Embryonen mit Medikamenten von Empfindungen befreien. Jeder Mensch kann nur einen einzigen anderen lieben, es gibt keine sexuelle Lust mehr. Geburten werden künstlich herbeigeführt. Die Gesellschaft ist zwar immer noch in unterschiedliche Schichten aufgeteilt, aber es herrscht kein Neid. Alle verdienen gleich viel.

Allerdings gibt es einige wenige Menschen, die durch ein Versehen diese Impfung nicht empfingen. Diese tun sich zusammen und wollen das herrschende System abschaffen, notfalls mit Gewalt.

Ein aktuelles Thema unterhaltend aufbereitet.

Andreas Witte: Die Ehemaligen

Nach einem Krieg, der durch die Einwanderung vieler Flüchtlinge unvermeidbar wurde, hat sich Europa in zwei Zonen aufgeteilt. Viele Menschen sind diesem Krieg zum Opfer gefallen, weshalb die Gesetze für Bestattungen geändert wurden.

Obwohl der Autor teilweise interessante Ideen hat, überzeugt mich diese Geschichte nicht. Der Kriegsgrund und seine Folgen wirken auf mich einfach zu sehr an den Haaren herbeigezogen.

Johann Seidl: Tausche den Tod

Ein Raumschiff nähert sich der Erde. Es sendet Nachrichten, zu deren Entschlüsselung biopolare Personen herangezogen werden. Der Ich-Erzähler ist auf einer Spur.

Eine der besseren Geschichten in dieser Sammlung. Der Autor versteht es, den Leser in seine Entschlüsselung einzubeziehen.

Achim Stößer: Nebenwirkung

Die Geschichte geht irgendwo in der Vergangenheit los. Ein kleiner Junge hat sich das Lesen beigebracht und vertreibt sich damit viel lieber die Zeit, als mit der Arbeit, zu der sein Vater ihn auffordert. Er wird krank und erinnert sich an eine Geschichte, in der ein Kranker, dadurch geheilt werden konnte, dass eine Jungfrau sich für ihn opferte.

Ein kleines Mädchen sieht ein UFO und rennt davon.

Ein Mann bekommt in der Klinik mehrere Stents.

Diese drei Settings werden durch Ufos miteinander verbunden.

Achim Stößer liefert für meinen Geschmack eine der besten Geschichten in diesem Band. Sie zeichnet sich durch verschiedene Ebenen aus, die er geschickt miteinander verwoben hat. Außerdem funkt sein Humor mit durch. Hat mich sehr gut unterhalten.

Simon Schneider: Spiel nicht Gott – Sei Gott

Ein Ehepaar in ferner Zukunft hat sich entschieden Kinder zu bekommen und sitzt nun in einem Raum der Firma ›New Human Company‹, um die Details durchzugehen. Zuerst wird der Mann davon überrascht, dass seine Frau sich offensichtlich weit intensiver mit dem Thema beschäftigt hat, als ihm bewusst war. Aber schon nach relativ kurzer Zeit ist auch sie überfordert.

Die Geschichte gehört für mich zu den Besseren.

Meiner Meinung nach wäre das Buch wesentlich besser geworden, wenn man ein engmaschigeres Sieb verwendet hätte. Allerdings verstehe ich den Herausgeber gut, wenn er neuen Autoren eine Chance geben möchte.

Unter diesem Gesichtspunkt will ich nicht zu hart sein und vergebe vier von fünf Punkten.

Persönlich finde ich, viele der Geschichten wären weit besser davon gekommen, wenn sie intensiver überarbeitet worden wären.

Die Menge der sehr kurzen Geschichten war mir zu viel.

Wenn eine Story sehr kurz ist, muss sie für mich auch sehr gut sein.

Dieses Titelbild

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stammt von Lothar Bauer und gefällt mir sehr gut.

11. März 2016

Arndt Waßmann »In des Greifen Schatten«

Heute mal wieder eine Rezension:

Arndt Waßmann’s Geschichtensammlung In des Greifen Schatten

Über den Verlag:  hier

Über amazon: hier

Taschenbuch: 152 Seiten

Verlag: p.machinery Michael Haitel; Auflage: 1 (20. November 2015)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 395765047X

ISBN-13: 978-3957650474

Preis Taschenbuch: 7,90 €

Preis E-Book: 3,99 €

In des Greifen Schatten

König Nerdan ist träge geworden und hat immer mehr seiner Aufgaben an Sarrik übertragen. Selbst das Lesen der Gesetze, die er erlässt, scheint ihm überflüssig. Sarrik schielt allerdings nach der Macht und hat sich mit den haarigen Wesen, Årrx genannt, verbündet. Mit letzter Not gelingt es Nerdan, aus dem Schloss zu entkommen, als die Revolte losbricht.

Auf der Flucht steht er der jungen Novizin des Hethena-Tempels, Isilda, bei und erfährt von ihr, dass er beim Volk längst nicht so beliebt ist, wie Sarrik ihn glauben machte. Gemeinsam gelingt ihnen die Flucht aus Nerwik, der Hauptstadt des Landes.

Bernhild, eine Priesterin des Hethena-Tempels, wird mit drei Novizinnen auf die Reise geschickt. Sie soll einen Spährenriss verhindern, der allerlei bösen Kreaturen den Weg in diese Welt eröffnen würde.

Laridas Kroning, ein Kaufmann, mit Gütern unterwegs, trifft auf eine Frau, die von seltsamen schattenhaften Wesen überfallen wurde. Er hilft ihr und bringt sie in die nächste Schenke.

Arndt Waßmann beginnt diese Geschichte sehr stimmungsvoll und intensiv. Man wird gut ins Geschehen gezogen und erfährt, in welcher Beziehung die Personen untereinander stehen. Selbst die Lethargie des Königs versteht der Leser anhand der Erklärungen. Der Autor braucht seine Welt nicht großartig beschreiben, man sieht sie trotzdem vor Augen. Ich denke, er hätte aus dieser Geschichte sogar einen Roman machen können. Verschiedene Charaktere, unterschiedliche Welten mit vielen Wesen und Handlung hätte er genug gehabt. Der eine und der andere Strang hätte für meinen Geschmack gerne weiter ausgebaut werden dürfen. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass er nach ungefähr drei Vierteln plötzlich schnell fertig werden wollte. Es entsteht zwar nicht der Eindruck, dass sich alles von alleine fügt, aber für mich hätte er die ursprüngliche Geschwindigkeit beibehalten dürfen.

Die letzte Hoffnung

König Lagar, Herrscher über Lassarien, sieht sich gezwungen, das Horn der Tamaris zu blasen und so die Wassergöttin um Hilfe anzuflehen. Die drei bislang zerstrittenen Völker aus dem Süden haben sich zusammengetan, Lassarien zu vernichten. Mordend und brandschatzend ziehen sie bereits durchs Land. Die Göttin erscheint, bietet ihre Hilfe an, fordert allerdings das Leben seiner beiden Kinder. Der König, der seine Frau schon vor langer Zeit verlor, überlegt, ob es noch eine andere Möglichkeit geben könnte.

Diese Geschichte erscheint mir wie ein Grundgerüst und weist Löcher auf.

Was die Südländer davon haben, Lassariens Bewohner zu ermorden, wird mit keiner Silbe erwähnt. Der Vater, der die Wahl hat, entweder seine Kinder oder sein Volk zu retten, bleibt blass. Die beiden Kinder, die scheinbar nur darauf gewartet haben, sich opfern zu dürfen, überzeugen mich nicht wirklich.

Die Göttin, die nicht so grausam ist, wie sie scheint, würde ich auch ins Reich der Märchen verbannen.

Der Sturm

Prinz Mustafa wurde von Königin Lasgerd abgewiesen und macht sich mit seiner Schiffsflotte auf den Weg, ihr Volk büßen zu lassen. Er ist ein grausamer Herrscher und ebenso grausam soll seine Rache sein.

Er gerät ohne Vorwarnung in einen Sturm und danach ist nichts mehr, wie es vorher war.

Bis auf das Ende, das mich überraschte, konnte mich an dieser Geschichte nichts begeistern. Zu viel Schwarz-Weiß-Malerei, die auch von dem Ende nicht wettgemacht wird.

Der Stern des Königs

Ein Gedicht, in dem es wieder um einen König geht, dem die Wassergeister seine Liebsten entreißen wollen.

Mit Lyrik hatte ich nicht in diesem Band gerechnet und bin nicht Fachmann genug, um ein Urteil darüber zu fällen.

Der Stein von Amtarim

König Mirsan ist so wütend auf seine Schwester Miranna, dass er den Magier Thurius bittet, das Band, mit dem der Zauberer sie vor langer Zeit verband, zu lösen. Der Magier warnt ihn, dieser Akt sei zwar möglich, aber mit Risiken verbunden. Der Hass hat Mirsan so verblendet, dass ihm egal ist, wenn er selbst bei diesem Vorgang umkommt, solange seine Schwester nur das gleiche Schicksal teilt. Der Magier bittet ihn, in einen Kreis zu treten …

Mirsan findet sich völlig nackt im Schneetreiben wieder. Er weiß weder, wo er sich befindet, noch wie er herkam. Alles, was er weiß, ist, er darf nicht rasten, sonst wird er erfrieren. Dennoch bricht er irgendwann bewusstlos zusammen.

Er wacht in einer Hütte auf, und wird dort von einer jungen Stickerin, Sirma gepflegt. Sie sorgt für eine warme Hütte und gibt ihm alte Kleidung ihres Vaters. Einzig mit Essen kann sie nicht dienen. Die Vorräte sind fast zu Ende. Der frühe Schnee-Einbruch hat ihre Eltern scheinbar auf dem Rückweg vom Proviantholen überrascht. Sirma rechnet nicht vor dem Frühjahr mit ihrer Rückkehr.

Mirsan wurde von seinen Eltern, die vor etlichen Jahren starben, in der Jagd ausgebildet und kann für genug Proviant sorgen. Nach anfänglichen Streitereien verstehen Sirma und Mirsan sich prächtig. Durch ihre Fragen beginnt er, den Hass auf seine Schwester zu hinterfragen. Sirma hat für etliche Punkte, die er für bloße Schikane hielt, vernünftige Gründe zu bieten. Nach und nach erscheint es ihm ratsam, ein Gespräch mit Miranna zu führen, bevor er sie tötet.

Er kommt dahinter, dass Sirma die Tochter von Edelleuten ist, die er vom Hof verbannte. Beide zusammen müssen Årrx bekämpfen und brechen zu guter Letzt gemeinsam in die Nordprovinz auf, um Miranna zu besuchen. Dort werden sie schon von deren Truppen empfangen.

Miranna ahnt, dass der Stein von Amtarim nun eine Entscheidung verlangt.

Wie Magier Thurius offenbart, kann es wohl nur einen Herrscher über das Land geben und der Trick, den Ihre Eltern angewandt hatten, das Land mit Nord- und Südprovinzen auf beide Kinder aufzuteilen, sei nun hinfällig.

So begeben sich Miranna, Mirsan und Sirma in die Höhle, um die Entscheidung des Steines zu empfangen. Einer von beiden wird sterben müssen, wenn das Ungleichgewicht, das sich durch Erdbeben, die in immer schnellerer Abfolge das Land erschüttern, äußert, behoben werden soll.

Es kommt anders, als man denken mag.

Diese Geschichte gefiel mir wieder sehr gut. Auch wenn ich das Ende so niemals erwartet hätte. (Ich hoffe, ich habe es nicht missdeutet.)

Die zwei Seiten der Wahrheit

Valius und Rimbold sind zwei Magiestudenten, die sich in der Fähigkeit üben, in den Geist der Gefangenen zu blicken. Anhand ihrer Recherchen werden die Häftlinge verurteilt oder freigelassen.

Valius glaubt beim aktuellen Fall an einen Gewohnheitsdieb, er immer weiter stehlen wird, wenn man ihn lässt. Rimbold dringt als Erster in den Geist des Häftlings ein und sieht einen kleinen Jungen, der seiner Mutter mit einem großen Blumenstrauß eine große Freude macht. Valius spürt dieser Spur nach und entdeckt: Der Strauß war geklaut. Aber das überzeugt Rimbold nicht.

Er spürt nach weiteren Erinnerungen und sieht den Verdächtigen in einer Hütte mit seiner Frau, die ihm für ihr Kind dankt.

Der Ansatz der Geschichte gefällt mir, weil es in aller Regel eben viel mehr grau als schwarz und weiß gibt, allerdings bleibt der Autor dann doch wieder in vorgefertigten Bahnen. Eine differenzierte Herangehensweise hätte mir besser gefallen.

Das blaue Licht

Johanna marschiert durch das Schneetreiben auf das verblassende Licht des Berges zu. Das Licht behütet den Ort, sorgt für gute Ernten, hält Kriege fern und scheint über allem zu wachen. Doch es verblasst. Die Bewohner wissen nicht, was zu tun ist. Nur Johanna wacht eines Morgens auf und weiß, sie muss zur Quelle des Lichtes. Was sie dort zu tun hat, ahnt sie nicht. Keiner von denen, die zum Licht gingen, kam je zurück.

Die Geschichte ist nicht schlecht erzählt. Aber die Story reißt mich nicht wirklich mit.

Keiner von den Guten

Die siebzehnjährige Johanna sitzt im Kerker und wird angeklagt, sich der Hexerei schuldig gemacht zu haben. Erek, der Sohn des Grafen von Bilstein scheint ihr wohlgesonnen. Er kommt in ihren Kerker und erklärt ihr, dass ihr Todesurteil schon gesprochen ist. Er rät ihr, die Vergehen zuzugeben, um die Qual zu verringern. Er ist es satt, dass die Inquisitoren sein Volk immer weiter dezimieren, und möchten dem sich gegenseitig Beschuldigen ein Ende bereiten. Außerdem verspricht er ihr Vergünstigungen, wenn sie sich ihm freiwillig hingibt. Sie weiß, dass sie ihm angekettet, wie sie ist, unterlegen ist, dennoch bittet sie ihn, sich nicht zu nehmen, wonach ihm gelüstet. Wider Erwarten zieht er sich zurück. Allerdings nicht, ohne ihr zu versichern, dass er keiner von den Guten ist.

Johanna zweifelt an seinen Worten, als er ihr die Möglichkeit zur Flucht bietet, die sie selbstverständlich ergreift. Als sie erschöpft eine Rast einlegt, kommt Erek ihr erneut zu Hilfe. Er bringt ihr Kleider uns Schuhwerk. So ausgerüstet, sagt er, hätte sie eine reelle Chance, dem obersten Inquisitor, der bereits Jagd auf sie macht, wie auf ein Wild, zu entkommen.

Eine der besseren Geschichten des Bandes, die wieder mit einem überraschenden Ende punkten kann.

Fazit:

Eine durchaus unterhaltende Geschichtensammlung, in der mir persönlich die längeren Storys besser gefielen.

Ich vergebe 3 von 5 Punkten.

 

Hier noch das Cover:

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18. Dezember 2014

p.machinery wird 10 Jahre alt

Der Verlag p.machinery feiert Geburtstag und hat aus diesem Grund eine Anthologie herausgebracht. Ich bin unter den Autoren, die sich der Verleger ausgesucht hat, Storys beizusteuern. p.machinery hat sich nicht zum ersten Mal mit Musik beschäftigt. Vorangegangene Anthologien orientierten sich an der Musik von Kate Bush, Metallica und The Eagles. Nun hat Michael Haitel (der Verleger) sich Beiträge gewünscht zu einer Platte, die ihn beeindruckt hat.

Extreme mit ihrem zweiten Werk „Pornograffiti“

Nicht nur, dass sich diese CD in meinem Plattenschrank befindet, der Titel der mir am besten gefällt, war auch noch nicht vergeben und so findet sich meine Story „Dave lacht“ in dem Band. Dave ist ein Android, der seiner Menschenfrau gerne zeigen möchte, wie sehr er sie liebt. Und zwar „More than words“ can say.

Titel: p.graffiti

Verlag: p.machinery

Seiten: 332

Preis: 13,90 €

ISBN: 978-3957650221

Cover:

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Mit Geschichten ausgewählter Autoren: Paul Sanker, Vincent Voss, Arno Endler, D. J. Franzen, Gabriele Behrend, Marianne Labisch, Frederic Brake, Axel Kruse, Sven Klöpping, Achim Stößer, Tedine Sanss, Christian Künne, Arndt Waßmann, Galax Acheronian und Enzo Asui. Inspiriert von der Musik der Band »Extreme II« und ihrem Album »Pornograffitti«. So – get the Funk out! Mit einer Titelabbildung von Galax Acheronian, mit sieben 4farbigen Innenillustrationen von Lothar Bauer und einem erhellenden Nachwort des Herausgebers.

Auf dieses Nachwort bin ich echt gespannt.

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