ml-universe

16. Juli 2022

Titans Kinder von Aiki Mira

Filed under: Autor,Bücher,Buchbesprechung,Rezensionen,Roman,schreiben — mluniverse @ 14:45
Tags: , , ,

Titans Kinder – Aiki MIra
Andro SF 156
p. machinery, Winnert, Juni 2022, 196 Seiten Softcover
ISBN 978 3 95765 2952

Eine dreiköpfige Crew bricht zum Mars auf, was sich jedoch als Lüge für den uneingeweihten Marlon erweist, denn in Wirklichkeit geht es zum Titan. Ein Mond, der eigentlich nicht besiedelt sein dürfte.
Dort sollten sie von ebenfalls drei Personen erwartet werden, wovon allerdings nur eine anwesend ist. Die Aussage, die anderen beiden seien im Außeneinsatz unterwegs, erweist sich als Lüge, als ein Crewmitglied im Kühlraum als Leiche entdeckt wird. Als Sunita, die Chefin der Neuankömmlinge, der Sache auf den Grund gehen will, kommt auch sie ums Leben. Darüber wird erstaunlich schnell hinweggegangen und man widmet sich mehr den Gegebenheiten vor Ort, denn es gibt hier fremdes Leben, dessen Entwicklung die Wissenschaftler rasch vorantreiben. Aus Marlon und Verve, der Leiterin der Station, wird ein Paar und Rain, ein asexuelles Wesen, das als »sie« angesprochen werden möchte, entdeckt auf einem Ausflug ein Wesen, dessen Entwicklung viel weiter fortgeschritten ist, als es sein dürfte. Sie hält es für ein Kind und nimmt es mit auf die Station. Das führt zu weiteren Verwicklungen.

Mir hat dieser Roman gut gefallen, denn er unterscheidet sich in vielen Dingen vom herkömmlichen Einheitsbrei:
Beide Crews werden von Frauen geleitet. Es gibt ein asexuelles Wesen und eins, das künstlich von einem Konzern gezüchtet wurde.
Anstatt Terraforming zu betreiben, wie das in so vielen Romanen beschrieben wird, versuchen diese Wissenschaftler, die Entwicklung des Lebens auf dem Titan voranzutreiben. Besonders Rain fragt sich im Laufe der Handlung, warum sie alle nicht versucht haben, auf ein gestörtes Crewmitglied zu reagieren, anstatt es mit Medikamenten sich selbst anzupassen.
Ich habe schon Romane gelesen, in denen das Rollenbild verkehrt wurde, indem die Frauen einfach die Rollen der Männer annahmen. So plump geht Aiki MIra nicht vor, sondern arbeitet weit differenzierter. Ein Chef ist jemand, der das Sagen hat, völlig egal, was er für ein Geschlecht hat. Aiki Mira versucht dem Leser auch Rain nahezubringen, indem uns viel von ihren Gedanken offenbart werden, was sie außerordentlich sympathisch macht.
Selbst der Bösewicht wird vielschichtiger beschrieben als schlicht und einfach nur böse. Aiki Mira schafft es mit wenigen Worten, ihren Charakteren ein Gesicht zu verschaffen. Über Verve zum Beispiel heißt es, die hätte zwei Nobelpreise ausgeschlagen. Das sagt mir mehr als langatmige Beschreibungen: Die Frau ist sehr schlau, aber auch ein wenig rebellisch. Sie hat ihren eigenen Kopf und setzt ihre Prioritäten selbst.
Mir gefällt, wie Aiki MIra mit Sprache umgeht, sie verwendet recht ungewöhnliche, aber anschauliche Vergleiche, die mich oft zum Schmunzeln gebracht haben.
Ihr Debüt ist locker und gekonnt geschrieben und weiß zu unterhalten.
Ich habe die Perspektivsprünge als eine Art moderner, allwissender Erzähler gelesen, aber so war es wohl nicht gedacht. Mich haben sie nicht gestört, aber wenn sie gewollt sind, hätte man sie auch »sauber« gestalten können.
Ich empfehle das Buch daher mit vier von fünf Sternen.

16. Juni 2022

Aura von Bernhard Kempen

Aura – Bernhard Kempen
Andro SF 150
p. machinery, Winnert, März 2022, 164 Seiten Softcover
ISBN 978 3 95765 2768

Adrian Ginjeet, der Starreporter von der Erde, mochte zum Heimatplaneten zurückkehren und Arkadia, dem Planeten der Nackten den Rücken kehren, doch die Reise kann nicht stattfinden, weil auf Arkadia eine seltsame Seuche ausgebrochen ist und man den ganzen Planeten unter Quarantäne stellt.
Menschen mit Verletzungen finden diese plötzlich von Moos befallen, aber dagegen ist schnell ein Gegenmittel gefunden. Anders sieht es bei den Bauwerken aus, die ebenfalls unter Pflanzenbefall leiden. Es kommt der Verdacht auf, der Planet könnte sich mit großer Verzögerung gegen seine Kolonisten aufbäumen, im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Sporen, die sowohl Menschen als auch Bauwerke befallen, werden von den Moosbäumen abgesondert, die sich bislang völlig unauffällig verhalten haben.
Mit Greedys Hilfe geht Adrian dem Phänomen auf die Spur und kann sich über einen außergewöhnlichen Erstkontakt freuen.
Wie bei den beiden vorhergehenden Bänden nutzt der Autor jede sich bietende Gelegenheit, um seine Protagonisten Sex haben zu lassen. Für mich kämen die Romane auch gut ohne Sex aus, aber dann würde die Hälfte des Inhaltes wegfallen und wahrscheinlich wird der Autor inzwischen eine Fangemeinde haben, die völlig anderer Meinung sind.
Neben dem Sex geht es darum, für alles Fremde aufgeschlossen zu sein und ohne Vorbehalte darauf zu zu gehen. Leben und leben lassen. Ob es nun Menschen sind, die lieber nackt sind oder Bäume, die sich bedroht fühlen, spielt dabei keine Rolle.
Für meinen Geschmack gibt es ein paar Ungereimtheiten, wie z. B, dass das Moos, das ja eine feste Verbindung zum Menschen hat, nicht mit ihm kommuniziert, wo der Baum es tut, aber das wird sicher nicht jedem auffallen.
Adrian wird auf jeden Fall immer offener und richtig genervt hat er mich dieses Mal auch nicht. Vielleicht habe ich mich schon an ihn gewöhnt.

Bernhard Kempen erzählt gewohnt gekonnt und hält sich kurz.
Mein persönlicher Favorit wird er wohl nicht mehr werden, aber es gibt mit Yvonne Tunnat durchaus Personen, die das völlig anders sehen.

https://www.rezensionsnerdista.de/2022/04/28/aura-von-bernhard-kempen/

15. Juni 2022

Kommissar Lavalle und der Seinemörder von Karla Weigand

Kommissar Lavalle und der Seinemörder von Karla Weigand
Zwischen den Stühlen 2
p. machinery, Winnert, 4. April 2022, 332 Seiten Softcover
ISBN 978 3 95765 2737
Preis: 14,90 €

Das Cover zeigt uns endlich einmal nicht eine hübsche Frau, die uns den Rücken zuwendet, sondern ein Bild des Aufstandes. Für meinen Geschmack hätte das Bild gerne größer sein dürfen.
Karla Weigand begibt sich mit Ihrem Roman in die Zeit unmittelbar vor der Französischen Revolution. Sie stellt uns Kommissar Lavalle vor, der einem Serienmörder auf der Spur ist und sich ungewöhnlicher Mittel bedient. Der Mann mischt sich in verschiedenen Verkleidungen unters Volk, beobachtet und stellt ab und zu eine Frage. Kein Bösewicht weiß, wie Kommissar Lavalle aussieht. Er behandelt seine Spitzel so gut, dass sie ihm stets mit Informationen dienlich sind. Gegen entsprechende Vergütung versteht sich.
Der Serienmörder ist ein geschickter Mensch, aber seine Taten lassen nichts Menschliches erkennen, denn er zieht seinen Opfern die Gesichtshaut ab, damit sie nicht identifiziert werden können und somit kein Hinweis auf seine Person gegeben wird. Seine Opfer lädt er alle in der Seine ab. Der Fluss behält die Leichen nur eine gewisse Zeit. Was dann von den Opfern übrig bleibt, bietet keinen schönen Anblick.
Wir lernen den Kommissar auch privat kennen, erfahren, dass er eine Freundin hat, die er gerne heiraten würde, wenn er ihr nur etwas mehr bieten könnte, als sein mageres Salär hergibt. Auch das stellt einen Anreiz dar, den Mörder schnell zu überführen, denn man hat ihm signalisiert, dass in diesem Fall mit einer Beförderung zur rechnen wäre.
Mit der Eheschließung wäre er nicht nur für seine zukünftige Frau, sondern auch für deren Mutter und Bruder mit verantwortlich, denn die würde die Braut mit in die Ehe bringen.

Neben dem schmucklosen Alltag von Kommissar Lavalle erfahren wir, wie es am Hof des Königs zugeht: mit Prunk und Pomp und Verschwendungssucht. Was beim einfachen Volk nicht gut ankommt, denn die normalen Leute haben kaum genug, um zu überleben. Überall muss lange angestanden werden, ohne Gewissheit das Gewünschte zu bekommen. Da ist es kein Wunder, wenn die Wut auf »die da oben« besonders auf Adel und Kirche, die sich im Übermaß gut eingerichtet haben, immer größer wird.

Die Autorin beschreibt das Leben der Armen genauso intensiv wie das verschwenderische Leben am Hof. Sie lässt uns teilhaben an der Wut der Armen, die sich nicht immer an den richtigen Stellen entlädt und zeichnet ein Bild einer gefährlichen Stadt, in der man seines Lebens nicht mehr sicher ist. Sie nimmt den Leser mit in die Vergangenheit und geizt nicht mit Details, sodass beim Lesen ein farbiges Bild entsteht. All das kommt nicht belehrend beim Leser an, sondern unterhält auf stimmige Art und Weise.

Der Roman von Karla Weigand sticht aus der Flut der historischen Romane hinaus, weil es einmal nicht um eine Frau geht, die aus der ihr zugedachten Rolle ausbricht, weil sie einen homosexuellen Täter hat, weil sie wahre Begebenheiten so gut recherchiert hat und sie so ins Geschehen einflicht, dass es nie aufdringlich wird, weil sie politische Unruhen thematisiert und weil sie einfach gekonnt erzählt. Ich kann dieses Buch mit gutem Gewissen empfehlen. Vier von fünf Sternen, aber nur, weil der Bösewicht nur böse ist.

9. Juni 2022

Exodus 44 – ein tolles Heft!

Exodus 44

ISSN: 1860-675X

Seiten 119

Preis: 15,90 €

Cover und Rückseite zieren Bilder von Thomas Thiemeyer und geben eine kleine Vorschau auf die geniale Galerie. Ich muss sagen, die Galerien in Exodus begeistern mich! Es ist einfach toll, was für Künstler hier immer wieder vorgestellt werden.

Das Cover:

Wir sehen eine Art Hafen, in den fliegende Schiffe einfahren können. Allerdings befindet dieser sich in einem Gebirge, in das Höhlen geschlagen wurden. Es gibt mehrere Zufahrten. Wie die Höhlen von innen aussehen, kann man nicht erkennen, lediglich, dass es gigantische Hallen sein müssen, denn die Menschen, die man auf der Aussichtsplattform sieht, sind winzig. Alle tragen rote Umhänge mit Kapuze. Ob sich darunter Männer oder Frauen verbergen, ist nicht zu erkennen. Neben einigen der Einfahrten befinden sich Disken, deren Funktion ich nicht zuordnen kann. Es könnte sich um Ortungs- oder Kommunikationsgerätschaften handeln.

Im Vordergrund sehen wir eine Art Brücke, die aus großen, flachen Steinen zu bestehen scheint. Wie diese Steine gehalten werden, ist nicht auszumachen. Es könnte sein, dass sie ein unsichtbares Schwerefeld an Ort und Stelle hält. Es gibt keine Sicherheitsseile. Zwischen den einzelnen Steinen klafft der Abgrund, dennoch scheint die Person, die auf einem Stein steht, keine Angst zu haben. Es könnte sein, dass diese »Brücke« durch unsichtbare Schranken gesichert wird. Bei der Person handelt es sich meiner Meinung nach um eine Frau. Ob sie die Ankunft ihres Mannes beobachtet oder womöglich auf Waren wartet, kann ich nur vermuten. Die gesamte Höhlenanlage liegt in einem Nebel, in dem Urvögel fliegen, von denen scheinbar keine Gefahr ausgeht. Ich würde gerne in eine dieser Höhlen gehen, um zu sehen, wie die Menschen hier leben.

Auf Seite 1 wirbt p.machinery für zwei seiner Bücher, auf Seite 2 überrascht eine Reklame für Soylent green. Wer den Film vor Urzeiten gesehen hat, muss unweigerlich schmunzeln, besonders, wenn behauptet wird, es handle sich um ein veganes Produkt.

Wie wir zu dieser Seite kommen, wird an keiner Stelle verraten und das ist vielleicht ganz gut so, denn es regt die Fantasie an.

Im Editorial verraten die Herausgeber, dass sie genug Einsendungen bekommen, aber durchaus noch Abonnenten brauchen könnten. Das scheint ein weitverbreitetes Phänomen zu sein.

Der Wind der neuen Zeit – Barbara Ostrop

Ein Ehepaar, das sich fremd geworden ist. Sie ist Influencerin und überzeugt ihren Mann davon, einen Umwelt Würfel zu kaufen. Als der geliefert wird, hat er ganz andere Auswirkungen als gedacht. Hat mir gut gefallen und war locker und humorvoll geschrieben.

Die Illu stammt von Gerd Frey und kommt ohne Personen aus.

Beetles – Norbert Stöbe

Unter den Kindern sind Beetles der letzte Renner. Es sind kleine, bunt schillernde künstliche Käfer. Sie beantworten Fragen mit »Ja« oder »Nein«, deshalb wird ihnen Verstand unterstellt. Als Lea die falsche Frage stellt und ihren Eltern verrät, was ihr Beetle geantwortet hat, tritt sie eine Lawine los.

Die Story ist natürlich etwas überzogen, bringt aber auf den Punkt, wie heutzutage häufig aus Mücken Elefanten gemacht werden und treibt das auf die Spitze. Hat mir außerordentlich gut gefallen.

Die bunten Käfer von Frauke Berger passen gut zur Story und nehmen die Handlung nicht vorweg.

Auf Sendung – Thomas Kolbe

Ein alter Professor soll Radioanrufern helfen, ihre Probleme zu lösen, aber er spricht in einem solchen Fachchinesisch, dass man von Hilfe nicht wirklich reden kann. Die Story hat mich an Radio Eriwan erinnert, obwohl die Antworten des Professors nicht mit der typischen Floskel begannen.

Ob es dem Autor in erster Linie um den ratlosen Sternenbesitzer, den Rundfunkmann oder den Professor ging, konnte ich nicht ausmachen.

Das Studio von Gerd Frey sieht schön altmodisch aus, aber den Professor hatte ich mir anders vorgestellt. Auf dieser Illustration sieht er aus, als wüsste er nicht, was er sagt, in der Story hatte ich einen anderen Eindruck.

Flucht aus dem Fluidum – Hans Jürgen Kugler

Ein Raumschiff findet sich unverhofft in einer seltsamen Masse wieder. Vermutlich ticken der Autor und ich ähnlich, denn ich vermutete relativ schnell, um was für eine Flüssigkeit es sich hier handeln könnte. Die Story war gut, unterhaltsam und lustig geschrieben.

Die Illus von Jan Hoffmann passten gut.

Perfect Matsch – Christoph Grimm

Es geht um Datendiebstahl und um eine Partnerbörse. Die Story ist gut geschrieben und weiß zu unterhalten, aber ich ahnte besonders nach der Illustration von Mario Franke, wer hinter allem steckte.

Das Bild von Mario Franke passt perfekt zur Story. Ein Ehepaar streitet sich lautstark und vor ihnen sitzt die Tochter und versucht das Geschehen auszublenden. Toll getroffen.

Die Grenze der Welt – Aiki Mira

Kat hat lange Zeit auf dem Mond als Kriegerin gedient. Als Invalidin arbeitet sie nun im Exoskelett in einer gigantischen Baumaschine und ist sich selbst genug. Eines Tages kommt ein kleiner Junge sie besuchen, der ebenso einsam zu sein scheint wie sie. Entgegen ihrer Vorschriften, lässt sie ihn gewähren. Beim Spiel auf der Baustelle droht er zu verunglücken und kann nur von Kat gerettet werden.

Diese Story geht tiefer als die anderen bislang. Sie thematisiert die Nöte und Leiden von Kriegsrückkehrern auf der einen Seite, auf der anderen geht es um Menschen, die sich (künstliche) Kinder kaufen und sie nicht besser behandeln als echte. Und es geht um die Empathie einer Frau, die nicht mehr glaubt, dass sie zu welcher fähig ist. Es geht um ein künstliches Wesen, das sich den Maschinen näher fühlt als den Menschen. Im übertragenen Sinn geht es darum, dass Menschen, die anders sind, ausgegrenzt werden. Immer noch. Eine Geschichte, die man immer wieder lesen kann und wahrscheinlich immer wieder neue Aspekte entdecken wird.

Das künstliche Auge von Jörg Martin Munsonius ist handwerklich sicher gut gemacht, aber der Zusammenhang zur Story ist in meinen Augen ein wenig dürftig.

Marys Zimmer – Ulf Fildebrandt

Ein Arzt kommt auf einer Raumstation an und muss gleich einen Notfall behandeln, was ihm erfolgreich gelingt. Allerdings hat die Behandlung der Außerirdischen Nachwirkungen, die er nicht wieder loswird. Er sucht den Fehler zuerst bei sich und will schnell zurück zur Erde, weil er denkt, dort könnten seine Empfindungen wieder normal sein, aber seine Chefin klärt ihn auf.

Ich fand die Geschichte gut erzählt und hätte mir gewünscht zu erfahren, wie der Arzt nun mit seinen neuen Fähigkeiten umgeht. Gewöhnt er sich daran oder überfordern sie ihn langfristig? Nun ja, die Story kann ja fortgesetzt werden.

Die Raumstation, die Detlef Klewer hier in Auszügen präsentiert, macht Lust, auf Erkundungstour zu gehen.

Talion – Roland Grohs

Ein Vollstrecker sucht Missetäter auf und tut ihnen das an, was diese ihren Opfern zugefügt haben. Eine Idee, die Stoff für einen Roman böte. Erschreckend fand ich, dass auch vor Kindern nicht halt gemacht wurde. Mich hätte interessiert, woher der Vollstrecker von den Verbrechen weiß und was er beim Bestrafen empfindet. Irgendwie bleibt der Mann blass. Er scheint sich keine Gedanken über seinen Job zu machen, geht einfach davon aus, dass seine Auftraggeber nicht irren. Meiner Meinung nach wäre die Story ohne die sogenannten Retardienten besser gewesen, denn es sind Menschen und der Vollstrecker mag sie nicht wie andere Menschen behandeln. Ob der Autor sich hier gegen Inklusion aussprechen möchte oder nur ungeschickt agiert, kann ich nicht beurteilen, aber für mich hat die Geschichte ein Geschmäckle.

Das Bild von Erxleben passt perfekt und gibt eine Szene aus der Story wieder.

Die wunderbaren Welten des Thomas Thiemeyer

Das Vorwort von Udo Klotz fand ich sehr respektvoll und gelungen. Es zeigt, dass ihm die Bilder wirklich gefallen. Ich werde auch auf die einzelnen Bilder eingehen, weil sie mir so gut gefallen und eine Würdigung verdient haben.

Die Mauer des Schlafs

Eine Art Kanal, aber mit vielen Kurven schlängelt sich durchs Bild, aber anders als in der Realität befindet er sich in schwindelerregenden Höhen und wird von Segelschiffen befahren. Der Titel des Bildes lässt vermuten, dass dieser »Hochkanal« von Menschen angelegt wurde und der Abschluss einer gigantischen Mauer ist. Von der Mauer sieht man nichts mehr, denn die Vegetation hat sich überall breitgemacht. Innerhalb des üppigen Grüns muss es eine Zivilisation geben, davon zeugen neben den Booten auch Türme, die sich in regelmäßigen Abständen vom Boden erheben. Ob es Verteidigungsposten sind? Ausgucke? Unterkünfte für Gärtner, die das Grün im Zaum halten? Auch hier fliegen Vögel durchs Bild, aber es scheint sich um »normale« Vögel zu handeln. Der Hintergrund wird von Nebel verschleiert. Ich möchte mit dem Segelboot in diese Welt fahren und sie erkunden.

Meine Freunde, die Roboter

Im Hintergrund wird eine große Stadt mit Hochhäusern angedeutet. Im Vordergrund sitzt ein Roboter mit untergeschlagenem Bein auf einem Felsen und prostet dem Betrachter mit einer Flasche Bier zu. Sein Kopf ist geneigt, als sei er sich nicht ganz sicher, wie wir reagieren. Zwischen Roboter und Stadt befindet sich ein Wald, der vom Roboter gepflegt werden könnte, denn auf mich macht er den Eindruck, als genieße er sein Feierabendbierchen. Der Himmel ist in leuchtendem Blau gehalten und die Bäume wirken total realistisch. Ich würde mich gerne zu dem Roboter gesellen und mich ein wenig mit ihm unterhalten.

Zu den Buchcovern sage ich nichts, weil ich die Bücher nicht kenne.

Die große Sphinx

Der Künstler sagt, das Bild sei von dem Roman »Die Zeitmaschine« inspiriert worden. Mich erinnert das Setting an eine Steampunkstory, wahrscheinlich durch die altertümliche Kleidung des Mannes, der neben einem offensichtlich nicht mit Dampf betriebenen Gefährt steht. Er sieht aus, als gehörte er nicht in die Welt, in der er soeben angekommen zu sein scheint. Er steht vor einer Art Tempel, der von einer großen Sphinxstatue bewacht wird. Das Tor darunter ist von Menschen erbaut und führt in eine Welt im Stein oder unter der Erde.

Die Sphinx macht keinen einladenden Eindruck, ich würde deshalb vorziehen, die Natur rundherum zu erkunden. In der Ferne sehen wir einen gewaltigen Wasserfall und hohe Berge. Selbst auf die Entfernung muss das Wasser einen Mordskrach verursachen. Eine gelungene Umsetzung des Themas.

Fernes Licht

Ich liebe dieses Bild, was kein Wunder ist, wenn man meine Lieblingsfarbe blau kennt. Im ersten Moment habe ich an eine Unterwasserwelt gedacht, aber ich schätze, es ist nur ein von Wesen – ob es Menschen sind? – bewohnter Dschungel. Es gibt eine Sternwarte in der Bildmitte, in die eine Person eintritt und eine andere hinter einem Fenster sitzt. Davor und dahinter befinden sich Wohn- und/oder Arbeitskugeln, in denen sich Personen aufhalten, denn die Fenster sind alle beleuchtet. Im Vordergrund sehen wir einen Parkplatz für fremdartige Gefährte. Die Straßenbeleuchtung zwingt einen dazu, zwei Mal hinzusehen, denn im ersten Moment vermutet man einen Fehler, der allerdings keiner ist. Die Laternen stehen mit der Leuchtlängsseite parallel zur Straße, anstatt wie bei uns üblich in die Straße zu ragen. Obwohl ich dieses tiefe satte blau sehr mag, würde ich diese Welt gerne bei Tage sehen.

Maelstrom

Es ist beeindruckend, wie gekonnt Thomas Thiemeyer Wasser und Wolken darstellen kann. Wie professionell er Blau- und Grüntöne mischt, wie er Licht und Schatten erzeugt. Dieses Bild zeigt einen großen Brocken Land mit Häusern darauf, der in der Luft schwebt. Er scheint irgendwo herausgebrochen worden zu sein. Dieses Ereignis muss gerade erst geschehen sein, denn es fallen noch Brocken ins darunter befindliche Wasser. Im Vordergrund sehen wir ein Luftschiff anderer Bauart, als wir gewohnt sind. Dieses sieht aus wie ein Segelschiff, aber anstelle der Segel befindet sich ein länglicher Ballon. Daher gehe ich davon aus, dass es für die Luft konstruiert worden ist. An Bord befindet sich ein Mann, der es lenkt. Man weiß nicht, ob dieses Landstück sein Ziel gewesen ist, aber man vermutet, dass er es ansteuern wird. Unter ihm sehen wir den titelgebenden Malstrom, der gigantische Wassermassen in einen Strudel zieht. Man weiß, dass derjenige, der hier abstürzt, verloren ist. Hier begnüge ich mich mit dem Betrachten. ;-)

Das Tor der Weisheit

Dieses Tor hat gigantische Ausmaße und man muss viele Stufen erklimmen, bis man hindurch ist. Dahinter lockt ein heller Planet an einem blauen Himmel. Einige Personen in roten Umhängen befinden sich auf den Stufen. Alle gehen hinauf, hinunter kommt keine. Es scheint eine Einbahntreppe zu sein. Auf beiden Seiten des Tors stehen Bäume, die im Vergleich winzig wirken und bei denen man sich fragt, wie sie auf bloßem Stein existieren können. Ich beneide den Maler um seine ruhige Hand. Hier sind alle Linien exakt und akkurat gezogen auf den Millimeter genau.

Wie sieht denn nun diese Weisheit aus und was stellen die Menschen mit dieser Erkenntnis an?

Die Legende von Eden

Ein Planet, auf dem zumindest irgendwann einmal Menschen gewohnt haben müssen, denn ein fremdartiges Echsenwesen mit menschlichen Anteilen sitzt auf dem Kopf einer Menschenstatue und macht Rast. Er scheint tief in Gedanken versunken zu sein. Er befindet sich in einer Welt, die von Lebewesen bewohnt wird, die in riesigen Bauten/Gebäuden leben. Es sieht aus, als müsste man in dieser Welt ein guter Kletterer sein, denn es gibt diese großen Bauten und tiefe Schluchten. Die Vegetation sprießt hier nur sporadisch. Von dem Wesen im Vordergrund scheint keine Gefahr auszugehen. Leider bin ich nicht fit genug, um mich ihm anzuschließen, aber ich hoffe, dass er freundlich aufgenommen wird.

Midworld I

Ein fantastischer Urwald, in dem Fische neben Vögeln fliegen, Bäume Wohnungen ausbilden und ein Mann, der an Tarzan erinnert, sich zu orientieren sucht. Es sieht aus, als sei ihm diese Umgebung neu und als wüsste er nicht, von welchen Bewohnern ihm Gefahr droht. Im Hintergrund schweben ein paar Kugeln, von denen ich nicht sagen kann, ob es Lebewesen sind oder ob sie welche beherbergen. Im Großen und Ganzen macht der Wald auf mich keinen bedrohlichen Eindruck, obwohl auch hier Nebel herrscht, in dem sich alles Mögliche verbergen könnte …

Midword II

Noch ein Urwald, aber dieser ist eindeutig von Menschen und menschenähnlichen Wesen bewohnt, die sich gegenseitig nicht recht geheuer zu sein scheinen. Jedenfalls beobachtet eins dieser fremdartigen Wesen die Ankunft eines Luftseglers, der viele Menschen transportiert hat. Die Passagiere gehen gerade von Bord. Urzeitvögel fliegen herum und schenken weder den Menschen noch den anderen Wesen Aufmerksamkeit. Im Hintergrund finden sich wieder Kugeln, die zu weit entfernt sind, um zu erkennen, ob sie dem Transport dienen oder wozu sie sonst gut sein könnten. Auf einem Ast in der Bildmitte befindet sich eine Art Burg. Ich kann mich täuschen, aber mir kommt die Szene vor wie die Ruhe vor dem Sturm. Einmal mehr herrscht Nebel.

Pacifica

Pacifica ist eine gigantische künstliche Insel, die einer Megacity entspricht. Es gibt diverse Wohn- und Geschäftsgebäude, Vegetationsplattformen und mehr, das sich hinter hohen Platten verbirgt. Diese Stadt wird von Segel-Maschinenbooten und Fluggefährten angesteuert. Es könnte sein, dass es mehrere solche Städte gibt und man sich gegenseitig besucht, aber ich habe eher den Eindruck, als kämen die Neuankömmlinge von anderen Plätzen. Vielleicht von den letzten Restchen Erde, die noch nicht überschwemmt sind? Für Flüchtlingsboote sind sie allerdings zu klein und zu luxuriös. Vielleicht gibt es auch kleinere diese schwimmenden Inseln und deren Bewohner kaufen hier ein?

Himmel und Wasser sind wieder einmal total perfekt gemalt und faszinieren mich erneut.

Lemuria

Ein Planet, der von Lemuren bewohnt wird und auf dem Tourismus eingesetzt hat? Hier gibt es gigantische Gebirge und viel Wald, und obwohl nichts auf eine Zivilisation jenseits des septisch dreinblickenden Lemuren im Vordergrund zeugt, sind große Flugsegler unterwegs, bei denen ich davon ausgehe, dass sie Menschen transportieren, aber das Bild gibt diese Vermutung nicht her. Es könnte auch sein, dass es die Lemuren oder noch andere Wesen waren, die diese Schiffe bauten. Ich muss mich korrigieren. Wenn man genau hinsieht, erkennt man auf der linken Seite eine Hängebrücke zwischen zwei Höhlen, die sehr wohl auf eine Zivilisation in den Bergen hinweisen. Jetzt bin ich doch neugierig auf diese Welt geworden.

Am Ufer der Zeit

Der Meeresspiegel ist so weit gestiegen, dass die Freiheitsstatue bis zu den Amen im Wasser verschwunden ist. Im Vordergrund sieht man einen Mann, eine Frau und ein Pferd, die Rast am Ufer machen. Der Mann kniet im seichten Wasser. Ob er der Statue huldigt? Könnte sein. Es sieht auf jeden Fall nicht so aus, als gäbe es noch viele Menschen, denn der Strand ist bis auf die drei genannten Wesen völlig leer. Keine Buden, keine Handtücher, keine Menschen, nicht einmal Möwen.

Die Reise der Morning Dawn

Ein Cover zu »Wizard of the coast« von Rich Wulf. Ich kenne den Roman nicht, daher beschränke ich mich auf das Bild.

Die Morning Dawn scheint ein großer Luftsegler zu sein, der wohl viele Menschen transportiert. In der Bildmitte befindet sich das Ziel. Eine große, bewohnte Insel, auf der sich eine Megacity befindet. Mit vielen Brücken ist diese Insel mit dem Festland verbunden. Die Häuser sehen altertümlich aus, weshalb ich vermute, dass wir uns auf einem anderen Planeten befinden. Wolken, Wasser und Land sehen aus wie auf der Erde.

Foundation und Jupter

Beides Cover zu Romanen, die mir sehr gut gefallen, wobei Jupiter mit seinen warmen Gelb-, Ocker-, Gold- und Orangetönen völlig anders gehalten ist als die anderen Bilder.

Der stille Fluss

Eine Welt, in der die Bauten in der Mitte nicht so recht mit den Personen im Vordergrund übereinzustimmen scheinen. Die Gebäude sind futuristisch gestaltet, aber die Menschen tragen altertümliche Kleidung. Ob die Türme aus längst vergangenen Zeiten stammen, kann man nur vermuten.

Es sieht so aus, als seien die Menschen mit Wäschesäcken gekommen, um zu waschen. Der seichte Fluss scheint dafür bestens geeignet, aber der Marsch hierher scheint mühsam gewesen zu sein, denn die Menschen rasten vor der Arbeit. Es könnte auch sein, dass sie nach getaner Arbeit rasten, bevor sie sich auf den Heimweg machen. Auf mich macht es den Eindruck, als gäbe es nicht mehr allzu viele Menschen in dieser Welt.

Der Pfad des Jägers

Witzigerweise ist Australien nicht im Wasser verschwunden, sondern das Wasser drumherum. Wir sehen die Oper in Sydney mitten in einer Wüste. Ein Autowrack und zwei Tanksäulen zeugen davon, dass es hier einmal eine Zivilisation gegeben hat, die sich mit den geänderten Bedingungen arrangiert hatte, aber von diesen Menschen scheint nicht viel übrig geblieben zu sein, denn weit und breit ist keiner von ihnen zu sehen. Lediglich ein alter Ureinwohner kommt uns entgegen. Die habe schon immer verstanden, im Einklang mit der Natur zu leben und scheinen das immer noch zu können. Für mich ein eindringlicher Appell uns mal näher mit den Weisheiten der Naturvölker zu beschäftigen, die von uns oft belächelt werden und doch so viel mehr wissen als wir. Toll!

Planet der Habennichtse und Shadowbridge sind wieder zwei Buchcover.

Wolkenturm

ist ebenfalls ein Cover und zwar von Nova 1. Bei dem Wort Wolkenturm denke ich sofort an den Turmbau zu Babel, aber mit dem hat dieser Turm hier nichts gemein, außer dass er hoch ist.

Es scheint weitere Türme zu geben, die bis in die Wolken tragen und sie scheinen nicht für jedermann zugänglich zu sein, denn es gibt Aussichtsplattformen, von denen aus man die Riesen bewundern darf. Die Brüstungshöhe der Plattform erscheint mir nicht gerade sicher zu sein, aber in der Zukunft, in der wir solche Bauwerke erstellen, gibt es bestimmt auch unsichtbare Brüstungen. Der Himmel und die Wolken sind wunderschön.

Gerne würde ich all diese Bilder einmal im Original sehen, denn ich denke, dass sie groß noch viel schöner sind und ich könnte mir gut vorstellen, auch zu diesen Bildern eine Anthologie herauszugeben, mit Geschichten, die von ihnen inspiriert wurden.

Lord Tophet auf der Rückseite

Noch ein Bild, das durch seine Blau- und Grüntöne besticht und durch das gekonnte Spiel von Licht und Schatten. Wir sehen eine monströse Art von Brücke, die übers Meer gebaut wurde. Ob sie allerdings dem Transport von Menschen und/oder Gütern dient, darf bezweifelt werden, denn sie ist an manchen Stellen regelrecht durchscheinend. In (unregelmäßigen) Abständen befinden sich unterhalb und neben der Brücke Disken, deren Funktion unklar ist, aber wenn es in dieser Welt die Teleportation geben sollte, könnten sie durchaus dazu dienen, Ladungen zu löschen. Unterhalb der Brücke befindet sich ein kleines Boot. Ob es sich hierbei um einen Fischer handelt, oder um jemanden, der einen Ausflug macht, wird nicht klar. Auf mich macht das Boot einen verlorenen Eindruck, denn es scheint weit und breit kein weiteree Mensch in Sicht. Nur die Vögel, wahrscheinlich Möwen, leisten ihm Gesellschaft. Ich könnte mir vorstellen, dass die Brücke ihn angelockt hat, aber ich glaube nicht, dass er hier auf andere Menschen treffen wird.

Liebes Exodus Team, ich danke euch für diese tolle Galerie.

42 Milliarden Jahre – Peter Schattschneider

Ein Forscherteam versucht dem Ursprung von Leben per Simulation auf den Grund zu kommen. Einer von ihnen hat es so eilig, dass er die Geschwindigkeit heimlich erhöht und damit ein Chaos auslöst.

Die Grafik von Thomas Franke passt gut zur Story.

Sehen – Moritz Greenman

Ein Mädchen soll über das weitere Schicksal der Menschheit entscheiden und wird für diesen Zweck ausgebildet. Diese Geschichte ist gut geschrieben und hat mich unterhalten.

Mario Frankes Illustration greift gekonnt Elemente aus der Story auf, ohne etwas zu verraten.

Minerva – Angelika Brox und Yvonne Tunnat

Mara-Lena hatte mal wieder einen Unfall und kommt mit ihren Eltern aus dem Krankenhaus. In der nächsten Zeit kann sie ihr Speedboard vergessen, wenn es nach ihrer Mutter ginge, müsste sie es sogar verschrotten. Da sie nun erst einmal ans Haus gebunden ist, muss sich auf andere Weise beschäftigen und so lässt sie sich von der Haus-KI Bilder zeigen und schwelgt in Erinnerungen. Aber plötzlich tauchen Bilder auf, an deren Entstehen sie sich nicht entsinnen kann. Nach und nach erfährt das Mädchen, was es mit diesen Bildern auf sich hat und die Autorinnen nehmen den Leser gekonnt mit auf diese Reise.

In Zeiten, in denen Kinder, die nicht der Norm entsprechen, gerne auch mal mit Medikamenten »angepasst« werden, hat mir diese Geschichte ausgesprochen gut gefallen und die KI aus der Geschichte auch selbst Erkenntnisse zieht, fand ich überaus sympathisch.

Die beiden Illus von Jaana Redflower passen perfekt und haben mir supergut gefallen.

Der Nachrichtenmacher – Uwe Hermann

Was, wenn du heute in der Zeitung liest, dass du morgen stirbst? Genau das passiert dem Protagonisten in dieser Geschichte. Natürlich versucht er das Schicksal von sich abzuwenden. Wie er das anstellt und ob er Erfolg hat? Das verrate ich natürlich nicht. Ich mag prinzipiell Uwe Hermanns Art von Humor, der nie mit dem Holzhammer verabreicht wird. Ich mag seine Ideen und ich mag, wie der sie umsetzt. Absolut lesenswert.

Die Illustration von Oliver Engelhard hat mich erst erstaunt, denn ich habe mir diese Familie anders vorgestellt, aber er schafft es doch, die gespielte Angst um den Vater umzusetzen.

Typ 4 – Nicole Hobusch

Eine junge Rebellin ist auf Beutezug in einem bereits geplünderten Supermarkt und entdeckt eine Leiche.

Zum Ende hin gab es einen Perspektivwechsel, den viele Leser als gelungen empfanden, mir hat er nicht so gut gefallen, denn ich hatte mich mit der Hauptperson identifiziert. Aber hier sieht man einmal mehr, dass Geschichten unterschiedlich bewertet werden und alles Geschmackssache ist. Handwerklich hatte ich jedenfalls nichts auszusetzen.

Das Bild von David Staege ist comicartig bunt gehalten, passt aber sehr gut.

16. Mai 2022

Das Dorf am Grunde des Sees – Gabriele Behrend

Das Dorf am Grunde des Sees – Gabriele Behrend

Außer der Reihe 64

p. machinery, Winnert, April 2022, 172 Seiten Softcover

ISBN 978 3 95765 2805

Preis: 12,90 €

Claire, eine angehende Lehrerin im Urlaub in Italien, hat von einem geheimnisvollen Dorf am Grunde des Sees gehört und will sich mit eigenen Augen von dessen Existenz überzeugen. Leider geht ihr die Luft aus und sie fürchtet zu ertrinken. Als ihr die Kräfte schwinden, lässt sie die Leuchtrakete fallen und findet sich plötzlich in ebenjenem Dorf, das sie gerade noch gesucht hat.

Sie wird von Kokoschkin aufgenommen, der sie mit der Unterwasserwelt vertraut macht. Sie lernt Giovanni kennen und verliebt sich in ihn. Die Gemeinschaft bekommt immer wieder Besuch von Außerirdischen aller Art. Aber nicht alle Einwohner mögen diese seltsamen Wesen, die sich zwar äußerlich an ihr Umfeld anpassen können, aber nicht dazu gehören.

Als der erste Regen im Dorf fällt, ahnt noch niemand, dass dem Dorf große Gefahr droht.

Um nicht zu viel zu verraten, endet meine Inhaltsangabe hier.

Ich gebe zu, als ich zu lesen begann, die Personen kennenlernte, dachte ich:

Aha, das gibt ein typisches Happy-End. die Gefahr wird gebannt und alle leben glücklich und zufrieden bis ans Lebensende.

Pustekuchen! Die Autorin hat sich etwas anderes einfallen lassen, etwas, das ein wenig realistischer anmutet und doch nicht enttäuscht.

Die Protagonisten sah ich alle förmlich vor Augen, so gut waren sie gezeichnet.

Dass die Autorin schreiben kann, wusste ich von etlichen Kurzgeschichten und ihrem Debütroman. Aber was ich hier lesen durfte, fand ich wirklich richtiggehend zauberhaft. Die außerirdische Lebensform, die sich dazu entschloss, den kleinen Menschen ein Dach über dem Kopf zu bieten, der ehemalige Lebemann, der mit seinem Schicksal hadert und seinen längst verstorbenen Vater immer nörgeln hört, die alte Hexe, die alle aufwiegelt, die jungen Liebenden, all das überzeugt und berührt. Wahrscheinlich werden einige Leser es als Kinderbuch abtun, aber dadurch, dass durch die Blume Fremdenhass angesprochen wird, kann es meiner Meinung nach auch von jung gebliebenen Erwachsenen gemocht werden.

Nichtsdestotrotz möchte ich der Autorin empfehlen, Kinderbücher zu verfassen, nicht nur, aber unbedingt auch, denn das kann sie ganz hervorragend. Und ich fände es traurig, wenn sie dieses Talent den Kindern vorenthalten würde, die sie unter Garantie lieben werden.

Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt und ich kann das Buch uneingeschränkt empfehlen.

Fünf von fünf Punkten.

Nächste Seite »

Bloggen auf WordPress.com.