ml-universe

29. Juli 2017

Inspiration

Die Bilder von Andreas Schwietzke, die ihr hier ansehen könnt:

http://www.deviantart.com/newest/?q=arteandreas

erzählen Geschichten. Das brachte mich auf die Idee, einige Autoren zu fragen, ob sie Lust hätten, sich von diesen Bildern zu eigenen Geschichten inspirieren zu lassen.

Ich startete eine Rundfrage und bekam durchweg positive Resonanz. ‚Mein‘ Verleger Michael Haitel mit seinem p.machinery Verlag hat ja immer ein offenes Ohr für meine Ideen und sagte sofort zu, das Ergebnis dieser Aktion als Bildband zu veröffentlichen. Die Autoren suchten sich Bilder aus dem reichhaltigen Repertoire aus und verfassten Geschichten dazu. Das Ergebnis ist teils überraschend, teils lustig und alle Storys sind interessant. Ich habe völlig unbekannte Talente mit alt bekannten Größen zusammengetan und es nicht bereut.

Die Daten für das Buch sind inzwischen beim Verlag und warten auf Layout und Veröffentlichung.

Aber das war noch nicht alles. Denn mich interessierte außerdem noch die Entstehungsgeschichte zum jeweiligen Bild und was der Maler von den Geschichten hielt. Also fragte ich Michael Haitel, was er von einem ‚Buch zum Buch‘ hielte und er gab mir erneut grünes Licht. Danke Michael!

Das Ergebnis wird den Titel ‚Dialog‘ tragen. Darin sind die Autoren in alphabetischer Reihenfolge jeweils mit dem ausgesuchten Bild aufgelistet. Ich befrage Andreas zuerst, wie das Bild entstanden ist und dann sprechen wir darüber, wie er seine Inspiration in den Geschichten umgesetzt sieht.

Ich fand es sehr interessant mit ihm zu plaudern und mehr darüber zu erfahren, wie er arbeitet, zu seinen Ideen kommt und sie dann umsetzt.

‚Inspiration‘ wird auch ohne ‚Dialog‘ verstanden, aber das Interview stellt eine gute Ergänzung zur Anthologie dar.

Sobald die Bücher erschienen sind, werde ich Bescheid geben und freue mich dann über jede Resonanz.

 

 

 

22. Juni 2016

Hauptsache Gesund

Ralf Boldt, dieser Herr hier:

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hat eine Anthologie herausgegeben, die zum MediConOne erscheint.

Da die Geschichten sehr unterschiedlich sind, habe ich nicht alle besprochen.

Hauptsache Gesund

Taschenbuch: 392 Seiten

Verlag: p.machinery Michael Haitel; Auflage: 1 (29. Februar 2016)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3957650577

ISBN-13: 978-3957650573

Preis: 10,90 €

 

 
Lucie Fickel: Health

Sandra Maßen telefoniert mit ihrer Mutter und erzählt ihr, dass sie sich seit einigen Tagen nicht gut fühlt. Ein Onlineunternehmen namens health.org hat Blut- und Urinproben angefordert und nach der Diagnose Medikamente geschickt. Es wird allerdings nicht besser. Die Diagnose wird variiert. Statt einer Blasenentzündung sei Migräne auch möglich.

Lucie Fickel schafft es, mit wenig Text eine neue Welt zu kreieren. Diese könnte eine mögliche Weiterentwicklung der jetzigen sein. Die Unmenschlichkeit nimmt eben so weiter zu, wie die Menschen sich nicht mehr für einander interessieren. Ärzte aus Fleisch und Blut kann ein Normalverdiener sich genauso wenig leisten wie Krankenhäuser. Man verlässt sich auf Onlinedienste.

Hat mir wegen der ungewöhnlichen Monologart und von der Idee her sehr gut gefallen.

Ralf Boldt: Hautpsache gesund

Ein Mann fühlt sich nicht ganz wohl, eine Grippe scheint im Anmarsch zu sein, aber sein Health-Button zeigt bedenkenloses Grün! Also muss alles in Ordnung sein. Einen schlimmen Moment muss er in der U-Bahn über sich ergehen lassen, als er niesen muss. Er befürchtet, einer seiner Mitreisenden könne auf die Idee kommen, die Gesundheitspolizei zu rufen, um die Prämie von 500 Euro einzustreichen, die bei der Ergreifung freilaufender Kranker gezahlt wird.

Ralf Boldt fasst kurz zusammen, wie es zu den weitreichenden Veränderungen kam, und wie sie sich auswirken. Dann wird der Mann zu einem geheimen Treffen gerufen. Scheinbar hat sich im Untergrund eine Art Widerstand gebildet.

Gekonnt, mit einem Augenzwinkern vorgetragen. Und überhaupt nicht abwegig. Warten wir, wie lange es noch dauert, bis die Krankenkassen verfügen, dass übermäßiger Genuss von Süßigkeiten, Alkohol oder Nikotin geahndet werden muss.

Thomas Kowa: Wer beamen kann, ist klar im Vorteil

Ein Mensch hat im Kasino auf Warubia ein paar Jetons gewonnen und gönnt sich einen Abend in der Bar Space Intruder, wo sich schnell Inner- und Außerirdische um ihn scharen. Er wird regelrecht ausgenommen, findet aber dennoch Zeit, dem Leser das Leben in der Zukunft zu beschreiben. Eines der Wesen, die sich von ihm freihalten lassen, gönnt sich einen Leckerbissen, der für sein Konto zu teuer ist. Die planetaren Müllmänner kommen, um den Menschen zu entsorgen.

Sehr lustige Geschichte, die durch lustige Ideen genauso punkten kann, wie mit lustigen Wortkreationen. Sehr lesenswert!

Brigitte Sieger: Bille-2A

Bille, ein siebenjähriges Mädchen, klagt über Kopfschmerzen. Als die nach einigen Tagen nicht nachlassen, kommt sie ins Krankenhaus, wo ein Hirntumor diagnostiziert wird. Sie berichtet ihrem Tagebuch, dass sie glaubt, ein Tumormonster im Kopf zu haben, das die Ärzte mit Strahlenkanonen bekämpfen wollen. Jedoch hält ihre Mutter von Strahlentherapien nicht viel. Ihr Bruder glaubt, man würde sie austauschen.

Was sich in der Zusammenfassung vielleicht etwas schräg liest, ist absolut wunderbar geschrieben. Brigitte Sieger schafft es, sowohl dem kleinen Mädchen Leben einzuhauchen, als auch die emotionslosen Patientenakteneinträge glaubhaft darzustellen. Sehr gelungenes Debüt!

Andrea Thamm: Der Hygieneunfall

Ava, die Architektin, die der Stadt eine Kuppel beschert hat, träumt vom Schwimmen und wird von ihrem Bett geweckt, das eine Kontaminierung mit Schweiß meldet und sofortige Gegenmaßnahmen empfiehlt. Während sie sich von Licht reinigen und desinfizieren lässt, grübelt sie weiter über ihren Traum nach, erinnert sich an das Leben vor der Kuppel. Als Regen noch ungehindert auf den Boden traf, die Flüsse und Seen noch nicht trockengelegt waren. Sie kehrt in Gedanken in eine Zeit zurück, in der sie im Regen tanzte. Nach der Dusche ruft sie sich zur Vernunft. Immerhin weiß jedes Kind, dass Wasser Keime trägt, Keime, die der Ursprung für Krankheiten sind. Im Ministerium kommt es zu einem Zwischenfall, der einen Minister sein Amt kostet: Er schwitzt! Wahrscheinlich hat er es mit den Antitranspirationsimpfungen nicht so genau genommen.

Um sich abzulenken, fährt sie mit dem Fahrstuhl in den obersten Stock, wo sie direkt die Kuppel berühren kann und entdeckt dort ein winziges Leck, das keinen Alarm auslöst, obwohl es das müsste. Irritiert und in Gedanken immer noch beim schwitzenden Minister und ihrem Traum, vergisst sie, selbst Alarm auszulösen.

Andrea Thamm führt uns in eine Welt, die sie gut beschreibt. Sie lässt uns an Avas Gedanken, ihrer Entwicklung teilhaben. Routiniert geschrieben, gefiel mir gut.

Dirk Alt: Flucht aus der Plastikwelt

Martin, achtzehn Jahre alt, möchte seinem Leben ein Ende bereiten. Dafür gibt es in Zeiten der Überbevölkerung Institute. Dort muss er sich durch einen Haufen Formulare arbeiten, seinen Wunsch begründen, ein Rücktrittsgespräch absolvieren und dann kann er sich die Art und Weise, wie er aus dieser Welt scheiden möchte, aussuchen. Es gibt viele verschiedene Varianten, bei denen auch mal etwas schief gehen kann.

Routiniert erzählt und im Wesentlichen ein Gegenpunkt zu der immer wieder aktuellen Diskussion um Sterbehilfe.

Friedhelm Rudolph: Faluso, o Faluso

Die Menschen existieren in einer anderen Form. Statt in einem Körper haust der Geist nun in einem Konteiner. Er wird von allerlei Androiden umsorgt.

Eines dieser Wesen erbittet sich einen Finger, damit er dieses Popeln einmal ausprobieren kann. Der Medroid bemüht sich, ihm stattdessen einen Faluso anzudrehen.

Die Idee fand ich interessant und der Text ist unterhaltsam geschrieben, nur zum Schluss hin, hätte es eine Windung weniger sein dürfen.

Gard Spirlin: Juvenil Forte

Odysseus Ryder, ein Kurier im All, erhält einen Brief von seinem Vater, der in einem Seniorendomizil auf dem Mars lebt. Er möge ihn doch mal besuchen kommen. Mit seiner Freundin, die gerne eine festere Verbindung eingehen würde, nimmt er die Einladung an und ist überrascht, als er seinen Vater in einem sehr viel besseren Zustand vorfindet, als er ihn in Erinnerung hat. Juvenil Forte, ein neues Medikament, ist dafür verantwortlich.

Unterhaltsame Geschichte, gut geschrieben, gefiel mir bis jetzt am Besten.

Selbst bei der Namensvergabe merkt man diesem Autor an, dass er sich Gedanken macht.

Frank Lauenroth: Tubes Inc.

Vor Gericht soll darüber entschieden werden, ob es sich bei Michael Johnsons Verschwinden lediglich um einen Unfall oder um vorsätzlichen Mord handelt.

Der Staatsanwalt will beweisen, dass die Firma, die mittlerweile fast ein Transportmonopol besitzt, unzuverlässig arbeitet. Der Geschäftsführer von Tubes Inc., John-Louis Bredshore, wird von der Richterin gezwungen, bei einem vor Ort Termin in seinem Unternehmen, den Transportvorgang zu demonstrieren. Beiläufig erwähnt er dabei, dass seine Transporte weit über den bloßen Transport hinausgehen, auf jeder Reise, behauptet er, wird der Mensch optimiert, Krankheiten geheilt. Obwohl diese Nachricht eine Sensation ist, wird der Prozess am nächsten Tag fortgeführt.

Spannend, unterhaltsam, gekonnt. Gefiel mir sehr gut, selbst der kleine eingebaute Gag.

Julia Aninna Jorges: Schneewittchen erwacht

Eine Frau kommt in einer ungewohnten Umgebung zu sich und fragt sich, was geschehen ist. Sie erinnert sich, gestern mit ihrem Sohn ein Eis gegessen zu haben und sie erinnert sich an die Diagnose Krebs. Brustkrebs, der trotz Mammografie zu spät erkannt wurde und gestreut hat. In der Brust kann das Geschwür operativ entfernt werden, im Hirn jedoch nicht. Es bleibt lediglich die palliative Behandlung.

Sie liegt unter Glas und eine Apparatur spendet minimales Licht. Sie fragt sich, wo sie ist und was geschehen ist.

Die Geschichte liest sich gut und besitzt eine gewisse Art Spannung.

Angela Stoll: Androidenerwachen

Esra ein kleiner behinderter Junge wird von seinem Pflegeandroiden Xe liebevoll gepflegt. Die Mutter des Jungen muss extrem viel arbeiten, weil sie den Jungen bekam, obwohl abzusehen war, dass er mit einer Behinderung zur Welt kommen würde. Nach der Arbeit trinkt sie und wartet darauf, dass der Junge endlich stirbt. Den direkten Kontakt zu ihm hat sie längst abgebrochen.

Esra hat den letzten Wunsch, noch einmal ins Freie zu gelangen. Da die Menschen keine Kranken mehr unter sich dulden, stellt diese Bitte eine Herausforderung für Xe dar, die er überwindet, indem er den Wunsch nachts erfüllt. Dann ist die Wahrscheinlichkeit auf Menschen zu treffen sehr gering.

Das Thema, besonders die gezogene Quintessenz, ist nicht neu, aber unterhaltsam geschrieben.

Ellen Norten: Das Puppenhaus

Zwei Astronauten überlegen sich, wo sie ihren Kurzurlaub verbringen wollen.

Einen von ihnen interessiert ›Puppenhaus‹, eine Art Märchenpark für Kinder und Erwachsene, aber der andere weiß zu berichten, was sich dort zugetragen hat.

Ellen Norten weitet das Thema Gesundheit auf Genmanipulationen aus und das recht unterhaltsam und fantasievoll.

Enzo Asui: Zwei Leben

Ein Mann geht zum Amt, um sich neue Nieren zu besorgen. Ein neuer Arzt empfängt ihn.

Interessant anders, die Geschichte. Kurz und knackig. Gefiel mir gut.

Götz Markgraf: Vom Fax gezeichnet

Arthur steigt aus dem Fax und niest. Im Zeitalter, indem Krankheiten als besiegt gelten, sehr ungewöhnlich. Aber wenigstens erfährt er so, dass es immer noch Ärzte gibt, und sucht einen auf. Der schreibt ihn krank und beide vergessen die Angelegenheit. Arthurs Lebensgefährtin kann mit einem Kranken nichts anfangen und quartiert sich vorübergehend woanders ein.

Als Arthur kurz darauf erneut erkrankt, verlässt sie ihn. Die Sprechstundenhilfe des Arztes kümmert sich sehr nett um den Kranken.

Es kommt zu weiteren Krankheiten und zu einer überraschenden Auflösung.

Diese Geschichte gehört mit zu meinen Favoriten. Der Autor geht das Thema anders an, als die meisten seiner Kollegen. Daneben blitzt Humor durch und der Stil ist überaus gekonnt.

Paul Sanker: Vertreibung aus dem Paradies

Die Geschichte spielt in den USA von 2112. Der Leser erfährt durch Rückblicke, dass eine Seuche die Rinder- und Schweineherden auf Erden vernichtet hat.

Ein schlauer Wissenschaftler züchtete daraufhin einen gigantischen Thunfisch, der für die Ernährung der Weltbevölkerung herhalten sollte.

Parallel dazu wurde von den obersten Behörden die Züchtung menschlicher Ersatzteile verboten. Da immer mehr Menschen an Krankheiten leiden, die unter anderem vom vermeintlichen Wunderfisch übertragen wurden, sucht der Chef von Global Transplant einen anderen Weg finden, um an die heißbegehrten Organe zu gelangen.

Da ergibt es sich gut, dass er von einer Parallelwelt erfährt, die die Schweizer bei ihren Versuchen im CERN entdeckt haben.

Obwohl Paul Sanker hier eine ungewöhnliche Art der Erzählung wählt, nimmt er den Leser mit. Er rechnet mit vielen Wirtschaftszweigen, Profiteuren und Politikern ab. Er tut dies auf eine Art, die dem Leser nicht vorgibt, was er zu denken hat. Hat mir sehr gut gefallen und ich bin mir fast sicher, er hat sogar eine Begründung parat, warum in den USA mit Euro bezahlt wird.

Michael Schmidt: Der optimierte Mann

Michael Schmidt erklärt dem Leser, dass die Geschlechterrollen sich verschieben, und beschreibt die Realität so:

Der Unterschied zwischen Mann und Frau verschwimmt. Der Mann wird femininer, die Frau maskuliner und die Kinder entscheiden, was läuft.

Hier musste ich zum ersten Mal lachen. Die Geschichte ist relativ kurz, deshalb gehe ich hier nicht weiter auf die Handlung ein. Mir hat sie sehr gefallen. Ich wusste nicht, dass der Autor so lustig sein kann, und würde es begrüßen, weitere lustige Storys von ihm zu lesen.

Claudia Plachetka: Zu zweit, eins

Nach dem dritten Weltkrieg leben nur noch in Europa einige Menschen, der Rest der Erde ist verseucht.

Die Nachkommen der Überlebenden haben den Menschen optimiert, indem sie alle Embryonen mit Medikamenten von Empfindungen befreien. Jeder Mensch kann nur einen einzigen anderen lieben, es gibt keine sexuelle Lust mehr. Geburten werden künstlich herbeigeführt. Die Gesellschaft ist zwar immer noch in unterschiedliche Schichten aufgeteilt, aber es herrscht kein Neid. Alle verdienen gleich viel.

Allerdings gibt es einige wenige Menschen, die durch ein Versehen diese Impfung nicht empfingen. Diese tun sich zusammen und wollen das herrschende System abschaffen, notfalls mit Gewalt.

Ein aktuelles Thema unterhaltend aufbereitet.

Andreas Witte: Die Ehemaligen

Nach einem Krieg, der durch die Einwanderung vieler Flüchtlinge unvermeidbar wurde, hat sich Europa in zwei Zonen aufgeteilt. Viele Menschen sind diesem Krieg zum Opfer gefallen, weshalb die Gesetze für Bestattungen geändert wurden.

Obwohl der Autor teilweise interessante Ideen hat, überzeugt mich diese Geschichte nicht. Der Kriegsgrund und seine Folgen wirken auf mich einfach zu sehr an den Haaren herbeigezogen.

Johann Seidl: Tausche den Tod

Ein Raumschiff nähert sich der Erde. Es sendet Nachrichten, zu deren Entschlüsselung biopolare Personen herangezogen werden. Der Ich-Erzähler ist auf einer Spur.

Eine der besseren Geschichten in dieser Sammlung. Der Autor versteht es, den Leser in seine Entschlüsselung einzubeziehen.

Achim Stößer: Nebenwirkung

Die Geschichte geht irgendwo in der Vergangenheit los. Ein kleiner Junge hat sich das Lesen beigebracht und vertreibt sich damit viel lieber die Zeit, als mit der Arbeit, zu der sein Vater ihn auffordert. Er wird krank und erinnert sich an eine Geschichte, in der ein Kranker, dadurch geheilt werden konnte, dass eine Jungfrau sich für ihn opferte.

Ein kleines Mädchen sieht ein UFO und rennt davon.

Ein Mann bekommt in der Klinik mehrere Stents.

Diese drei Settings werden durch Ufos miteinander verbunden.

Achim Stößer liefert für meinen Geschmack eine der besten Geschichten in diesem Band. Sie zeichnet sich durch verschiedene Ebenen aus, die er geschickt miteinander verwoben hat. Außerdem funkt sein Humor mit durch. Hat mich sehr gut unterhalten.

Simon Schneider: Spiel nicht Gott – Sei Gott

Ein Ehepaar in ferner Zukunft hat sich entschieden Kinder zu bekommen und sitzt nun in einem Raum der Firma ›New Human Company‹, um die Details durchzugehen. Zuerst wird der Mann davon überrascht, dass seine Frau sich offensichtlich weit intensiver mit dem Thema beschäftigt hat, als ihm bewusst war. Aber schon nach relativ kurzer Zeit ist auch sie überfordert.

Die Geschichte gehört für mich zu den Besseren.

Meiner Meinung nach wäre das Buch wesentlich besser geworden, wenn man ein engmaschigeres Sieb verwendet hätte. Allerdings verstehe ich den Herausgeber gut, wenn er neuen Autoren eine Chance geben möchte.

Unter diesem Gesichtspunkt will ich nicht zu hart sein und vergebe vier von fünf Punkten.

Persönlich finde ich, viele der Geschichten wären weit besser davon gekommen, wenn sie intensiver überarbeitet worden wären.

Die Menge der sehr kurzen Geschichten war mir zu viel.

Wenn eine Story sehr kurz ist, muss sie für mich auch sehr gut sein.

Dieses Titelbild

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stammt von Lothar Bauer und gefällt mir sehr gut.

30. Mai 2016

Der letzte Turm vor dem Niemandsland

Diane Dirt kann demnächst ihre zweite Veröffentlichung feiern. Sie ist mit der Geschichte „Meister Shini“ in der Anthologie des Fantasyguide, die den Titel „Der letzte Turm vor dem Niemandsland“ tragen wird, vertreten.

Sie ist auf Terra 3 gelandet, genauer gesagt in Cubus, wo sie auf einen ‚Zwerch‘ trifft. (Und von einem Dämonen beherbergt wird.)

Ihre Ruhrpott-Schnodderschnautze steht auch in dieser fremden Welt nicht still.

Außer Diane sind unter anderen mit Geschichten dabei: Uwe Hermann, Ralf Steinberg, Achim Hildebrand, Christel Scheja, Ellen Norten, Andreas Flögel, Christian Weis, Andreas Fieberg.

Einige Storys kenne ich schon und kann verraten: Es wird eine bunte Mischung.

19. Januar 2016

Es reicht!

Ich weiß: Je älter ich werde, desto mehr meiner Helden werden mir wegsterben, aber müssen es gleich so viele kurz hintereinander sein?
Erst Lemmy, dann Bowie und nun auch noch Glenn Frey.
Jetzt soll es bitte erst mal gut sein. Gebt ein paar Konzerte da oben im Rock ’n‘ Roll Himmel und geduldet euch mit dem Nachschub.

Ich habe im letzten Jahr die Anthologie »Was geschah im Hotel California« im p.machinery Verlag herausgegeben und selbst zwei Geschichten beigetragen.

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Die Rezensionen dazu waren alle gut.
Hier zu finden: Rezensionen

In der Leserunde, die ich auf Lovelybooks abgehalten habe, gingen einige Leser davon aus, im Buch würde die Frage beantwortet. (Was in diesem Hotel nun wirklich geschehen ist, worum es im Text geht.)
Diese Erwartung konnte ich nicht erfüllen, denn ich habe ihn nicht geschrieben und die Songtexter haben sich wohl weißlich immer mit Erklärungen zurückgehalten. (Wenn niemand weiß, worum es genau geht, sind alle Interpretationen zulässig.)

Die Band ›The Eagles‹ auf diesen Song zu reduzieren, lag nie in meinem Sinn. Ich hatte mir dieses Stück lediglich wegen des Songtextes ausgesucht. Gerade weil er so mysteriös ist, sprach er mich an. Ich war gespannt, wie andere Autoren damit umgehen würden, und sie enttäuschten mich nicht.

Eine Enttäuschung stellte lediglich dar, dass die Songtexter/-schreiber (Felder/Henley/Frey) die Rechte verkauft hatten und der neue Rechteinhaber keine Interpretation duldete. Die Version, die ich im Kopf hatte, wäre härter gewesen als das Original und hätte mit Industrialsound und Gesang á la Marylin Manson/Alice Cooper (der zweite allerdings in weiblicher Form) geglänzt.

Hier, als kleines ›goodbye‹ der Anfang meiner Geschichte »Showdown«, in der einige namhafte Musiker und Schauspieler mitwirken und in der es auch um Musik geht, wie Ihr unschwer erkennen werdet.

Showdown

Ich schnappte mir mein Buch, setzte die große Sonnenbrille und den sombreromäßigen Hut auf, und machte es mir auf der Luftmatratze im Pool bequem. Wenn es mir zu warm wurde, ließ ich die Beine ins Wasser gleiten. Auf einem schwimmenden kleinen Tablett neben mir stand ein Glas mit perfekt gemischtem Gin Tonic. Donny sei Dank.
Nach einem großen Schluck zog ich mir den Hut ins Gesicht, genoss den lauen Wind, der meine Haut streichelte und den schweren Jasminduft.
»Schlampe …«
»Bett …«
Ich blendete die Stimmen aus, tat so, als hätte ich nichts gehört. Eigentlich hätten sie mich in diesem Outfit nicht erkennen sollen und vielleicht sprachen sie ja tatsächlich über jemand anderen. Egal. Ich befand mich in diesem Hotel, um auszuspannen und mich zu amüsieren. Vor dem nächsten Film, einem Western, musste ich reiten lernen, das würde mir genug abverlangen, bevor die Dreharbeiten überhaupt begannen, aber die vier Lieder, die man mich singen ließ, glichen alle Anstrengungen wieder aus.
Eine Amsel sang laut ihre typische Melodie, der Wind ließ die Blätter leise rauschen, die Stimmen verblassten zu einer Hintergrundmelodie. Ich fühlte mich wohl. Die Sonne und der Drink machten mich schläfrig.

Ich weiß nicht, wie lange ich gedöst hatte, als herzzerreißende Gitarrenklänge mich weckten. Ich liebe den Blues, und dieser Gitarrist ließ sein Instrument wirklich weinen. Tränen schossen mir in die Augen. Verlegen blickte ich mich um. Viele Menschen verstehen nicht, warum ich bei schöner Musik weine, aber es war weit und breit niemand zu sehen. Der Pool lag einsam und verlassen in der späten Nachmittagssonne und schien sich zu langweilen. Eine Gänsehaut bedeckte meinen Körper von oben bis unten; an der Temperatur lag es nicht. Der Direktor hatte mir nichts von einem Nachmittags-Konzert berichtet. Sonst hielt er mich auf dem Laufenden. Oder probte hier jemand? Nicht wichtig! Ich musste nachsehen, wer dort spielte. Es war, als zöge mich ein Magnet unwiderstehlich an. Ich paddelte an den Schwimmbadrand, schnappte mein Tuch, wickelte es mir um die Hüften und machte mich auf die Suche. Noch einmal lauschte ich. Inzwischen hatte ein neues Lied begonnen und ich glaubte, schwach eine Stimme zu vernehmen. Ich betrat das Hotel, hier war die Musik lauter. Also befand sich die Band im Haus. Was sang der Typ da? Von einem Schmuggler? Reichlich seltsam, aber nicht weniger schön. Ich stand in der Lobby und versuchte die Quelle der Musik zu orten. Mein Gehör behauptete, sie käme aus dem Keller, mein Verstand weigerte sich, diese Information zu akzeptieren. Ich kannte dieses Hotel gut genug, um zu wissen, dass es im Keller keinen Raum gab, der ausreichend groß für ein Konzert gewesen wäre. Dennoch setzten sich meine Füße in Gang. Der Sog nahm Fahrt auf. Mitten auf der Treppe nach unten hielt ich inne. Da war ein Schrei gewesen. Ein Schrei, der von heftigem Schmerz zeugte. Mist! Was war hier los?
Der Bass wummerte, wie ich ihn am liebsten mochte. Tief und blubbernd, wie der Motor einer großen PS-starken Maschine. Ich vermutete, der Bassist benutzte kein Plektrum, sondern zupfte die Saiten mit den Fingern. Diese Band wurde mir immer sympathischer.
»Aaahhhh! Nein!«
Was sollten diese Schreie? Warum durfte ich die Musik nicht ungetrübt genießen? Wer schrie da überhaupt? Es hatte sich angehört wie eine Frau. Eine Frau, die große Qual litt.
Mein Gott, was ging hier vor? Folterkammer! Nein, nein, wir befanden uns nicht im Mittelalter.
»Oooohhhhh!«
Die Lautstärke dieser gepeinigten Person wurde im gleichen Maße lauter wie die Musik. Was hatte das zu bedeuten? Lauf weg! Hau ab, solange du noch kannst!
Ich legte eine Pause ein. Mein Unterbewusstsein gab mir in der Regel gute Ratschläge, aber hier zollte es der Musik keine Aufmerksamkeit. Ich wollte diese Band sehen!
Scheiß auf die Band und lauf um dein Leben!
Nein, nein, so ging das nicht. Vielleicht konnte ich dieser Person helfen. War es nicht geradezu meine Pflicht, nach dem Rechten zu sehen? Ja, ganz genau. Aber die Angst ließ sich nicht verleugnen. Mein Herz hämmerte wie wild gegen meine Rippen, ich hatte das Gefühl, es wolle mir zum Hals hinaus hüpfen. Meine Nackenhaare stellten sich auf und ich merkte, dass ich entweder die Luft anhielt, um zu lauschen, oder wie eine alte Dampflok puffte. Ich sollte endlich aufhören zu rauchen. Da! Ich war am Ziel. Unter der Tür drang buntes Licht hervor, wie von einer Lichtorgel.
»Aaahrrrgg!«
Mist, die Stimme kam aus demselben Raum wie die Musik. Und nun? Erstaunt blickte ich auf meine Hand, die in Eigenregie beschlossen hatte, die Tür zu öffnen.
Halt! Lass mich nachdenken! – Es war zu spät. Die Tür schwang auf. Ich sah, dass sie innen mit alten Eierkartons isoliert worden war, und fragte mich, ob ich nicht doch den Proberaum einer Band betrat.
Aber es sah nicht aus, als probe hier jemand. Eine Gruppe von Leuten stand im Kreis um etwas herum, das definitiv keine Band war. Sie blickten auf irgendein Objekt hinab. Mit einer Hand vor dem Mund ging ich leise auf Zehenspitzen weiter. Immer wieder versuchte ich, zwischen den Menschen hindurchzublicken, um zu erkennen, worauf sie ihre Aufmerksamkeit richteten. Donny, den Direktor, einige der Gäste, mit denen ich mich angefreundet hatte, und den Nachtportier erkannte ich. Was zur Hölle machten die dort? Die Musik plätscherte nur noch leise im Hintergrund, als wäre sie benutzt worden, um mich herzulocken.
»Aua!«
Ich zuckte zusammen und ließ mich unweigerlich auf meine Fußballen hinab. Es entstand ein leises Geräusch, aber Donny bemerkte es, blickte mich über seine Schulter an.
Ich hätte mich zu gerne in Luft aufgelöst, aber das ging nicht. Nach und nach schauten alle zu mir hinüber, zum Tisch und wieder zu mir. Ich spürte die Röte ins Gesicht steigen, kam mir vor wie ein Einbrecher. Donny winkte mir freundlich zu.
»Komm und schau dir das an«, lud er mich ein.
Am liebsten hätte ich mich umgedreht und wäre davon gerannt, aber meine Füße gehorchten mir nicht. Wie im Traum, wenn man nicht von der Stelle kommt, schlugen sie einen anderen Weg ein als den, den ich vorgab. Ich wollte nicht sehen, was dort geschah, nicht wissen, wer dort lag, wollte nur noch weg. Weit weg!
Aber ich schritt zielstrebig auf die Gruppe zu. Je näher ich kam, desto mehr Platz machten sie mir. Ich erkannte nackte Füße, die nicht besonders groß waren. Wie meine. Gebräunte Haut, die von einem dünnen Tuch bedeckt wurde, das exakt das gleiche Muster aufwies wie das, was ich auf den Hüften trug. Ich schüttelte meinen Kopf. Nein, ich konnte unmöglich dort liegen und hier stehen. Ich war immer noch nur ein Wesen, hatte keinen Zwilling oder Doppelgänger. Blondes Haar ergoss sich in weichen Wellen um den Kopf. Um meinen Kopf! Meine, ihre Augen, starrten an die Decke und schienen nicht wahrzunehmen, was geschah. Hilfe suchend blickte ich die Umstehenden an, hätte zu gerne eine Erklärung für dieses Phänomen gehabt.
Nun erkannte ich Messer in den Händen der Personen. Blut tropfte von jedem einzelnen. Ich musste hier raus! Die Leute waren alle verrückt geworden. Donny grinste mich an, schien bester Dinge zu sein. Wie konnte er mich anlächeln und mir auf der Liege Wunden zufügen? In was für einen Horrortrip war ich hier geraten? Ich schaute auf das Wesen, das mir so ähnlich sah. Über und über war es, war ICH, mit Schnitten bedeckt. Jede einzelne Wunde blutete. Nicht stark, aber es musste höllisch schmerzen.
»Das bist nicht du!«, sagte Donny mit öliger Stimme.

Ich denke, das reicht als Appetitanreger. 😉

5. September 2015

Nebelmelodie

Hier war es in letzter Zeit ganz schön ruhig, deshalb heute schon einmal die Vorabinformation, dass eine weitere Musikanthologie in den Startlöchern steht.
›Nebelmelodie‹ wird von Tedine Sanss und Marie Haberland im p.machinery Verlag herausgegeben.
Tedine Sanss sprach mich vor einigen Monaten an, und fragte mich ob ich Interesse hätte, mich an einer weiteren Anthologie zu beteiligen. Es sollte um die Musik und die Texte von PelleK gehen.
PelleK ist ein norwegischer Sänger, der eigentlich Per Fredrik Åsly heißt, Rockmusik macht und sich dabei einer Bandbreite von vier Oktaven bedient.
Was für eine Frage. Natürlich hatte ich Lust!
Als Tedine erkrankte, bot ich mich an, mehr Arbeit als das Verfassen einer Geschichte zu investieren und so kann ich schon ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern:
Es ist ein sehr interessantes Buch geworden, wie die Liste der Autoren schon vermuten lässt:
Galax Acheronian, Enzo Asui, Gabriele Behrend, Frederic Brake, Arno Endler, Anna Exel, Bettina Ferbus, Andreas Flögel, Marie Haberland, Heather Millicent Hauks, Sven Klöpping, Simone Komosinski, Axel Kruse, Christian Künne, Franziska Meersburg, Susann Obando Amendt, Paul Sanker, Tedine Sanss, Michael Schmidt, Achim Stößer, Arndt Waßmann, Felix Woitkowski und ich natürlich.
Ich bin gespannt welche Reaktionen es auf das Buch geben wird, weil es Geschichten enthält, die leise und tiefsinnig sind und Musik eine wichtige Rolle spielt.

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