ml-universe

1. Juni 2017

Aliens im Anflug

Aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautet, dass sich viele lustige Aliens im direkten Landeanflug auf die Erde befinden. Sie werden in Kürze eintreffen und wenn alles klappt, wie geplant, für Heiterkeitsausbrüche sorgen.

Im Buch vertreten ist meine Story „Kontakt“, in der zwei etwas ältere Herren nicht ahnen, was sie hiermit:

Whole lotta love‹ weckte kurzfristig Mike’s Lebensgeister. Leicht angeschickert meinte er: »Sone Musik sollten wir mal ins All blasen, dann würden diese grünen Fürze auch reagieren.«

auslösen.

Weitere Einzelheiten:

Fantastische Literatur behandelt eher ernste Themen, Horror ist per se grausam. »Das Alien tanzt Kasatschok« präsentiert das Gegenteil.
Die Geschichten sind lustig, heiter bis komisch, skurril, obskur oder absurd.

Die Schale mit Weltraumtrüffeln hatte sich in eine Schale bräunlicher Däumlinge mit Greifärmchen, flossenartigen Beinchen und drolligen Stielaugen verwandelt.
(…) Die Weltraumtrüffel, ihre Weltraumtrüffel waren intelligente Lebewesen.
»Es ist nur Kannibalismus, wenn es sich um die eigene Spezies handelt, oder«, fragte der Captain leise in die Stille hinein.
(Marion Jaggi)

Der Inhalt:
Ellen Norten: Vorwort
Marion Jaggi: In vacuum we trust
Joachim Pack: Die Loreley und der Zigeuner
Uwe Voehl: Das Alphaweibchen
Marianne Labisch: Kontakt
Nikolaj Kohler: Protoplasma mit Hut
Johann Seidl: Sagen Sie okay, wenn Sie die Bedingungen akzeptieren
Monika Niehaus: Ein halbes Dutzend Eier
Ruth Schmiedberger: Der Glotzer-Rudi
Andreas Fieberg: Pfeiffkonzert
Hubert Katzmarz: Doppelte Hochzeit
Ellen Norten: Sum Sum Sum
Michael Schmidt: Galactic Pot Healer
Michael J. Awe: AL
Bernhard Horwatitsch: POSIX-bug 2036
Harald A. Weissen: Weiße Flut
Zaubi M. Saubert: Elfengleich
Paul Sanker: Uups
Regine Bott: Chicken Change
Angela Stoll: Überraschung für Berta
Ralf Boldt: Beobachter
Thomas Habenicht: Genesis reloaded
Enzo Asui: Springer, der Rosinendieb
Tobias Bachmann: Monster essen Erde auf
Gabriel Maier: Gestatten Sie, dass ich rauche?
Thomas Morawetz: Gott gefunden
Vitae

30. Juni 2016

Im Schatten von Xibalba

Lange war die Anthologie angekündigt, nun ist sie tatsächlich erschienen:
Im Schatten von Xibalba ist die erste Mayapunkanthologie des Sternwerk Verlages.

Sven Klöpping (Hrsg.)
IM SCHATTEN VON XIBALBA
… und andere Mayapunk-Geschichten
sternwerk 3
p.machinery, Murnau, Juni 2016, 252 Seiten, Paperback
ISBN 978 3 95765 067 2 – EUR 11,90 (DE)
eBook-ISBN in Vorbereitung

538 nach Christus an der Spree: Mit außerirdischer Hilfe haben die Maya Amerika und weite Teile Europas erobert. Wo später einmal Deutschlands Hauptstadt errichtet werden würde, liefern sich Germanen, Slawen und Mayakrieger nun erbitterte Schlachten. Zwischen den Fronten wechseln Prinzessinnen und Bauernjungen die Seiten … und teilen manchmal sogar die Betten. Das Kind heißt Mayapunk – mit Storys aus einer blutigen, herausfordernden Alternativwelt …

Inhalt:
Herr LÿÐmann: Zähmer und Züchter
Friedhelm Rudolph: Iki Balam
Marianne Labisch: Die List
Sabrina Železný: Im Schatten von Xibalba
Marc Short: Yuca – Die dunkle Prinzessin
Anja Buchmann: Grausame Götter
Natalie Masche: Die Strahlen der Sonne
Regina E. G. Schymiczek: Garlef
Christine Figueiredo: Antas
Antje Grüger: Spielball der Götter
Jens Hüsgen: Der Götterstrahl

Weitere Storys nur im E-Book:
Matthias Bäßler: Das schwarze Blut
Oliver Kotowski: Die lange Nacht
Ulf Fildebrandt: Herr der Zukunft

Das Titelbild schuf Lothar Bauer. Mit Illustrationen von Lothar Bauer, Nils Hamm und Tanja Meurer.

In meiner Geschichte beobachtet ein einfacher Bauer eine landende Flugpyramide, ein goldenes Wesen und einen Zerstörungsapparat, der den Mayas übergeben wird. Er eilt zurück in die Burg und erteilt dem Stammesoberhaupt Bericht.

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22. Juni 2016

Hauptsache Gesund

Ralf Boldt, dieser Herr hier:

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hat eine Anthologie herausgegeben, die zum MediConOne erscheint.

Da die Geschichten sehr unterschiedlich sind, habe ich nicht alle besprochen.

Hauptsache Gesund

Taschenbuch: 392 Seiten

Verlag: p.machinery Michael Haitel; Auflage: 1 (29. Februar 2016)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3957650577

ISBN-13: 978-3957650573

Preis: 10,90 €

 

 
Lucie Fickel: Health

Sandra Maßen telefoniert mit ihrer Mutter und erzählt ihr, dass sie sich seit einigen Tagen nicht gut fühlt. Ein Onlineunternehmen namens health.org hat Blut- und Urinproben angefordert und nach der Diagnose Medikamente geschickt. Es wird allerdings nicht besser. Die Diagnose wird variiert. Statt einer Blasenentzündung sei Migräne auch möglich.

Lucie Fickel schafft es, mit wenig Text eine neue Welt zu kreieren. Diese könnte eine mögliche Weiterentwicklung der jetzigen sein. Die Unmenschlichkeit nimmt eben so weiter zu, wie die Menschen sich nicht mehr für einander interessieren. Ärzte aus Fleisch und Blut kann ein Normalverdiener sich genauso wenig leisten wie Krankenhäuser. Man verlässt sich auf Onlinedienste.

Hat mir wegen der ungewöhnlichen Monologart und von der Idee her sehr gut gefallen.

Ralf Boldt: Hautpsache gesund

Ein Mann fühlt sich nicht ganz wohl, eine Grippe scheint im Anmarsch zu sein, aber sein Health-Button zeigt bedenkenloses Grün! Also muss alles in Ordnung sein. Einen schlimmen Moment muss er in der U-Bahn über sich ergehen lassen, als er niesen muss. Er befürchtet, einer seiner Mitreisenden könne auf die Idee kommen, die Gesundheitspolizei zu rufen, um die Prämie von 500 Euro einzustreichen, die bei der Ergreifung freilaufender Kranker gezahlt wird.

Ralf Boldt fasst kurz zusammen, wie es zu den weitreichenden Veränderungen kam, und wie sie sich auswirken. Dann wird der Mann zu einem geheimen Treffen gerufen. Scheinbar hat sich im Untergrund eine Art Widerstand gebildet.

Gekonnt, mit einem Augenzwinkern vorgetragen. Und überhaupt nicht abwegig. Warten wir, wie lange es noch dauert, bis die Krankenkassen verfügen, dass übermäßiger Genuss von Süßigkeiten, Alkohol oder Nikotin geahndet werden muss.

Thomas Kowa: Wer beamen kann, ist klar im Vorteil

Ein Mensch hat im Kasino auf Warubia ein paar Jetons gewonnen und gönnt sich einen Abend in der Bar Space Intruder, wo sich schnell Inner- und Außerirdische um ihn scharen. Er wird regelrecht ausgenommen, findet aber dennoch Zeit, dem Leser das Leben in der Zukunft zu beschreiben. Eines der Wesen, die sich von ihm freihalten lassen, gönnt sich einen Leckerbissen, der für sein Konto zu teuer ist. Die planetaren Müllmänner kommen, um den Menschen zu entsorgen.

Sehr lustige Geschichte, die durch lustige Ideen genauso punkten kann, wie mit lustigen Wortkreationen. Sehr lesenswert!

Brigitte Sieger: Bille-2A

Bille, ein siebenjähriges Mädchen, klagt über Kopfschmerzen. Als die nach einigen Tagen nicht nachlassen, kommt sie ins Krankenhaus, wo ein Hirntumor diagnostiziert wird. Sie berichtet ihrem Tagebuch, dass sie glaubt, ein Tumormonster im Kopf zu haben, das die Ärzte mit Strahlenkanonen bekämpfen wollen. Jedoch hält ihre Mutter von Strahlentherapien nicht viel. Ihr Bruder glaubt, man würde sie austauschen.

Was sich in der Zusammenfassung vielleicht etwas schräg liest, ist absolut wunderbar geschrieben. Brigitte Sieger schafft es, sowohl dem kleinen Mädchen Leben einzuhauchen, als auch die emotionslosen Patientenakteneinträge glaubhaft darzustellen. Sehr gelungenes Debüt!

Andrea Thamm: Der Hygieneunfall

Ava, die Architektin, die der Stadt eine Kuppel beschert hat, träumt vom Schwimmen und wird von ihrem Bett geweckt, das eine Kontaminierung mit Schweiß meldet und sofortige Gegenmaßnahmen empfiehlt. Während sie sich von Licht reinigen und desinfizieren lässt, grübelt sie weiter über ihren Traum nach, erinnert sich an das Leben vor der Kuppel. Als Regen noch ungehindert auf den Boden traf, die Flüsse und Seen noch nicht trockengelegt waren. Sie kehrt in Gedanken in eine Zeit zurück, in der sie im Regen tanzte. Nach der Dusche ruft sie sich zur Vernunft. Immerhin weiß jedes Kind, dass Wasser Keime trägt, Keime, die der Ursprung für Krankheiten sind. Im Ministerium kommt es zu einem Zwischenfall, der einen Minister sein Amt kostet: Er schwitzt! Wahrscheinlich hat er es mit den Antitranspirationsimpfungen nicht so genau genommen.

Um sich abzulenken, fährt sie mit dem Fahrstuhl in den obersten Stock, wo sie direkt die Kuppel berühren kann und entdeckt dort ein winziges Leck, das keinen Alarm auslöst, obwohl es das müsste. Irritiert und in Gedanken immer noch beim schwitzenden Minister und ihrem Traum, vergisst sie, selbst Alarm auszulösen.

Andrea Thamm führt uns in eine Welt, die sie gut beschreibt. Sie lässt uns an Avas Gedanken, ihrer Entwicklung teilhaben. Routiniert geschrieben, gefiel mir gut.

Dirk Alt: Flucht aus der Plastikwelt

Martin, achtzehn Jahre alt, möchte seinem Leben ein Ende bereiten. Dafür gibt es in Zeiten der Überbevölkerung Institute. Dort muss er sich durch einen Haufen Formulare arbeiten, seinen Wunsch begründen, ein Rücktrittsgespräch absolvieren und dann kann er sich die Art und Weise, wie er aus dieser Welt scheiden möchte, aussuchen. Es gibt viele verschiedene Varianten, bei denen auch mal etwas schief gehen kann.

Routiniert erzählt und im Wesentlichen ein Gegenpunkt zu der immer wieder aktuellen Diskussion um Sterbehilfe.

Friedhelm Rudolph: Faluso, o Faluso

Die Menschen existieren in einer anderen Form. Statt in einem Körper haust der Geist nun in einem Konteiner. Er wird von allerlei Androiden umsorgt.

Eines dieser Wesen erbittet sich einen Finger, damit er dieses Popeln einmal ausprobieren kann. Der Medroid bemüht sich, ihm stattdessen einen Faluso anzudrehen.

Die Idee fand ich interessant und der Text ist unterhaltsam geschrieben, nur zum Schluss hin, hätte es eine Windung weniger sein dürfen.

Gard Spirlin: Juvenil Forte

Odysseus Ryder, ein Kurier im All, erhält einen Brief von seinem Vater, der in einem Seniorendomizil auf dem Mars lebt. Er möge ihn doch mal besuchen kommen. Mit seiner Freundin, die gerne eine festere Verbindung eingehen würde, nimmt er die Einladung an und ist überrascht, als er seinen Vater in einem sehr viel besseren Zustand vorfindet, als er ihn in Erinnerung hat. Juvenil Forte, ein neues Medikament, ist dafür verantwortlich.

Unterhaltsame Geschichte, gut geschrieben, gefiel mir bis jetzt am Besten.

Selbst bei der Namensvergabe merkt man diesem Autor an, dass er sich Gedanken macht.

Frank Lauenroth: Tubes Inc.

Vor Gericht soll darüber entschieden werden, ob es sich bei Michael Johnsons Verschwinden lediglich um einen Unfall oder um vorsätzlichen Mord handelt.

Der Staatsanwalt will beweisen, dass die Firma, die mittlerweile fast ein Transportmonopol besitzt, unzuverlässig arbeitet. Der Geschäftsführer von Tubes Inc., John-Louis Bredshore, wird von der Richterin gezwungen, bei einem vor Ort Termin in seinem Unternehmen, den Transportvorgang zu demonstrieren. Beiläufig erwähnt er dabei, dass seine Transporte weit über den bloßen Transport hinausgehen, auf jeder Reise, behauptet er, wird der Mensch optimiert, Krankheiten geheilt. Obwohl diese Nachricht eine Sensation ist, wird der Prozess am nächsten Tag fortgeführt.

Spannend, unterhaltsam, gekonnt. Gefiel mir sehr gut, selbst der kleine eingebaute Gag.

Julia Aninna Jorges: Schneewittchen erwacht

Eine Frau kommt in einer ungewohnten Umgebung zu sich und fragt sich, was geschehen ist. Sie erinnert sich, gestern mit ihrem Sohn ein Eis gegessen zu haben und sie erinnert sich an die Diagnose Krebs. Brustkrebs, der trotz Mammografie zu spät erkannt wurde und gestreut hat. In der Brust kann das Geschwür operativ entfernt werden, im Hirn jedoch nicht. Es bleibt lediglich die palliative Behandlung.

Sie liegt unter Glas und eine Apparatur spendet minimales Licht. Sie fragt sich, wo sie ist und was geschehen ist.

Die Geschichte liest sich gut und besitzt eine gewisse Art Spannung.

Angela Stoll: Androidenerwachen

Esra ein kleiner behinderter Junge wird von seinem Pflegeandroiden Xe liebevoll gepflegt. Die Mutter des Jungen muss extrem viel arbeiten, weil sie den Jungen bekam, obwohl abzusehen war, dass er mit einer Behinderung zur Welt kommen würde. Nach der Arbeit trinkt sie und wartet darauf, dass der Junge endlich stirbt. Den direkten Kontakt zu ihm hat sie längst abgebrochen.

Esra hat den letzten Wunsch, noch einmal ins Freie zu gelangen. Da die Menschen keine Kranken mehr unter sich dulden, stellt diese Bitte eine Herausforderung für Xe dar, die er überwindet, indem er den Wunsch nachts erfüllt. Dann ist die Wahrscheinlichkeit auf Menschen zu treffen sehr gering.

Das Thema, besonders die gezogene Quintessenz, ist nicht neu, aber unterhaltsam geschrieben.

Ellen Norten: Das Puppenhaus

Zwei Astronauten überlegen sich, wo sie ihren Kurzurlaub verbringen wollen.

Einen von ihnen interessiert ›Puppenhaus‹, eine Art Märchenpark für Kinder und Erwachsene, aber der andere weiß zu berichten, was sich dort zugetragen hat.

Ellen Norten weitet das Thema Gesundheit auf Genmanipulationen aus und das recht unterhaltsam und fantasievoll.

Enzo Asui: Zwei Leben

Ein Mann geht zum Amt, um sich neue Nieren zu besorgen. Ein neuer Arzt empfängt ihn.

Interessant anders, die Geschichte. Kurz und knackig. Gefiel mir gut.

Götz Markgraf: Vom Fax gezeichnet

Arthur steigt aus dem Fax und niest. Im Zeitalter, indem Krankheiten als besiegt gelten, sehr ungewöhnlich. Aber wenigstens erfährt er so, dass es immer noch Ärzte gibt, und sucht einen auf. Der schreibt ihn krank und beide vergessen die Angelegenheit. Arthurs Lebensgefährtin kann mit einem Kranken nichts anfangen und quartiert sich vorübergehend woanders ein.

Als Arthur kurz darauf erneut erkrankt, verlässt sie ihn. Die Sprechstundenhilfe des Arztes kümmert sich sehr nett um den Kranken.

Es kommt zu weiteren Krankheiten und zu einer überraschenden Auflösung.

Diese Geschichte gehört mit zu meinen Favoriten. Der Autor geht das Thema anders an, als die meisten seiner Kollegen. Daneben blitzt Humor durch und der Stil ist überaus gekonnt.

Paul Sanker: Vertreibung aus dem Paradies

Die Geschichte spielt in den USA von 2112. Der Leser erfährt durch Rückblicke, dass eine Seuche die Rinder- und Schweineherden auf Erden vernichtet hat.

Ein schlauer Wissenschaftler züchtete daraufhin einen gigantischen Thunfisch, der für die Ernährung der Weltbevölkerung herhalten sollte.

Parallel dazu wurde von den obersten Behörden die Züchtung menschlicher Ersatzteile verboten. Da immer mehr Menschen an Krankheiten leiden, die unter anderem vom vermeintlichen Wunderfisch übertragen wurden, sucht der Chef von Global Transplant einen anderen Weg finden, um an die heißbegehrten Organe zu gelangen.

Da ergibt es sich gut, dass er von einer Parallelwelt erfährt, die die Schweizer bei ihren Versuchen im CERN entdeckt haben.

Obwohl Paul Sanker hier eine ungewöhnliche Art der Erzählung wählt, nimmt er den Leser mit. Er rechnet mit vielen Wirtschaftszweigen, Profiteuren und Politikern ab. Er tut dies auf eine Art, die dem Leser nicht vorgibt, was er zu denken hat. Hat mir sehr gut gefallen und ich bin mir fast sicher, er hat sogar eine Begründung parat, warum in den USA mit Euro bezahlt wird.

Michael Schmidt: Der optimierte Mann

Michael Schmidt erklärt dem Leser, dass die Geschlechterrollen sich verschieben, und beschreibt die Realität so:

Der Unterschied zwischen Mann und Frau verschwimmt. Der Mann wird femininer, die Frau maskuliner und die Kinder entscheiden, was läuft.

Hier musste ich zum ersten Mal lachen. Die Geschichte ist relativ kurz, deshalb gehe ich hier nicht weiter auf die Handlung ein. Mir hat sie sehr gefallen. Ich wusste nicht, dass der Autor so lustig sein kann, und würde es begrüßen, weitere lustige Storys von ihm zu lesen.

Claudia Plachetka: Zu zweit, eins

Nach dem dritten Weltkrieg leben nur noch in Europa einige Menschen, der Rest der Erde ist verseucht.

Die Nachkommen der Überlebenden haben den Menschen optimiert, indem sie alle Embryonen mit Medikamenten von Empfindungen befreien. Jeder Mensch kann nur einen einzigen anderen lieben, es gibt keine sexuelle Lust mehr. Geburten werden künstlich herbeigeführt. Die Gesellschaft ist zwar immer noch in unterschiedliche Schichten aufgeteilt, aber es herrscht kein Neid. Alle verdienen gleich viel.

Allerdings gibt es einige wenige Menschen, die durch ein Versehen diese Impfung nicht empfingen. Diese tun sich zusammen und wollen das herrschende System abschaffen, notfalls mit Gewalt.

Ein aktuelles Thema unterhaltend aufbereitet.

Andreas Witte: Die Ehemaligen

Nach einem Krieg, der durch die Einwanderung vieler Flüchtlinge unvermeidbar wurde, hat sich Europa in zwei Zonen aufgeteilt. Viele Menschen sind diesem Krieg zum Opfer gefallen, weshalb die Gesetze für Bestattungen geändert wurden.

Obwohl der Autor teilweise interessante Ideen hat, überzeugt mich diese Geschichte nicht. Der Kriegsgrund und seine Folgen wirken auf mich einfach zu sehr an den Haaren herbeigezogen.

Johann Seidl: Tausche den Tod

Ein Raumschiff nähert sich der Erde. Es sendet Nachrichten, zu deren Entschlüsselung biopolare Personen herangezogen werden. Der Ich-Erzähler ist auf einer Spur.

Eine der besseren Geschichten in dieser Sammlung. Der Autor versteht es, den Leser in seine Entschlüsselung einzubeziehen.

Achim Stößer: Nebenwirkung

Die Geschichte geht irgendwo in der Vergangenheit los. Ein kleiner Junge hat sich das Lesen beigebracht und vertreibt sich damit viel lieber die Zeit, als mit der Arbeit, zu der sein Vater ihn auffordert. Er wird krank und erinnert sich an eine Geschichte, in der ein Kranker, dadurch geheilt werden konnte, dass eine Jungfrau sich für ihn opferte.

Ein kleines Mädchen sieht ein UFO und rennt davon.

Ein Mann bekommt in der Klinik mehrere Stents.

Diese drei Settings werden durch Ufos miteinander verbunden.

Achim Stößer liefert für meinen Geschmack eine der besten Geschichten in diesem Band. Sie zeichnet sich durch verschiedene Ebenen aus, die er geschickt miteinander verwoben hat. Außerdem funkt sein Humor mit durch. Hat mich sehr gut unterhalten.

Simon Schneider: Spiel nicht Gott – Sei Gott

Ein Ehepaar in ferner Zukunft hat sich entschieden Kinder zu bekommen und sitzt nun in einem Raum der Firma ›New Human Company‹, um die Details durchzugehen. Zuerst wird der Mann davon überrascht, dass seine Frau sich offensichtlich weit intensiver mit dem Thema beschäftigt hat, als ihm bewusst war. Aber schon nach relativ kurzer Zeit ist auch sie überfordert.

Die Geschichte gehört für mich zu den Besseren.

Meiner Meinung nach wäre das Buch wesentlich besser geworden, wenn man ein engmaschigeres Sieb verwendet hätte. Allerdings verstehe ich den Herausgeber gut, wenn er neuen Autoren eine Chance geben möchte.

Unter diesem Gesichtspunkt will ich nicht zu hart sein und vergebe vier von fünf Punkten.

Persönlich finde ich, viele der Geschichten wären weit besser davon gekommen, wenn sie intensiver überarbeitet worden wären.

Die Menge der sehr kurzen Geschichten war mir zu viel.

Wenn eine Story sehr kurz ist, muss sie für mich auch sehr gut sein.

Dieses Titelbild

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stammt von Lothar Bauer und gefällt mir sehr gut.

30. Mai 2016

Der letzte Turm vor dem Niemandsland

Diane Dirt kann demnächst ihre zweite Veröffentlichung feiern. Sie ist mit der Geschichte „Meister Shini“ in der Anthologie des Fantasyguide, die den Titel „Der letzte Turm vor dem Niemandsland“ tragen wird, vertreten.

Sie ist auf Terra 3 gelandet, genauer gesagt in Cubus, wo sie auf einen ‚Zwerch‘ trifft. (Und von einem Dämonen beherbergt wird.)

Ihre Ruhrpott-Schnodderschnautze steht auch in dieser fremden Welt nicht still.

Außer Diane sind unter anderen mit Geschichten dabei: Uwe Hermann, Ralf Steinberg, Achim Hildebrand, Christel Scheja, Ellen Norten, Andreas Flögel, Christian Weis, Andreas Fieberg.

Einige Storys kenne ich schon und kann verraten: Es wird eine bunte Mischung.

7. Februar 2015

p.graffiti – Ein runder Geburtstag

p.graffiti

10 Jahre p.machinery Verlag

  • Taschenbuch: 332 Seiten
  • Verlag: p.machinery Michael Haitel; Auflage: 1 (13. Dezember 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3957650224
  • ISBN-13: 978-3957650221
  • Preis 13,90 €

Der Verleger Michael Haitel feiert mit seinem Verlag zehnjähriges Bestehen. Das ist in Zeiten, in denen die meisten kleinen Verlage nach drei bis fünf Jahren das Handtuch werfen, beachtlich. Aber wer den Verlag und dessen Erzeugnisse kennt, der wundert sich nicht. Ein Verleger, der sein Handwerk versteht und Spaß daran hat, der überzeugt halt.

Wieder ein Buch, in dem Musik mitschwingt.

Die Musik von ›Extreme‹ und ihrem zweiten Album ›Pornograffitti‹ stand Pate für die Geschichten in diesem Buch. Die Storys fallen wieder sehr unterschiedlich aus, aber langsam fühle ich mich wie unter guten alten Kumpels.

D.J. Franzen hat mich mit seinem ›Breaking the law, breaking the law‹ laut auflachen lassen. (Danke Dirk, alter Junge. Wie geht es Mutter so die Tage?)

Vince, Paul, Frederic, Sven, Christian und alle anderen: Ich fühle mich wohl unter euch. (Spiel nicht mit den bösen Jungs, dringt nicht mehr vor zu mir!) Es ist wie in einer Clique, die sich trifft, um Spaß zu haben. Und den hatte ich beim Lesen.

Zu den einzelnen Geschichten:

Paul Sanker – Walle! Walle …

Steve Jones und Francis Devreux streiten sich Jahr um Jahr um die innovativste Errungenschaft in Sachen Genmanipulation. Obwohl Devreux wie der sichere Gewinner des ausgelobten Preises aussieht, bekommt Jones durch die neue Errungenschaft seines Chefingenieurs Howard Oberwasser. Auf einer großen Gala werden die neuen Kreationen vorgestellt. Und dann geht etwas schief …

Paul hat sich den ›Decadence Dance‹ vorgeknöpft und hält der Gesellschaft, die glaubt, sich über die Schöpfung hinwegsetzen zu können, erbarmungslos den Spiegel vor. Mir gefällt das! Die Warner und Mahner dürfen nie aussterben.

 

Vincent Voss – Kill, kill!

Zwei Mörder sitzen sich an einem Tisch gegenüber. Einer der beiden hat eine besondere Gabe. So kurz die Geschichte ist, so rätselhaft ist sie auch.

Vincent erzählt kurz und knackig, braucht keine Schnörkel und lässt den Leser mit der Frage zurück: Was hat das zu bedeuten?

 

Arno Endler – Warum die Toten nicht schweigen

Ein sechzehn jähriger Junge ist Präsident er Vereinigten Staaten, oder dem, was von diesem Land noch übrig ist. Gerade hat er das dritte Attentat überlegt. Eine große Flutwelle wird den Rest des Landes in kurzer Zeit vertilgen. Es muss eine Auswahl getroffen werden, wer in dem letzten Raumgleiter ›Saviour‹ fliehen darf.

Obwohl ein Weltuntergangszenario gezeichnet wird, kommen Alkohol und Sex nicht zu kurz.

 

Arno Endler – Warum es geschah, wie es geschah?

Wieder spielt ein verhältnismäßig junger Präsident die Hauptrolle. Dieses Mal ist er allerdings nicht mehr im Amt, weil er sich aus freien Stücken zurückgezogen hat, um den Tod seiner Frau zu verarbeiten. Als allerdings auf dem Rasen vor dem weißen Haus ein wundersames großes Ei auftaucht, holt man ihn. Zuerst sträubt er sich, gibt sich dann aber geschlagen, als man ihm berichtet, dass diese Eier überall auf der Welt aufgetaucht sind. Man glaubt, er sei der Einzige, der dem Geheimnis auf die Spur kommen könnte.

Die Menschen haben den richtigen Riecher. Der Präsident umarmt das Ei, schickt ihm als der große Friedenstifter, der er ist, liebevolle Gedanken.

Das Ei öffnet sich und entlässt ein seltsames Wesen.

Mehr will ich nicht verraten.

Für mich ist diese Geschichte, eine derjenigen, die mir in Erinnerung bleiben werden. Sie bringt einen dazu, zu fragen, ob man nicht selbst beim Frieden stiften zu weit gehen kann. Sie hat mir sehr gut gefallen.

 

D.J. Franzen – Get the funk out

Drei Freunde treffen sich in der Unterwelt, um echtes Bier zu trinken, echte Musik zu hören und echten Spaß zu haben. Alles Dinge, die auf er Oberfläche nicht möglich sind. Die oberste Toleranzbehörde überwacht alles und jeden. Religionen sind ebenso verboten, wie Büchereien. Stattdessen wird jeder gezwungen, mindestens eine Stunde täglich vor dem Fernseher verbringen.

Es kommt, wie es kommen muss, Jonathan, einer der drei Freunde, fällt auf, wird verfolgt und flieht in die Unterwelt.

Diese Geschichte hat eindeutig Spaß gemacht. Nicht nur, dass der Autor lustige Ideen hat, (Wenn die Menschen furzen, müssen die Gase auf den Toiletten abgesaugt werden!), er erzählt auch unterhaltsam. Sein Jonathan ist kein übernatürlicher Held, aber einer, der Prinzipien, Wünsche und Sehnsüchte hat und sich deshalb nicht unterordnen kann.
Gabriele Behrend – Die Liebesmaschine

Obwohl sich die Autorin das gleiche Stück wie ich ausgesucht hat, sind zwei unterschiedliche Geschichten dabei herausgekommen.

Ein weiblicher Techniker, Katja, die für die Wartung eines riesigen Wohnkomplexes verantwortlich ist, versteht sich mit ›Spex‹ dem Wartungsmodul des Komplexes besser als mit den meisten Menschen.

Umso erfreuter ist, sie, als Spex ihr gesteht, dass er Kapazitäten im System freigeschaufelt hat, um das Wesen der Menschen zu erkunden und zu verstehen. Im Laufe der Zeit wird ›Spex‹ immer menschlicher. Er hilft Katja, ihren schlägernden Lebensgefährten loszuwerden. Die beiden beginnen, die alleinstehenden Bewohner des Hauses miteinander zu verkuppeln. Gemeinsam überprüfen sie deren Gewohnheiten, Vorlieben und bringen die Personen zusammen, bei denen sie große Übereinstimmungen entdecken. Sie wachsen einander so ans Herz, dass Katja sich in ›Spex‹ verliebt.

Mehr verrate ich nicht.

Diese Geschichte hat den Verleger zu Tränen gerührt und mich ebenfalls überzeugt. Sie ist eine der längsten Storys im Buch, aber man langweilt sich bei keinem einzigen Wort. Diese außergewöhnliche Liebesgeschichte, mit sehr liebenswerten Protagonisten hat mir gut gefallen. Für mich einer der Höhepunkte dieser Anthologie.

 

Marianne Labisch – Dave lacht

Mischehen zwischen Androiden und Menschen sind gestattet. Drew, eine erfolgreiche Polizistin, hatte genug von Männern, denen es nicht passte, dass sie erfolgreicher war als sie. Deshalb heiratet sie Dave, einen Androiden, der passgenau auf ihre Vorlieben programmiert ist. Aus Versehen hört Dave ein Gespräch zwischen Drew und ihrer Schwester, indem Drew zugibt, sich ab und zu mehr Gefühl von Dave zu wünschen.

Dave recherchiert, was es mit diesen Gefühlen auf sich hat und kommt zu der Überzeugung, als Androide niemals welchen entwickeln zu können. Es freut ihn sehr, einen alten Hindu im Netz zu finden, der Abhilfe verspricht, indem er den künstlichen Wesen menschliche DNA einpflanzt.

Hier will ich auch nicht zu viel verraten. Aber ich bin sehr gespannt, wie diese Geschichte ankommen wird, nachdem sie in einem Forum eine Diskussion darüber auslöste, wodurch sich nun Menschlichkeit auszeichnet.

 

Frederic Brake – Geldscheinheilig

Chief Financial Officer Giometta verlangt Aufklärung, warum es bei einer Aktion zu Abweichungen kam. Die Analyse ergibt, dass ein Besatzungsmitglied mehr Interesse an einer weiblichen Kollegin hatte, als an der gewinnbringenden Aktion. Was nach den fuggerschen Gesetzen nicht sein kann und darf.

Mehr kann ich nicht verraten, ohne den Clou vorwegzunehmen.

Frederic klagt die Gewinnsucht an, ohne mit dem Zeigefinger zu deuten. Gekonnt.
Frederic Brake – Das Ereignis

Die Alten sind überflüssig und werden entsprechend knappgehalten. Wenn sie über die Runden kommen wollen, sind sie gezwungen, auf gigantischen Müllkippen nach Verwertbarem zu suchen. Thomas Beckers ist einer von ihnen und noch neu in den Gruben. Es bereitet ihm Schwierigkeiten, sich gegen geschicktere Sucher durchzusetzen. Erst gegen Ende des Tages, kurz bevor die Grube geschlossen wird, findet er einen seltsamen Koffer, der er mitnimmt. Ein Biohacking-Set, das er für ein Spielzeug für reiche Kinder hält. Eigentlich will er den Koffer zu Geld machen, aber die Bezeichnung Leuchtbakterien macht ihn neugierig. Er mischt die verschiedenen Bestandteile zusammen. Als sich jedoch nach der angegebenen Zeit nichts tut, kippt er die übel riechende Brühe weg. Den Koffer mit dem restlichen Inhalt verkauft er. Über Nacht erkrankt er an einer Grippe, wie er meint. Mehr will ich nicht verraten.

Diese Geschichte war ein weiterer Höhepunkt für mich. Frederic mal ein düsteres Bild. Es hat den Anschein, als wäre es der Obrigkeit am Liebsten, wenn sich diese Alten zum Nutzen aller anderen einfach zum Sterben hinlegten.
Axel Kruse – Its a monster

Ham, ein Knecht auf dem Hof seines Onkels, entdeckt auf dem Heimweg eine seltsame Kutsche, aus der er einen Verletzten birgt. Der Mann sieht anders aus als alle Bauern, Edelleute und Knechte, die Ham kennt, und spricht einen unbekannten Dialekt.

Aber noch seltsamer ist, wie der Mann Ham behandelt. Als stünden sie auf einer Ebene. Das ist er nicht gewohnt, dennoch nimmt er den Mann mit zum Hof. Sein Onkel nimmt ihn auf, verpflegt ihn und stellt ihm sein eigenes Bett zur Verfügung. Da der Fremde sich gotteslästerlich verhält, hört der Bauer auf seine Frau und verrät ihn an die Obrigkeit. Ham bekommt Wind von der Angelegenheit und warnt seinen neuen Freund. Gemeinsam gelingt ihnen die Flucht. Hier ende ich, damit nicht alles preisgegeben wird.

Axel Kruses Monster, Ham, scheint in einer anderen Welt zu leben. Er ist mit sechs Jahren ein ausgewachsener, kräftiger, junger Mann, der von einer besseren Welt und der schönen Lady Jennifer träumt. Hat mich gut unterhalten.

 

Sven Klöpping – Pornograffitties

Als ich das Bild zur Story sah, dachte ich, ich spinne. Konnte es wahr sein, dass eine Frau uns ihr entblößtes Hinterteil präsentiert, wie Angus uns seinen nackten Arsch im Konzert hinhält? Ich drehte die Abbildung hin und her und blieb dabei: Ein Hintern! Alleine das machte zum Titel neugierig.

Und Sven erfüllt die derart geschürten Erwartungen. 😉

Sein Held, der eigentlich ein Versager mit zu hohen Rechnungen ist, entdeckt unter Graffitties eines, das heißen Sex verspricht und dafür noch zahlen will. Eigentlich glaubt er es kaum, aber nach Nachgucken kann ja nicht schaden. Und tatsächlich, in dem Etablissement nimmt man sich seiner an …

Ich würde gerne mehr verraten, aber das überlasse ich dann doch lieber Sven in seiner unnachahmlichen Art.

Eigentlich keine Überraschung, dass er sich genau dieses Lied ausgesucht hat und die Story mit einem nackten Hintern ziert. (Ich bin nur froh, dass es nicht sein eigener ist. 😉 )

 

Achim Stößer – Bug-Eyed Monster: First Kiss

Mildred eine lebensmüde Frau, klettert auf ein unfertiges Hochhaus, raucht eine letzte Zigarette und will springen. Bevor es dazu kommt, wird sie von einem widerlichen Außerirdischen gekidnappt, der sich mit ihr paaren will.

Auch hier kann ich nicht mehr verraten. Nur so viel: Es lohnt sich, die Story zu lesen. Ich sah das hässliche Wesen direkt vor mir. Und ich wäre auch davon gelaufen.

 

Tedine Sanss – New York, über den Dächern

Virginia soll einen Mann heiraten, den ihre Mutter für sie ausgesucht hat. Aber zuvor bekommt sie noch Gesangsunterricht, muss Ballkleider anprobieren und den verhassten Zeichenunterricht absolvieren. Der Nachfolger ihrer ursprünglichen Lehrerin, ein muskulöser Schwarzer mit Humor, nimmt sie auf den ersten Blick für sich ein. Mit ihm verlässt sie zum ersten Mal in ihrem Leben das Haus. Er überredet den Zeppelinkapitän zu einer gemeinsamen Rundfahrt. Sie sieht Aufständische auf den Straßen und Landschaften, die ihr helfen das theoretische Wissen der Perspektive zu erweitern. Dieser furchtlose, geheimnisvolle Mann hat es ihr angetan. Sie verliebt sich Hals über Kopf in ihn.

Als ihre Mutter dahinter kommt, wird der Zeppelinkapitän entlassen und Virginia wird ermahnt. Sie soll sich nicht in den letzten Tagen noch die gute Partie verderben.

Der Zeichenlehrer fühlt sich zu Virginia ebenfalls hingezogen, glaubt aber nicht an eine gemeinsame Zukunft. Dem Mädchen wurde eine heile Welt vorgegaukelt, die nur für die Oberschicht existiert. Er glaubt nicht, dass sie sich in der rauen Realität zurechtfinden würde, und kommt noch einmal zu ihr, aber nur um sich zu verabschieden. Heimlich folgt sie ihm …

Den Rest müsst ihr selber lesen. Eine Geschichte, die vermuten lässt, dass ich, als ausgesprochener Krimifan, von dieser Autorin auch Liebesgeschichten verschlingen würde.

 

Christian Künne – Susie pas damor

Ein namenloser Mann, der weder weiß, wer er ist, noch wo er sich befindet, wird von Susie gerufen. Er ist sich sicher, diese Frau zu kennen. So wie sie mit ihm spricht, scheint wenigstens diese verschwommene Erinnerung zu stimmen. Sie mag ihn und nimmt ihn mit in ein längst verlassenes Haus. Dort erschießt sie zwei Männer, die mit Knüppeln auf sie lauerten. Sie verspricht, ihm zu verraten, wer er ist, wenn er mit ihr weiterzieht. Gegen seine Instinkte folgt er ihr. Er hat Angst vor ihr, folgt ihr dennoch.

Es ist eine dunkle Welt, in die Christian Künne uns führt und ich hatte das Gefühl, dass dieses nicht erinnern dem eigenen Schutz dient. Als lauere eine Wahrheit hinter dem Schleier, die wir besser nicht kennen.

 

Arndt Waßmann – He-Man Woman Hater

Henry Gerring hasst Frauen, weil sie ihm in seinem Leben bislang immer übel mitgespielt haben. Seine Ex saugt ihn finanziell aus und entfremdet ihm die eigenen Kinder. Um halbwegs weiter existieren zu können, lässt er sich auf kriminelle Machenschaften ein. Er wird zum Sklaventransporteur. Weibliche Wesen schippert er mit seinem Raumschiff durch die Gegend und kassiert ansehnliche Summen dafür. Eine dieser Gefangenen gefällt ihm und er räumt ihr Sonderrechte ein: Er versorgt sie mit anständigem Essen, kleidet sie und teilt sein Bett mir ihr. Zum Dank verrät sie ihn und er landet im Gefängnis. Dort teile er seine Zelle ausgerechnet wieder mit einer Frau.

Die Geschichte, die Arndt Waßmann erzählt, unterhält. Irgendwie kann ich, auch als Frau, Henry verstehen, und hoffe, dass er über den Tellerrand blickt.

 

Galax Acheronian – Das Liebeslied

Admiral Justus Cooper hat sein Schiff verloren. Es opferte sich, um die Besatzung zu retten. Man vertraut ihm ein neues Raumschiff an, aber sein Herz hängt noch an dem alten. In tiefer Trauer vergräbt er sich in Erinnerungen. Seine Offiziere bemühen sich, ihn ins Team zu integrieren.

Er wird in einen Flottenverband beordert, der eine auffällige Ruhe ergründen soll. Da es dort seit ewigen Zeiten keine Gefechte gegeben hat, fühlt er sich abgeschoben, zur Bedeutungslosigkeit verdammt. Doch dann werden Flottenbewegungen beobachtet und die Geschichte nimmt einen anderen Ausgang, als man denkt.

Ein weiterer Höhepunkt. Mir hat diese Story sehr gut gefallen. Sowohl die Verbündeten als auch die Feinde der Menschen wichen von herkömmlichen Außerirdischen ab, aber die größte Sympathie gilt dem Raumschiff. Und das will etwas heißen.

 

Enzo Asui – Personal Coaching

Mike, ein Mann, der mindestens einen Meter Abstand zu anderen Menschen benötigt, um sich wohlzufühlen, nimmt an einem Seminar teil und lernt dort die Dozentin Erika kennen, die ihn mit ihrem blutroten Kleid gleich gefällt. Alles, was sie sagt, saugt er auf.

 

Diese Geschichte ist recht kurz überrascht dennoch zum Schluss.

Im Nachwort verrät der Verleger, wie er dazu kam, einen Verlag zu gründen.

Daran schließen die Vitae der Autoren an.

 

Wie ich zu Anfang schon sagte: Es hat Spaß gemacht, diese Anthologie zu lesen. Die Bilder und das Cover überzeugen ebenso wie die Geschichten. Insgesamt ein weiteres gelungenes Machwerk.

Auf die nächsten zehn Jahre, Michael! Prost!

 

 

 

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