ml-universe

29. Juli 2017

Inspiration

Die Bilder von Andreas Schwietzke, die ihr hier ansehen könnt:

http://www.deviantart.com/newest/?q=arteandreas

erzählen Geschichten. Das brachte mich auf die Idee, einige Autoren zu fragen, ob sie Lust hätten, sich von diesen Bildern zu eigenen Geschichten inspirieren zu lassen.

Ich startete eine Rundfrage und bekam durchweg positive Resonanz. ‚Mein‘ Verleger Michael Haitel mit seinem p.machinery Verlag hat ja immer ein offenes Ohr für meine Ideen und sagte sofort zu, das Ergebnis dieser Aktion als Bildband zu veröffentlichen. Die Autoren suchten sich Bilder aus dem reichhaltigen Repertoire aus und verfassten Geschichten dazu. Das Ergebnis ist teils überraschend, teils lustig und alle Storys sind interessant. Ich habe völlig unbekannte Talente mit alt bekannten Größen zusammengetan und es nicht bereut.

Die Daten für das Buch sind inzwischen beim Verlag und warten auf Layout und Veröffentlichung.

Aber das war noch nicht alles. Denn mich interessierte außerdem noch die Entstehungsgeschichte zum jeweiligen Bild und was der Maler von den Geschichten hielt. Also fragte ich Michael Haitel, was er von einem ‚Buch zum Buch‘ hielte und er gab mir erneut grünes Licht. Danke Michael!

Das Ergebnis wird den Titel ‚Dialog‘ tragen. Darin sind die Autoren in alphabetischer Reihenfolge jeweils mit dem ausgesuchten Bild aufgelistet. Ich befrage Andreas zuerst, wie das Bild entstanden ist und dann sprechen wir darüber, wie er seine Inspiration in den Geschichten umgesetzt sieht.

Ich fand es sehr interessant mit ihm zu plaudern und mehr darüber zu erfahren, wie er arbeitet, zu seinen Ideen kommt und sie dann umsetzt.

‚Inspiration‘ wird auch ohne ‚Dialog‘ verstanden, aber das Interview stellt eine gute Ergänzung zur Anthologie dar.

Sobald die Bücher erschienen sind, werde ich Bescheid geben und freue mich dann über jede Resonanz.

 

 

 

1. Juni 2017

Aliens im Anflug

Aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautet, dass sich viele lustige Aliens im direkten Landeanflug auf die Erde befinden. Sie werden in Kürze eintreffen und wenn alles klappt, wie geplant, für Heiterkeitsausbrüche sorgen.

Im Buch vertreten ist meine Story „Kontakt“, in der zwei etwas ältere Herren nicht ahnen, was sie hiermit:

Whole lotta love‹ weckte kurzfristig Mike’s Lebensgeister. Leicht angeschickert meinte er: »Sone Musik sollten wir mal ins All blasen, dann würden diese grünen Fürze auch reagieren.«

auslösen.

Weitere Einzelheiten:

Fantastische Literatur behandelt eher ernste Themen, Horror ist per se grausam. »Das Alien tanzt Kasatschok« präsentiert das Gegenteil.
Die Geschichten sind lustig, heiter bis komisch, skurril, obskur oder absurd.

Die Schale mit Weltraumtrüffeln hatte sich in eine Schale bräunlicher Däumlinge mit Greifärmchen, flossenartigen Beinchen und drolligen Stielaugen verwandelt.
(…) Die Weltraumtrüffel, ihre Weltraumtrüffel waren intelligente Lebewesen.
»Es ist nur Kannibalismus, wenn es sich um die eigene Spezies handelt, oder«, fragte der Captain leise in die Stille hinein.
(Marion Jaggi)

Der Inhalt:
Ellen Norten: Vorwort
Marion Jaggi: In vacuum we trust
Joachim Pack: Die Loreley und der Zigeuner
Uwe Voehl: Das Alphaweibchen
Marianne Labisch: Kontakt
Nikolaj Kohler: Protoplasma mit Hut
Johann Seidl: Sagen Sie okay, wenn Sie die Bedingungen akzeptieren
Monika Niehaus: Ein halbes Dutzend Eier
Ruth Schmiedberger: Der Glotzer-Rudi
Andreas Fieberg: Pfeiffkonzert
Hubert Katzmarz: Doppelte Hochzeit
Ellen Norten: Sum Sum Sum
Michael Schmidt: Galactic Pot Healer
Michael J. Awe: AL
Bernhard Horwatitsch: POSIX-bug 2036
Harald A. Weissen: Weiße Flut
Zaubi M. Saubert: Elfengleich
Paul Sanker: Uups
Regine Bott: Chicken Change
Angela Stoll: Überraschung für Berta
Ralf Boldt: Beobachter
Thomas Habenicht: Genesis reloaded
Enzo Asui: Springer, der Rosinendieb
Tobias Bachmann: Monster essen Erde auf
Gabriel Maier: Gestatten Sie, dass ich rauche?
Thomas Morawetz: Gott gefunden
Vitae

22. Juni 2016

Hauptsache Gesund

Ralf Boldt, dieser Herr hier:

ralf 2012 sw

hat eine Anthologie herausgegeben, die zum MediConOne erscheint.

Da die Geschichten sehr unterschiedlich sind, habe ich nicht alle besprochen.

Hauptsache Gesund

Taschenbuch: 392 Seiten

Verlag: p.machinery Michael Haitel; Auflage: 1 (29. Februar 2016)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3957650577

ISBN-13: 978-3957650573

Preis: 10,90 €

 

 
Lucie Fickel: Health

Sandra Maßen telefoniert mit ihrer Mutter und erzählt ihr, dass sie sich seit einigen Tagen nicht gut fühlt. Ein Onlineunternehmen namens health.org hat Blut- und Urinproben angefordert und nach der Diagnose Medikamente geschickt. Es wird allerdings nicht besser. Die Diagnose wird variiert. Statt einer Blasenentzündung sei Migräne auch möglich.

Lucie Fickel schafft es, mit wenig Text eine neue Welt zu kreieren. Diese könnte eine mögliche Weiterentwicklung der jetzigen sein. Die Unmenschlichkeit nimmt eben so weiter zu, wie die Menschen sich nicht mehr für einander interessieren. Ärzte aus Fleisch und Blut kann ein Normalverdiener sich genauso wenig leisten wie Krankenhäuser. Man verlässt sich auf Onlinedienste.

Hat mir wegen der ungewöhnlichen Monologart und von der Idee her sehr gut gefallen.

Ralf Boldt: Hautpsache gesund

Ein Mann fühlt sich nicht ganz wohl, eine Grippe scheint im Anmarsch zu sein, aber sein Health-Button zeigt bedenkenloses Grün! Also muss alles in Ordnung sein. Einen schlimmen Moment muss er in der U-Bahn über sich ergehen lassen, als er niesen muss. Er befürchtet, einer seiner Mitreisenden könne auf die Idee kommen, die Gesundheitspolizei zu rufen, um die Prämie von 500 Euro einzustreichen, die bei der Ergreifung freilaufender Kranker gezahlt wird.

Ralf Boldt fasst kurz zusammen, wie es zu den weitreichenden Veränderungen kam, und wie sie sich auswirken. Dann wird der Mann zu einem geheimen Treffen gerufen. Scheinbar hat sich im Untergrund eine Art Widerstand gebildet.

Gekonnt, mit einem Augenzwinkern vorgetragen. Und überhaupt nicht abwegig. Warten wir, wie lange es noch dauert, bis die Krankenkassen verfügen, dass übermäßiger Genuss von Süßigkeiten, Alkohol oder Nikotin geahndet werden muss.

Thomas Kowa: Wer beamen kann, ist klar im Vorteil

Ein Mensch hat im Kasino auf Warubia ein paar Jetons gewonnen und gönnt sich einen Abend in der Bar Space Intruder, wo sich schnell Inner- und Außerirdische um ihn scharen. Er wird regelrecht ausgenommen, findet aber dennoch Zeit, dem Leser das Leben in der Zukunft zu beschreiben. Eines der Wesen, die sich von ihm freihalten lassen, gönnt sich einen Leckerbissen, der für sein Konto zu teuer ist. Die planetaren Müllmänner kommen, um den Menschen zu entsorgen.

Sehr lustige Geschichte, die durch lustige Ideen genauso punkten kann, wie mit lustigen Wortkreationen. Sehr lesenswert!

Brigitte Sieger: Bille-2A

Bille, ein siebenjähriges Mädchen, klagt über Kopfschmerzen. Als die nach einigen Tagen nicht nachlassen, kommt sie ins Krankenhaus, wo ein Hirntumor diagnostiziert wird. Sie berichtet ihrem Tagebuch, dass sie glaubt, ein Tumormonster im Kopf zu haben, das die Ärzte mit Strahlenkanonen bekämpfen wollen. Jedoch hält ihre Mutter von Strahlentherapien nicht viel. Ihr Bruder glaubt, man würde sie austauschen.

Was sich in der Zusammenfassung vielleicht etwas schräg liest, ist absolut wunderbar geschrieben. Brigitte Sieger schafft es, sowohl dem kleinen Mädchen Leben einzuhauchen, als auch die emotionslosen Patientenakteneinträge glaubhaft darzustellen. Sehr gelungenes Debüt!

Andrea Thamm: Der Hygieneunfall

Ava, die Architektin, die der Stadt eine Kuppel beschert hat, träumt vom Schwimmen und wird von ihrem Bett geweckt, das eine Kontaminierung mit Schweiß meldet und sofortige Gegenmaßnahmen empfiehlt. Während sie sich von Licht reinigen und desinfizieren lässt, grübelt sie weiter über ihren Traum nach, erinnert sich an das Leben vor der Kuppel. Als Regen noch ungehindert auf den Boden traf, die Flüsse und Seen noch nicht trockengelegt waren. Sie kehrt in Gedanken in eine Zeit zurück, in der sie im Regen tanzte. Nach der Dusche ruft sie sich zur Vernunft. Immerhin weiß jedes Kind, dass Wasser Keime trägt, Keime, die der Ursprung für Krankheiten sind. Im Ministerium kommt es zu einem Zwischenfall, der einen Minister sein Amt kostet: Er schwitzt! Wahrscheinlich hat er es mit den Antitranspirationsimpfungen nicht so genau genommen.

Um sich abzulenken, fährt sie mit dem Fahrstuhl in den obersten Stock, wo sie direkt die Kuppel berühren kann und entdeckt dort ein winziges Leck, das keinen Alarm auslöst, obwohl es das müsste. Irritiert und in Gedanken immer noch beim schwitzenden Minister und ihrem Traum, vergisst sie, selbst Alarm auszulösen.

Andrea Thamm führt uns in eine Welt, die sie gut beschreibt. Sie lässt uns an Avas Gedanken, ihrer Entwicklung teilhaben. Routiniert geschrieben, gefiel mir gut.

Dirk Alt: Flucht aus der Plastikwelt

Martin, achtzehn Jahre alt, möchte seinem Leben ein Ende bereiten. Dafür gibt es in Zeiten der Überbevölkerung Institute. Dort muss er sich durch einen Haufen Formulare arbeiten, seinen Wunsch begründen, ein Rücktrittsgespräch absolvieren und dann kann er sich die Art und Weise, wie er aus dieser Welt scheiden möchte, aussuchen. Es gibt viele verschiedene Varianten, bei denen auch mal etwas schief gehen kann.

Routiniert erzählt und im Wesentlichen ein Gegenpunkt zu der immer wieder aktuellen Diskussion um Sterbehilfe.

Friedhelm Rudolph: Faluso, o Faluso

Die Menschen existieren in einer anderen Form. Statt in einem Körper haust der Geist nun in einem Konteiner. Er wird von allerlei Androiden umsorgt.

Eines dieser Wesen erbittet sich einen Finger, damit er dieses Popeln einmal ausprobieren kann. Der Medroid bemüht sich, ihm stattdessen einen Faluso anzudrehen.

Die Idee fand ich interessant und der Text ist unterhaltsam geschrieben, nur zum Schluss hin, hätte es eine Windung weniger sein dürfen.

Gard Spirlin: Juvenil Forte

Odysseus Ryder, ein Kurier im All, erhält einen Brief von seinem Vater, der in einem Seniorendomizil auf dem Mars lebt. Er möge ihn doch mal besuchen kommen. Mit seiner Freundin, die gerne eine festere Verbindung eingehen würde, nimmt er die Einladung an und ist überrascht, als er seinen Vater in einem sehr viel besseren Zustand vorfindet, als er ihn in Erinnerung hat. Juvenil Forte, ein neues Medikament, ist dafür verantwortlich.

Unterhaltsame Geschichte, gut geschrieben, gefiel mir bis jetzt am Besten.

Selbst bei der Namensvergabe merkt man diesem Autor an, dass er sich Gedanken macht.

Frank Lauenroth: Tubes Inc.

Vor Gericht soll darüber entschieden werden, ob es sich bei Michael Johnsons Verschwinden lediglich um einen Unfall oder um vorsätzlichen Mord handelt.

Der Staatsanwalt will beweisen, dass die Firma, die mittlerweile fast ein Transportmonopol besitzt, unzuverlässig arbeitet. Der Geschäftsführer von Tubes Inc., John-Louis Bredshore, wird von der Richterin gezwungen, bei einem vor Ort Termin in seinem Unternehmen, den Transportvorgang zu demonstrieren. Beiläufig erwähnt er dabei, dass seine Transporte weit über den bloßen Transport hinausgehen, auf jeder Reise, behauptet er, wird der Mensch optimiert, Krankheiten geheilt. Obwohl diese Nachricht eine Sensation ist, wird der Prozess am nächsten Tag fortgeführt.

Spannend, unterhaltsam, gekonnt. Gefiel mir sehr gut, selbst der kleine eingebaute Gag.

Julia Aninna Jorges: Schneewittchen erwacht

Eine Frau kommt in einer ungewohnten Umgebung zu sich und fragt sich, was geschehen ist. Sie erinnert sich, gestern mit ihrem Sohn ein Eis gegessen zu haben und sie erinnert sich an die Diagnose Krebs. Brustkrebs, der trotz Mammografie zu spät erkannt wurde und gestreut hat. In der Brust kann das Geschwür operativ entfernt werden, im Hirn jedoch nicht. Es bleibt lediglich die palliative Behandlung.

Sie liegt unter Glas und eine Apparatur spendet minimales Licht. Sie fragt sich, wo sie ist und was geschehen ist.

Die Geschichte liest sich gut und besitzt eine gewisse Art Spannung.

Angela Stoll: Androidenerwachen

Esra ein kleiner behinderter Junge wird von seinem Pflegeandroiden Xe liebevoll gepflegt. Die Mutter des Jungen muss extrem viel arbeiten, weil sie den Jungen bekam, obwohl abzusehen war, dass er mit einer Behinderung zur Welt kommen würde. Nach der Arbeit trinkt sie und wartet darauf, dass der Junge endlich stirbt. Den direkten Kontakt zu ihm hat sie längst abgebrochen.

Esra hat den letzten Wunsch, noch einmal ins Freie zu gelangen. Da die Menschen keine Kranken mehr unter sich dulden, stellt diese Bitte eine Herausforderung für Xe dar, die er überwindet, indem er den Wunsch nachts erfüllt. Dann ist die Wahrscheinlichkeit auf Menschen zu treffen sehr gering.

Das Thema, besonders die gezogene Quintessenz, ist nicht neu, aber unterhaltsam geschrieben.

Ellen Norten: Das Puppenhaus

Zwei Astronauten überlegen sich, wo sie ihren Kurzurlaub verbringen wollen.

Einen von ihnen interessiert ›Puppenhaus‹, eine Art Märchenpark für Kinder und Erwachsene, aber der andere weiß zu berichten, was sich dort zugetragen hat.

Ellen Norten weitet das Thema Gesundheit auf Genmanipulationen aus und das recht unterhaltsam und fantasievoll.

Enzo Asui: Zwei Leben

Ein Mann geht zum Amt, um sich neue Nieren zu besorgen. Ein neuer Arzt empfängt ihn.

Interessant anders, die Geschichte. Kurz und knackig. Gefiel mir gut.

Götz Markgraf: Vom Fax gezeichnet

Arthur steigt aus dem Fax und niest. Im Zeitalter, indem Krankheiten als besiegt gelten, sehr ungewöhnlich. Aber wenigstens erfährt er so, dass es immer noch Ärzte gibt, und sucht einen auf. Der schreibt ihn krank und beide vergessen die Angelegenheit. Arthurs Lebensgefährtin kann mit einem Kranken nichts anfangen und quartiert sich vorübergehend woanders ein.

Als Arthur kurz darauf erneut erkrankt, verlässt sie ihn. Die Sprechstundenhilfe des Arztes kümmert sich sehr nett um den Kranken.

Es kommt zu weiteren Krankheiten und zu einer überraschenden Auflösung.

Diese Geschichte gehört mit zu meinen Favoriten. Der Autor geht das Thema anders an, als die meisten seiner Kollegen. Daneben blitzt Humor durch und der Stil ist überaus gekonnt.

Paul Sanker: Vertreibung aus dem Paradies

Die Geschichte spielt in den USA von 2112. Der Leser erfährt durch Rückblicke, dass eine Seuche die Rinder- und Schweineherden auf Erden vernichtet hat.

Ein schlauer Wissenschaftler züchtete daraufhin einen gigantischen Thunfisch, der für die Ernährung der Weltbevölkerung herhalten sollte.

Parallel dazu wurde von den obersten Behörden die Züchtung menschlicher Ersatzteile verboten. Da immer mehr Menschen an Krankheiten leiden, die unter anderem vom vermeintlichen Wunderfisch übertragen wurden, sucht der Chef von Global Transplant einen anderen Weg finden, um an die heißbegehrten Organe zu gelangen.

Da ergibt es sich gut, dass er von einer Parallelwelt erfährt, die die Schweizer bei ihren Versuchen im CERN entdeckt haben.

Obwohl Paul Sanker hier eine ungewöhnliche Art der Erzählung wählt, nimmt er den Leser mit. Er rechnet mit vielen Wirtschaftszweigen, Profiteuren und Politikern ab. Er tut dies auf eine Art, die dem Leser nicht vorgibt, was er zu denken hat. Hat mir sehr gut gefallen und ich bin mir fast sicher, er hat sogar eine Begründung parat, warum in den USA mit Euro bezahlt wird.

Michael Schmidt: Der optimierte Mann

Michael Schmidt erklärt dem Leser, dass die Geschlechterrollen sich verschieben, und beschreibt die Realität so:

Der Unterschied zwischen Mann und Frau verschwimmt. Der Mann wird femininer, die Frau maskuliner und die Kinder entscheiden, was läuft.

Hier musste ich zum ersten Mal lachen. Die Geschichte ist relativ kurz, deshalb gehe ich hier nicht weiter auf die Handlung ein. Mir hat sie sehr gefallen. Ich wusste nicht, dass der Autor so lustig sein kann, und würde es begrüßen, weitere lustige Storys von ihm zu lesen.

Claudia Plachetka: Zu zweit, eins

Nach dem dritten Weltkrieg leben nur noch in Europa einige Menschen, der Rest der Erde ist verseucht.

Die Nachkommen der Überlebenden haben den Menschen optimiert, indem sie alle Embryonen mit Medikamenten von Empfindungen befreien. Jeder Mensch kann nur einen einzigen anderen lieben, es gibt keine sexuelle Lust mehr. Geburten werden künstlich herbeigeführt. Die Gesellschaft ist zwar immer noch in unterschiedliche Schichten aufgeteilt, aber es herrscht kein Neid. Alle verdienen gleich viel.

Allerdings gibt es einige wenige Menschen, die durch ein Versehen diese Impfung nicht empfingen. Diese tun sich zusammen und wollen das herrschende System abschaffen, notfalls mit Gewalt.

Ein aktuelles Thema unterhaltend aufbereitet.

Andreas Witte: Die Ehemaligen

Nach einem Krieg, der durch die Einwanderung vieler Flüchtlinge unvermeidbar wurde, hat sich Europa in zwei Zonen aufgeteilt. Viele Menschen sind diesem Krieg zum Opfer gefallen, weshalb die Gesetze für Bestattungen geändert wurden.

Obwohl der Autor teilweise interessante Ideen hat, überzeugt mich diese Geschichte nicht. Der Kriegsgrund und seine Folgen wirken auf mich einfach zu sehr an den Haaren herbeigezogen.

Johann Seidl: Tausche den Tod

Ein Raumschiff nähert sich der Erde. Es sendet Nachrichten, zu deren Entschlüsselung biopolare Personen herangezogen werden. Der Ich-Erzähler ist auf einer Spur.

Eine der besseren Geschichten in dieser Sammlung. Der Autor versteht es, den Leser in seine Entschlüsselung einzubeziehen.

Achim Stößer: Nebenwirkung

Die Geschichte geht irgendwo in der Vergangenheit los. Ein kleiner Junge hat sich das Lesen beigebracht und vertreibt sich damit viel lieber die Zeit, als mit der Arbeit, zu der sein Vater ihn auffordert. Er wird krank und erinnert sich an eine Geschichte, in der ein Kranker, dadurch geheilt werden konnte, dass eine Jungfrau sich für ihn opferte.

Ein kleines Mädchen sieht ein UFO und rennt davon.

Ein Mann bekommt in der Klinik mehrere Stents.

Diese drei Settings werden durch Ufos miteinander verbunden.

Achim Stößer liefert für meinen Geschmack eine der besten Geschichten in diesem Band. Sie zeichnet sich durch verschiedene Ebenen aus, die er geschickt miteinander verwoben hat. Außerdem funkt sein Humor mit durch. Hat mich sehr gut unterhalten.

Simon Schneider: Spiel nicht Gott – Sei Gott

Ein Ehepaar in ferner Zukunft hat sich entschieden Kinder zu bekommen und sitzt nun in einem Raum der Firma ›New Human Company‹, um die Details durchzugehen. Zuerst wird der Mann davon überrascht, dass seine Frau sich offensichtlich weit intensiver mit dem Thema beschäftigt hat, als ihm bewusst war. Aber schon nach relativ kurzer Zeit ist auch sie überfordert.

Die Geschichte gehört für mich zu den Besseren.

Meiner Meinung nach wäre das Buch wesentlich besser geworden, wenn man ein engmaschigeres Sieb verwendet hätte. Allerdings verstehe ich den Herausgeber gut, wenn er neuen Autoren eine Chance geben möchte.

Unter diesem Gesichtspunkt will ich nicht zu hart sein und vergebe vier von fünf Punkten.

Persönlich finde ich, viele der Geschichten wären weit besser davon gekommen, wenn sie intensiver überarbeitet worden wären.

Die Menge der sehr kurzen Geschichten war mir zu viel.

Wenn eine Story sehr kurz ist, muss sie für mich auch sehr gut sein.

Dieses Titelbild

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stammt von Lothar Bauer und gefällt mir sehr gut.

5. März 2016

Zwielicht 8

Heute ausnahmsweie mal Werbung für ein Buch, das nicht aus dem p.machinery Verlag stammt.

Zwielicht ist ein Horrormagazin, das nun schon zum achten Mal erscheint. Und zum ersten Mal bin ich mit daran beteiligt. Nein, dieses Mal nicht mit einer Geschichte.

Ich habe das Lektorat übernommen und kenne daher alle Storys. Lasst euch sagen: Es sind wirklich ein paar besondere Geschichten dabei. Ich will keine hervorheben, euch das Magazin aber ans Herz legen. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass einige Geschichten im nächsten Jahr auf diversen Nomininierungslisten landen werden.

Das geniale Cover stammt von Björn Ian Craig und die Illustrationen von Daniel Huster.

Zwielicht 8 erscheint im Verlag Saphir im Stahl, und zwar bald.

 

Cover Zwielicht 8

20. Februar 2016

Anthologie „Nebelmelodie“ erschienen

Heute bekam ich vom Verlag die Info, dass die Anthologie „Nebelmelodie“ erschienen ist.

Hier der Text vom Verlag mit einer Liste der vertretenen Autoren:

Tedine Sanss & Marie Haberland
NEBELMELODIE
Inspiration PelleK
AndroSF 53
p.machinery, Murnau, Februar 2016, 432 Seiten, Paperback
ISBN 978 3 942533 81 2 – EUR 12,90 (DE)
eBook: ISBN 978 3 – EUR 6,49 (DE)

Vier Oktaven, Rockmusik mit orchestraler Ausrichtung, mythische Texte: Das sind die Grundlagen für sechsundzwanzig sehr verschiedene Geschichten. PelleK, mit bürgerlichem Namen Per Fredrik Åsly, inspirierte die Autoren dieser Anthologie.
Das Ergebnis ist bezaubernd, traurig, verstörend und märchenhaft schön. Freunde tiefgründiger Texte werden auf ihre Kosten kommen. Jeder einzelne Autor hat eine Nachricht zu vermitteln und wer genau hinhört, erkennt:
In diesem Buch steckt Musik.

Die Geschichten:
Simone Komosinski: 9 Uhr 07
Arndt Waßmann: Die Magie des Meeres
Arno Endler: Der verbundeneweltentrennende Nebel
Axel Kruse: Eine Weihnachtsgeschichte
Enzo Asui: A Band of Angels
Heather Millicent Hauks: Tiger! Tiger!
Michael Schmidt: Paulas neuer Freund
Susann Obando Amendt: Blendlicht
Achim Stößer: Hunderttausend Jahre Einsamkeit
Sven Klöpping: Der letzte Tanz
Andreas Flögel: Trauer, Trost und Therapie
Anna Exel: G-LOC
Bettina Ferbus: Wünsche
Enzo Asui: Der Blues von Babylon
Frederic Brake: Verrat ist ein Dolch aus Eis
Felix Woitkowski: Leba
Tedine Sanss: Flucht aus Babylon
Paul Sanker: Der Sturm hinter der Mauer
Marie Haberland: Die Automaten
Marianne Labisch: The blue S oder das blaue S
Tedine Sanss: Voyou
Anna Exel: Liberation
Gabriele Behrend: Das Kind des Steuermannes
Christian Künne: Okhotsk
Franziska Meersburg: Flügelschlag
Galax Acheronian: Worte in Gold

Das Titelbild stammt von Galax Acheronian.

Und sieht so aus:

 

androSF53cover250

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei Anthologien hat meist jeder andere Favoriten. Ich kenne alle Storys und kann sagen, sie sind alle gut. Es hat wirklich Spaß gemacht, dieses Projekt mit den Herausgeberinnen und dem Verleger umzusetzen.

 

 

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