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11. März 2016

Arndt Waßmann »In des Greifen Schatten«

Heute mal wieder eine Rezension:

Arndt Waßmann’s Geschichtensammlung In des Greifen Schatten

Über den Verlag:  hier

Über amazon: hier

Taschenbuch: 152 Seiten

Verlag: p.machinery Michael Haitel; Auflage: 1 (20. November 2015)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 395765047X

ISBN-13: 978-3957650474

Preis Taschenbuch: 7,90 €

Preis E-Book: 3,99 €

In des Greifen Schatten

König Nerdan ist träge geworden und hat immer mehr seiner Aufgaben an Sarrik übertragen. Selbst das Lesen der Gesetze, die er erlässt, scheint ihm überflüssig. Sarrik schielt allerdings nach der Macht und hat sich mit den haarigen Wesen, Årrx genannt, verbündet. Mit letzter Not gelingt es Nerdan, aus dem Schloss zu entkommen, als die Revolte losbricht.

Auf der Flucht steht er der jungen Novizin des Hethena-Tempels, Isilda, bei und erfährt von ihr, dass er beim Volk längst nicht so beliebt ist, wie Sarrik ihn glauben machte. Gemeinsam gelingt ihnen die Flucht aus Nerwik, der Hauptstadt des Landes.

Bernhild, eine Priesterin des Hethena-Tempels, wird mit drei Novizinnen auf die Reise geschickt. Sie soll einen Spährenriss verhindern, der allerlei bösen Kreaturen den Weg in diese Welt eröffnen würde.

Laridas Kroning, ein Kaufmann, mit Gütern unterwegs, trifft auf eine Frau, die von seltsamen schattenhaften Wesen überfallen wurde. Er hilft ihr und bringt sie in die nächste Schenke.

Arndt Waßmann beginnt diese Geschichte sehr stimmungsvoll und intensiv. Man wird gut ins Geschehen gezogen und erfährt, in welcher Beziehung die Personen untereinander stehen. Selbst die Lethargie des Königs versteht der Leser anhand der Erklärungen. Der Autor braucht seine Welt nicht großartig beschreiben, man sieht sie trotzdem vor Augen. Ich denke, er hätte aus dieser Geschichte sogar einen Roman machen können. Verschiedene Charaktere, unterschiedliche Welten mit vielen Wesen und Handlung hätte er genug gehabt. Der eine und der andere Strang hätte für meinen Geschmack gerne weiter ausgebaut werden dürfen. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass er nach ungefähr drei Vierteln plötzlich schnell fertig werden wollte. Es entsteht zwar nicht der Eindruck, dass sich alles von alleine fügt, aber für mich hätte er die ursprüngliche Geschwindigkeit beibehalten dürfen.

Die letzte Hoffnung

König Lagar, Herrscher über Lassarien, sieht sich gezwungen, das Horn der Tamaris zu blasen und so die Wassergöttin um Hilfe anzuflehen. Die drei bislang zerstrittenen Völker aus dem Süden haben sich zusammengetan, Lassarien zu vernichten. Mordend und brandschatzend ziehen sie bereits durchs Land. Die Göttin erscheint, bietet ihre Hilfe an, fordert allerdings das Leben seiner beiden Kinder. Der König, der seine Frau schon vor langer Zeit verlor, überlegt, ob es noch eine andere Möglichkeit geben könnte.

Diese Geschichte erscheint mir wie ein Grundgerüst und weist Löcher auf.

Was die Südländer davon haben, Lassariens Bewohner zu ermorden, wird mit keiner Silbe erwähnt. Der Vater, der die Wahl hat, entweder seine Kinder oder sein Volk zu retten, bleibt blass. Die beiden Kinder, die scheinbar nur darauf gewartet haben, sich opfern zu dürfen, überzeugen mich nicht wirklich.

Die Göttin, die nicht so grausam ist, wie sie scheint, würde ich auch ins Reich der Märchen verbannen.

Der Sturm

Prinz Mustafa wurde von Königin Lasgerd abgewiesen und macht sich mit seiner Schiffsflotte auf den Weg, ihr Volk büßen zu lassen. Er ist ein grausamer Herrscher und ebenso grausam soll seine Rache sein.

Er gerät ohne Vorwarnung in einen Sturm und danach ist nichts mehr, wie es vorher war.

Bis auf das Ende, das mich überraschte, konnte mich an dieser Geschichte nichts begeistern. Zu viel Schwarz-Weiß-Malerei, die auch von dem Ende nicht wettgemacht wird.

Der Stern des Königs

Ein Gedicht, in dem es wieder um einen König geht, dem die Wassergeister seine Liebsten entreißen wollen.

Mit Lyrik hatte ich nicht in diesem Band gerechnet und bin nicht Fachmann genug, um ein Urteil darüber zu fällen.

Der Stein von Amtarim

König Mirsan ist so wütend auf seine Schwester Miranna, dass er den Magier Thurius bittet, das Band, mit dem der Zauberer sie vor langer Zeit verband, zu lösen. Der Magier warnt ihn, dieser Akt sei zwar möglich, aber mit Risiken verbunden. Der Hass hat Mirsan so verblendet, dass ihm egal ist, wenn er selbst bei diesem Vorgang umkommt, solange seine Schwester nur das gleiche Schicksal teilt. Der Magier bittet ihn, in einen Kreis zu treten …

Mirsan findet sich völlig nackt im Schneetreiben wieder. Er weiß weder, wo er sich befindet, noch wie er herkam. Alles, was er weiß, ist, er darf nicht rasten, sonst wird er erfrieren. Dennoch bricht er irgendwann bewusstlos zusammen.

Er wacht in einer Hütte auf, und wird dort von einer jungen Stickerin, Sirma gepflegt. Sie sorgt für eine warme Hütte und gibt ihm alte Kleidung ihres Vaters. Einzig mit Essen kann sie nicht dienen. Die Vorräte sind fast zu Ende. Der frühe Schnee-Einbruch hat ihre Eltern scheinbar auf dem Rückweg vom Proviantholen überrascht. Sirma rechnet nicht vor dem Frühjahr mit ihrer Rückkehr.

Mirsan wurde von seinen Eltern, die vor etlichen Jahren starben, in der Jagd ausgebildet und kann für genug Proviant sorgen. Nach anfänglichen Streitereien verstehen Sirma und Mirsan sich prächtig. Durch ihre Fragen beginnt er, den Hass auf seine Schwester zu hinterfragen. Sirma hat für etliche Punkte, die er für bloße Schikane hielt, vernünftige Gründe zu bieten. Nach und nach erscheint es ihm ratsam, ein Gespräch mit Miranna zu führen, bevor er sie tötet.

Er kommt dahinter, dass Sirma die Tochter von Edelleuten ist, die er vom Hof verbannte. Beide zusammen müssen Årrx bekämpfen und brechen zu guter Letzt gemeinsam in die Nordprovinz auf, um Miranna zu besuchen. Dort werden sie schon von deren Truppen empfangen.

Miranna ahnt, dass der Stein von Amtarim nun eine Entscheidung verlangt.

Wie Magier Thurius offenbart, kann es wohl nur einen Herrscher über das Land geben und der Trick, den Ihre Eltern angewandt hatten, das Land mit Nord- und Südprovinzen auf beide Kinder aufzuteilen, sei nun hinfällig.

So begeben sich Miranna, Mirsan und Sirma in die Höhle, um die Entscheidung des Steines zu empfangen. Einer von beiden wird sterben müssen, wenn das Ungleichgewicht, das sich durch Erdbeben, die in immer schnellerer Abfolge das Land erschüttern, äußert, behoben werden soll.

Es kommt anders, als man denken mag.

Diese Geschichte gefiel mir wieder sehr gut. Auch wenn ich das Ende so niemals erwartet hätte. (Ich hoffe, ich habe es nicht missdeutet.)

Die zwei Seiten der Wahrheit

Valius und Rimbold sind zwei Magiestudenten, die sich in der Fähigkeit üben, in den Geist der Gefangenen zu blicken. Anhand ihrer Recherchen werden die Häftlinge verurteilt oder freigelassen.

Valius glaubt beim aktuellen Fall an einen Gewohnheitsdieb, er immer weiter stehlen wird, wenn man ihn lässt. Rimbold dringt als Erster in den Geist des Häftlings ein und sieht einen kleinen Jungen, der seiner Mutter mit einem großen Blumenstrauß eine große Freude macht. Valius spürt dieser Spur nach und entdeckt: Der Strauß war geklaut. Aber das überzeugt Rimbold nicht.

Er spürt nach weiteren Erinnerungen und sieht den Verdächtigen in einer Hütte mit seiner Frau, die ihm für ihr Kind dankt.

Der Ansatz der Geschichte gefällt mir, weil es in aller Regel eben viel mehr grau als schwarz und weiß gibt, allerdings bleibt der Autor dann doch wieder in vorgefertigten Bahnen. Eine differenzierte Herangehensweise hätte mir besser gefallen.

Das blaue Licht

Johanna marschiert durch das Schneetreiben auf das verblassende Licht des Berges zu. Das Licht behütet den Ort, sorgt für gute Ernten, hält Kriege fern und scheint über allem zu wachen. Doch es verblasst. Die Bewohner wissen nicht, was zu tun ist. Nur Johanna wacht eines Morgens auf und weiß, sie muss zur Quelle des Lichtes. Was sie dort zu tun hat, ahnt sie nicht. Keiner von denen, die zum Licht gingen, kam je zurück.

Die Geschichte ist nicht schlecht erzählt. Aber die Story reißt mich nicht wirklich mit.

Keiner von den Guten

Die siebzehnjährige Johanna sitzt im Kerker und wird angeklagt, sich der Hexerei schuldig gemacht zu haben. Erek, der Sohn des Grafen von Bilstein scheint ihr wohlgesonnen. Er kommt in ihren Kerker und erklärt ihr, dass ihr Todesurteil schon gesprochen ist. Er rät ihr, die Vergehen zuzugeben, um die Qual zu verringern. Er ist es satt, dass die Inquisitoren sein Volk immer weiter dezimieren, und möchten dem sich gegenseitig Beschuldigen ein Ende bereiten. Außerdem verspricht er ihr Vergünstigungen, wenn sie sich ihm freiwillig hingibt. Sie weiß, dass sie ihm angekettet, wie sie ist, unterlegen ist, dennoch bittet sie ihn, sich nicht zu nehmen, wonach ihm gelüstet. Wider Erwarten zieht er sich zurück. Allerdings nicht, ohne ihr zu versichern, dass er keiner von den Guten ist.

Johanna zweifelt an seinen Worten, als er ihr die Möglichkeit zur Flucht bietet, die sie selbstverständlich ergreift. Als sie erschöpft eine Rast einlegt, kommt Erek ihr erneut zu Hilfe. Er bringt ihr Kleider uns Schuhwerk. So ausgerüstet, sagt er, hätte sie eine reelle Chance, dem obersten Inquisitor, der bereits Jagd auf sie macht, wie auf ein Wild, zu entkommen.

Eine der besseren Geschichten des Bandes, die wieder mit einem überraschenden Ende punkten kann.

Fazit:

Eine durchaus unterhaltende Geschichtensammlung, in der mir persönlich die längeren Storys besser gefielen.

Ich vergebe 3 von 5 Punkten.

 

Hier noch das Cover:

fty22cover

 

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