ml-universe

25. Januar 2011

Textauszug – “Neubeginn”

Filed under: writing — mluniverse @ 20:14

Hallo,

Michael Haitel war so nett, mir zu gestatten, einen Textauszug einzustellen. Hier ist er:

 

Neubeginn?

Leise machte Ulca die Tür hinter sich zu. Sofort ging die Beleuchtung an. Ihr Vater saß in seinem Sessel und sah sie vorwurfsvoll an.

„Warst du wieder bei ihm?“

„Das geht dich nichts an! Ich bin erwachsen. Nur, weil ich noch bei dir lebe, gibt dir das nicht das Recht, dich in mein Leben einzumischen.“ Ulca war diese Gespräche so leid. Ja, sie verstieß gegen alle Regeln. Um das zu erkennen, brauchte sie ihren Vater nicht.

„Wenn du so weitermachst, wirst du noch in Schimpf und Schande davon gejagt. Was würde deine Mutter dazu sagen?“ Immer, wenn er nicht weiter kam, berief er sich auf seine verstorbene Frau. Ulca hatte ihre Mutter sehr geliebt. Aber nun liebte sie einen Mann. Sie würde sich ihr Glück nicht verbieten lassen.

„Lass Mama aus dem Spiel. Das ist nicht fair.“

„Ulca, ich will dich nicht verlieren.“ Er war wirklich betrübt. Seine Stirn zog sich kraus, eine steile Falte über der Nase erschien. Hoffentlich weint er jetzt nicht auch noch, dachte sie. Um das zu verhindern, setzte sie sich ihm zu Füßen auf den Boden.

„Ach, Papa. Ich habe doch diese dummen Regeln nicht erfunden. Außerdem hat Manam noch nie in seinem ganzen Leben auch nur einen Tropfen angerührt.“ Hier machte sie eine kleine Pause. „Ganz im Gegensatz zu dir und mir.“

„Kindchen! Wir dürfen das. Bei uns fehlt das Säufergen. Wie oft soll ich dir das noch erklären?“

„Und wenn sich die Weisen getäuscht haben?“, fragte Ulca.

Vielleicht würde ihr Vater morgen schon seine Meinung ändern. Ulca hatte einen Plan, den sie aber noch für sich behielt. Sie wünschte ihrem Vater eine gute Nacht, konnte aber ihre Gedanken nicht einfach abschalten. Immer wieder grübelte sie in letzter Zeit darüber nach, ob es wirklich sinnvoll war, sich an Regeln zu halten, die vor über fünfhundert Jahren aufgestellt worden waren. Nach dem Ende der alten Welt, als die Überlebenden neue Gemeinschaften bildeten, hatten die alten Weisen den Alkoholikern die Schuld am Zusammenbruch gegeben. Wobei sie nicht den Alkohol selbst verteufelten, sondern nur die Menschen, die ihn nicht in Maßen genossen. Jeder der Weisen hatte ein Beispiel zur Hand. Ein Arzt, der trank, um mit dem Stress fertig zu werden, dem zum Schluss die Hände so zitterten, dass er unweigerlich einen Fehler bei einer Operation machte. Einen Piloten, der durch übermäßigen Alkoholgenuss einen Absturz verursachte. Sie hätten dicke Bände mit Beispielen füllen können. Man schenkte ihren Reden Glauben. Irgendjemand oder irgendetwas musste doch Schuld tragen am Untergang. Wozu sollte man lange suchen, wenn die Weisen doch schon alles zu wissen vermeinten?

In den Laboren der Pharmaindustrie, die sie übernommen hatten, stellten sie fest, dass man im Erbgut bereits erkennen konnte, ob ein Mensch ein Alkoholiker war oder nicht. So wurde angeordnet, dass ein jeder sich dieser Untersuchung zu stellen hatte. Diejenigen, die dieses Gen in sich trugen, wurden aus der Gemeinschaft entfernt. Sie mussten unter sich bleiben. Familien wurden auseinandergerissen, Freunde getrennt. Die Weisen behaupteten, nur so sei ein erfolgversprechender Neuanfang möglich. Beide Gruppen hatten relativ wenige Mitglieder. Es waren nur die übrig geblieben, die einen sicheren Atombunker besaßen, also circa null Komma ein Prozent der gesamten Weltbevölkerung. Nie wieder, so schwor man sich, werde man die Fehler der Vorfahren wiederholen. Beide Gruppen wuchsen kontinuierlich, hielten sich aber an das Inzuchtgebot.

Wie in der Tierzucht glaubte man, die guten Erbanlagen so weitergeben zu können. Die Trinker, die das Säufergen nicht in sich trugen, lebten im Tal. Die Säufer in den Bergen.

Auch, als sich herausstellte, dass eine Person mit Säufergen nicht zwangsläufig wirklich zum Säufer werden musste, beharrte man auf der strikten Trennung. Das hatte für Ulca nicht den geringsten Sinn. Über ein Jahr kannte sie Manam nun schon. Er sah außerordentlich gut aus. Noch ganz deutlich konnte sie sich erinnern, wie sie ihn kennengelernt hatte.

 

Ich hatte ja schon in der Vorankündigung gesagt, dass es sich ein wenig absurd anhört. Aber wer einem gewissen Herren, der es mit seinem umstrittenen Buch 2010 in die Bestsellerlisten geschafft hat, glaubt, dass es Intelligenzgene gibt, der wird wohl auch an ein Säufergen glauben, oder?

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2 Kommentare »

  1. Hallo Linda,

    ich schätze, es kommt eher daher, dass die Kinder das Verhalten der Eltern kopieren. Wahrscheinlich gibt es auch mehr Kinder, die später rauchen, wenn die Eltern es vorgemacht haben. Genaus verhält es sich mit der Konfliktlösung. Wenn die im Elternhaus mit den Fäusten passiert, wird das Kind auch zu Gewalttätigkeit neigen. Daraus immer ein vererbares Gen zu machen, wäre bestimmt übertrieben. Ich habe versucht, es zu überzeichnen, um zu demonstrieren, wie absurd solche Debatten sind.

    Leibe Grüße

    Marianne

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    Kommentar von mlcreativebox — 26. Januar 2011 @ 20:25 | Antwort

  2. Liebe Marianne,

    ja, es soll tatsächlich die Möglichkeit einer familiären Disposition geben. Ob es sich hier um ein Gen handelt, ist noch nicht vollständig geklärt.

    Gruß Linda

    Gefällt mir

    Kommentar von Linda Cuir — 26. Januar 2011 @ 19:09 | Antwort


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