ml-universe

1. Januar 2011

Weil heute Neujahr ist, noch ein Appetithappen!

Filed under: writing — mluniverse @ 17:19

Hallo alle zusammen!

Ich hoffe, ihr habt mit lieben Freunden schön ins neue Jahr gefeiert. Böse Katerwesen solltet ihr vor die Tür setzten.

Allen Lesern wünsche ich für das neue Jahr alles Liebe und Gute, Gesundheit, Glück und Erfolg.

Mit ausdrücklicher Erlaubnis des Noel Verlages hier der Anfang meiner Geschichte “Dinner”, die in dem Weltentor – Mystery Band zu finden ist:

Dinner

Marianne Labisch

„Willkommen beim Mystery Dinner! Treten Sie ein. Ein unvergesslicher Abend steht Ihnen bevor!“ Rosi las das Schild am Eingang des Grundstückes. Was erwartete sie bei diesem Abendessen? Ach was, das würde sie jetzt gleich erfahren. Rosi vermutete, dass es eine Variante vom Mords-Dinner war. Dort wurde während des Essens ein Schauspiel aufgeführt, bei dem die Gäste sich beteiligen oder nur zusehen konnten. Aber Mystery hörte sich noch viel spannender an.

Sie spähte in den dichten Nebel. Ein Haus war noch nicht zu erkennen, aber dies war eindeutig der richtige Weg. Sollte sie warten, bis weitere Gäste kamen, denen sie sich anschließen konnte? Nein, die waren sicher alle schon da.

Der blöde Bus hatte sich fünfzehn Minuten verspätet. Rosi war nicht mit dem Auto gefahren, weil sie sich an diesem Abend vergnügen wollte. Sie würde den Wein genießen und nicht ständig darüber nachdenken, ob sie noch einen Schluck trinken durfte. Heute würde sie den Aperitif und zu jedem Gang ein Glas Wein trinken. Sollte es danach noch ein Schnäpschen geben, würde sie dies auch nicht ablehnen. Schließlich hatte sie heute Geburtstag. Fünfzig wurde man nicht jeden Tag. Eben! Diesen letzten Abend in ihrem Leben wollte sie genießen. Samstag oder Sonntag würde sie die Tabletten nehmen, damit ihrer Einsamkeit ein Ende bereiten.

Sie machte sich auf den Weg. Mit jedem Schritt wurde der Nebel dichter. Sie konnte kaum noch die eigene Hand vor Augen erkennen. Wenigstens war der Weg geteert.

Warum standen hier so wenige Lampen? Oder gehörte das schon zu der Mystery-Show? Das war aufregend. Etwas fuhr ihr durchs Gesicht. Was war das? Eine Spinnwebe? Igitt. Sie schrie. Wie dumm sie sich anstellte. Bestimmt war es nur ein welkes Blatt. Hoffentlich hatte sie niemand gehört. Rosi zog den Mantel enger um sich und ging mit weit aufgerissenen Augen weiter. Ein warmes Licht leuchtete in einiger Entfernung. Nun hatte sie wenigstens ein Ziel vor Augen. Sollte sie jemand fragen, warum sie geschrien hatte, würde sie einfach sagen, sie sei umgeknickt.

Heulen drang aus dem Wald. Obwohl Rosi sonst nicht ängstlich war, musste sie unweigerlich an einen Werwolf denken. Schalt sich aber sofort eine dumme Gans. Jedes Kind wusste, dass es keine Werwölfe und derartige Wesen gab. Soweit sie wusste, gab es nicht einmal ganz normale Wölfe in dieser Gegend. Sicher nur ein Hund. Mitten im Wald? Ja, warum denn nicht?

Wieder erklang dieser klagende Laut. Rosi ging noch schneller. Hörte sich das wirklich nach einem Tier an? Nein! Ha, die Veranstalter ließen sicher Geräusche vom Band abspielen. Und sie fiel auch noch darauf herein. Das würde ihr nicht noch einmal passieren.

„Guter Versuch. Aber wenn ihr mich erschrecken wollt, dann müsst ihr schon früher aufstehen“, murmelte sie vor sich hin. Lieber nicht so laut sprechen. Womöglich hörte es jemand. Ein kalter Luftzug strich an ihrer rechten Seite vorbei. Warum war sie nur so ängstlich? Wovor sollte sie sich jetzt noch fürchten? Morgen, spätestens übermorgen wäre alle Angst vorbei. Nun, vielleicht war gerade das der Punkt.

Der Wind nahm zu, zerrte an ihrem Mantel und zerzauste ihr sorgfältig frisiertes Haar. Es entstand ein pfeifendes Geräusch. Richtig unheimlich. Jetzt reichte es aber. Die zogen ja alle Register, bevor sie überhaupt im Haus war.

Klirrende Gläser, Gelächter und gutgelaunte Stimmen drangen an Rosis Ohr. Ja, die Gesellschaft war schon im Gange. Gut, wenn sie die Stimmen schon hören konnte, war es nicht mehr weit.

„Prost!“

„Auf Rosi.“

„Dem Geburtstagskind, alles Gute“, konnte Rosi verstehen. Häh? Wie bitte? Woher bitte schön wussten die Leute, dass sie heute Geburtstag hatte? Das konnte nicht sein. Sie hatte nirgendwo ihr Geburtsdatum angegeben. Da wird noch eine Rosi sein. So einfach ist das. Ich habe ja keine Exklusivrechte an diesem Namen. Ja, das war eine vernünftige Erklärung.

„Nun könnte die bissige Rosi aber langsam auftauchen.“

„Sie ist fast da.“

„Wenn du noch lauter schreist, machst du die Überraschung kaputt.“

Rosi blieb wie vom Donner getroffen auf der Stelle stehen. Die bissige Rosi? Wie lange war es her, dass sie diesen ungeliebten Namen gehört hatte? Seit ihrer Ausbildung wurde sie nicht mehr so genannt. Kein Wunder, für die Dauer der Ehe, immerhin zwanzig Jahre, hatte sie Abriss geheißen. Erst als sie ihren treulosen Mann verließ, nahm sie den Mädchennamen wieder an. Sie hatte keinen Kontakt mehr zu den Personen ihrer Jugend. Wie um alles auf der Welt konnte dann auch nur irgendjemand dort hinten in dem Haus wissen, dass sie fast angekommen war?

Unheimlich! Sollte sie wirklich weiter gehen? Ihr Magen fühlte sich kalt an. Als habe sie seit zwei Wochen nichts mehr gegessen. Diese Kälte machte sich langsam im ganzen Körper breit. Gänsehaut mahnte sie weiter zu gehen. Renn nach Hause! Verrammel die Tür und lass niemanden ein!, befahl eine innere Stimme.

Nein! Sie hatte im Voraus für diese Veranstaltung gezahlt. Es war nicht gerade billig gewesen. Aber das hatte sie nicht gestört. Nein, im Gegenteil, dies war das einzige Geschenk, das sie sich zum runden Geburtstag machte. Sollte sie das jetzt einfach sausen lassen? Sich stattdessen alleine zu Hause vor den Fernseher setzen? Sich die Augen aus dem Kopf heulen, weil sie so alleine war? Auf das Telefon starren, das sich doch nicht rührte? Nein! Nein! Und noch mal Nein! Dies war ihr Tag! Warum war sie nur so ängstlich? Sie liebte doch Schauergeschichten.

Ja, auf dem Sofa in eine Decke gekuschelt, mit Kerzenlicht. Aber nicht im November, in der Dunkelheit, mit einen Sturm, der sie umfegte und seltsamen Gästen! Immer noch unschlüssig stand sie auf dem Weg. Ihr vernünftiger Teil schob sie an. Langsam wagte sie einen Schritt.

Es sind die Toten, die dort auf mich warten. Sie sind gekommen, mich zu holen.

Spannend geht es weiter. Lest bitte selbst.

Viele liebe Grüße

Marianne

 

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