ml-universe

24. Dezember 2010

Ein Appetithappen zu Weihnachten

Filed under: writing — mluniverse @ 18:22

Liebe Leser,

ich wünsche allen ein geruhsames Weihnachtsfest. Vergesst bitte nicht: Es ist das Fest der Liebe!

Also: Streitet euch nicht!

Feiert friedlich und freut euch, dass ihr die Zeit mit euren Lieben verbringen dürft.

Der Verlag hat gestattet, dass wir Autoren Auszüge aus unseren Geschichten einstellen dürfen. Deshalb könnt ihr hier schon einmal den Anfang von meiner Story “In Sicherheit” lesen, die in dem Buch “Verborgene Rituale” erschienen ist:

In Sicherheit?

Marianne Labisch

Ich schrecke aus dem Schlaf hoch. Ein Geräusch hat mich geweckt. Ein Knacken. Was war das? Ein Einbrecher? Ich lausche in die Dunkelheit. Halte den Atem an. Bewegt sich dort jemand? Mein Herz rast. Es muss jemand in der Wohnung sein. Traue ich mich nachzusehen? Ich muss! Sonst werde ich nicht wieder einschlafen. Wäre ich nicht viel früher wach geworden, wenn sich jemand Zutritt verschafft hätte? Macht eine Scheckkarte, die den Schnapper beiseite drückt, ein hörbares Geräusch? Sicher nicht. Langsam lasse ich die angehaltene Luft entweichen. Leise. Wenn jemand hier ist, darf er auf keinen Fall bemerken, dass ich wach bin. Immer noch hämmert mein Herz. Ich muss mich beruhigen. Wo bekomme ich eine Waffe her?

Ruhe. Ich höre nichts. Was, wenn er bemerkt hat, dass ich wach bin, sich deshalb ebenso still verhält? Ich muss nachsehen. Aber ich bin nackt. Wird er es nicht als Einladung verstehen, wenn ich ihm so unter die Augen trete? Ich könnte ins Bad schleichen, den Bademantel überziehen, dann die Wohnung inspizieren. Wenn ich nur nicht solche Angst hätte. Warum habe ich auch nicht abgeschlossen? In der alten Wohnung, vor dem Umzug aufs Land, habe ich es doch jeden Abend ganz gewissenhaft getan. Warum nicht hier?

Weil ich hier auf dem platten Land lebe. Hier wird nicht jeden Tag gemordet oder gestohlen. Man vertraut einander. Außerdem wohne ich im dritten Stock, direkt unter dem Dach. Wenn bei mir jemand einbrechen will, muss er zuerst einmal ins Haus kommen. War die Haustüre offen? Ja, das kommt immer wieder vor. Die Leute vergessen einfach den Riegel wieder zurück zu setzen. Erst einmal im Haus, wäre es ein Kinderspiel in meine Wohnung zu gelangen.

***

Er hämmerte an der Tür. Ich wollte ihn nicht herein lassen. Aber er machte so viel Krach im Hausflur, dass die Nachbarn sich bestimmt schon fragten, was das wohl für eine neue Mieterin ist, die solche Besucher empfing. Konnte ich ihn einfach dort stehen lassen?

„Mach sofort die verdammte Tür auf, oder ich trete sie ein“, befahl er. Gewohnt, dass ich gehorchte.

Wenn ich ihn einließ, würde er wieder um sich prügeln. Musste ich erst auf den Mond ziehen, bevor ich Ruhe vor ihm hatte?

„Nein! Hau ab! Verschwinde hier, oder ich rufe die Polizei!“ Ich hatte in dieser ersten eigenen Wohnung gar kein Telefon. Wusste er das? Hoffentlich nicht.

„Du sollst die Tür aufmachen! Hörst du?“

Mit zitternden Hände legte ich die Kette vor, wagte es, die Tür einen Spalt zu öffnen.

Seine mordlustigen Augen starren mich an.

„Was soll das? Glaubst du etwa das könnte mich aufhalten?“ Er warf sich mit seinem ganzen Gewicht gegen die Tür. Die Verankerung der Sicherheitskette sprang aus dem Holz. Sofort schob er sich in die Wohnung, wild um sich schlagend.

„Nein …“ schreie ich, finde mich im Bett wieder. Nur ein Traum. Mein Atem geht stoßweise.

***

Als hätte ich einen Dauerlauf hinter mir. Was für eine Nacht. Wie konnte ich nur wieder einschlafen? Dann auch noch dieser Traum, in dem ich wieder siebzehn war. Noch einmal lausche ich angestrengt. Es ist still. Also ist niemand in der Wohnung. Nein. Sehr gut! Wunderbar! Also kann ich ganz beruhigt wieder einschlafen. Ob ich diesen Traum weiter träume? Bitte nicht. Denk an etwas Anderes. Mein Atem und mein Herz beruhigen sich wieder. Die Augenlider werden schwer. Ich bin so müde.

Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig neugierig machen. Seid lieb zueinander und feiert schön.

Viele liebe Grüße und eine frohe Weihnacht wünscht euch

Marianne

 

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